Anleihen: "Renditeanstieg nach Zinssenkung"


07.06.24 17:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach den Notenbanken der Schweiz, Schwedens und Kanadas hat gestern Mittag auch die EZB ihre Leitzinsen nach unten genommen, so die Deutsche Börse AG.

Nachdem die Ratsmitglieder den Schritt über viele Wochen verbal vorbereitet hätten, sei die Senkung um 25 Basispunkte keine Überraschung mehr gewesen. Dafür hätten die neuen Inflationsprognosen der EZB für Bewegung an den Anleihemärkten gesorgt.

Konkret rechne die Notenbank in der Eurozone jetzt mit etwas höheren Teuerungsraten von 2,5 bzw. 2,2 Prozent in den Jahren 2024 und 2025. Die Kernrate solle in diesem Jahr sogar um 2,8 Prozent steigen. Die neuen Prognosen würden nach Ansicht von Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa bei der DWS, daraufhin deuten, "dass es nun doch länger dauern könnte, bis das Inflationsziel erreicht ist". Sie werte diese Aussage als "deutlich restriktiver als erwartet" und rechne daher mit einer "Pause im Juli und weiteren Zinssenkungen im September und Dezember".

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, erwarte im Sommer ebenfalls keinen weiteren Zinsschritt. Er verweise insbesondere auf die Ankündigung der Zentralbank, weiterhin datenabhängig agieren zu wollen. Weil es gleichzeitig nur alle drei Monate neue Prognosen des EZB-Stabes gebe, sei eine weitere Zinssenkung vor September "praktisch ausgeschlossen". Bei der NordLB heiße es, dass die "im Spätsommer zu erwartenden geringeren Inflationszahlen die Tür für einen weiteren Zinsschritt öffnen werden". Auch hier werde erst im September wieder mit der nächsten Zinssenkung in der Eurozone gerechnet.

An den Rentenmärkten stelle man sich auf dieses Szenario bereits ein. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei auf Wochensicht zwar recht deutlich gefallen, was aber ausschließlich der Entwicklung der ersten drei Handelstage geschuldet sei. Nach der EZB-Sitzung inklusive höherer Inflationsprognosen sei es erst mal wieder nach oben gegangen. Genauso habe es auch im kurzen Bereich wie bei der zweijährigen deutschen Anleiherendite ausgesehen, die von ihrem Wochentief bei 2,97 Prozent zum Ende hin bis auf 3,04 Prozent geklettert sei.

Klaus Stopp von der Baader Bank befürchte, dass der allgemein von der EZB erwartete Weg in Richtung niedrigere Zinsen nicht leicht werde. "Die Inflation und vor allem die Lohnzuwächse bleiben ein Problem", schätze der Händler die Lage ein. Weitere Zinssenkungen seien daher "nicht in Stein gemeißelt". Tim Oechsner von der Steubing AG richte seinen Fokus bereits auf die US-amerikanische Notenbank. "Der Fokus geht nun auf die USA und die Frage, wann dort eine mögliche Zinswende eingeleitet werden könnte". Maßgeblich für die FED dürfte seiner Meinung nach auch der Arbeitsmarktbericht werden, der heute Nachmittag veröffentlicht werde.

Rund um die EZB-Sitzung würden die Händler an der Börse Frankfurt ein vergleichsweise ruhiges Geschäft melden. Gekauft würden im Unternehmensbereich "die üblichen Dauerbrenner", erkläre Oechsner und nenne dabei vor allem Anleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und sechs Jahren. Ins Depot geholt hätten sich die Anlegerinnen und Anleger zum Beispiel Bonds von E.ON (ISIN XS2747600109 / WKN A3826U), HOCHTIEF, Mercedes-Benz (ISIN DE000A3LH6T7 / WKN A3LH6T) und Siemens. Diese Papiere würden aktuell zwischen 3,0 und 4,1 Prozent rentieren. Auch Anleihen von Grenke seien weiterhin gesucht. Oechsner sehe vor allem Käufe in einem Ende Mai neu aufgelegten und bis Mitte 2029 laufenden Papier (ISIN XS2828685631 / WKN A3LY39) mit 5,5 Prozent Rendite.

Für die Baader Bank melde Stopp Interesse an Anleihen der European Investment Bank (ISIN XS2587298204 / WKN A3LD6J) Mercedes-Benz (ISIN DE000A289RN6 / WKN A289RN) und Volkswagen. Zudem sei im öffentlichen Sektor wie fast immer "ein bisschen was los". Dabei würden sich die Anlegerinnen und Anleger verstärkt auf den kurzen Bereich konzentrieren, in dem die Renditen im Vergleich zum langen Ende immer noch relativ spannend aussehen würden. Auf der Einkaufsliste stünden zwei bis Juni bzw. September 2025 laufende Bundesschatzanweisungen (ISIN DE000BU22015 / WKN BU2201 und ISIN DE000BU22023 / WKN BU2202), wo sich in den nächsten 12 bzw. 15 Monaten 3,3 bzw. 3,2 Prozent Rendite einfahren lassen würden. Gesucht sei auch eine mit 3,6 Prozent rentierende und nur noch bis Februar 2025 laufende Anleihe (ISIN DE000A254PM6 / WKN A254PM) der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte von "gezielten Käufen" im Vorfeld der EZB-Sitzung. Im Fokus hätten dabei Anleihen mit Laufzeiten zwischen fünf und neun Jahren sowie Renditen von 3,3 bis 3,7 Prozent gestanden. Gesucht seien Papiere von EnBW, Mercedes-Benz (ISIN DE000A3LH6U5 / WKN A3LH6U), RWE und Sixt. "Hier hatte der Kunde ein konkretes Kauflimit in den Markt gegeben, zu dem er maximal einsteigen wollte", bemerke der Händler. Nachfrage herrsche auch bei einem seit heute an der Börse gehandelten Bond (ISIN XS2832873355 / WKN A383CB) von Fraport mit einer Rendite von 4,2 Prozent bis Juni 2032. (07.06.2024/alc/a/a)





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