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Anleihen: "Kleines Beben" erstmal vorbei
05.09.25 15:25
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Sturm am Anleihemarkt hat sich gelegt, so die Deutsche Börse AG.
Am Dienstag seien die Kurse langlaufender Staatsanleihen weltweit stark unter Druck geraten - so stark wie schon lange nicht mehr. Im Gegenzug sei die Rendite dreißigjähriger Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit 2011 geklettert, die britischer Staatsanleihen gleicher Laufzeit auf den höchsten Stand seit 1998. In den USA, Japan, Australien und anderen europäischen Ländern habe es ähnlich ausgesehen. Hintergrund seien die Sorgen um die extrem hohe Staatsverschuldung gewesen.
Das "kleine Beben" sei schnell wieder vorbei gewesen, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichtet habe. "Game Changer war die Neuemission japanischer Staatsanleihen am Mittwoch, die vom Markt gut angenommen wurde", erkläre er. Auch neue spanische und italienische Staatsanleihen seien deutlich überzeichnet gewesen. Nach zwischenzeitlich 2,8 Prozent liege die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Freitagmittag wieder bei 2,71 Prozent, die dreißigjähriger bei 3,36 Prozent nach in der Spitze 3,41 Prozent. "Der neue Goldpreisrekord signalisiert aber die anhaltend hohe Unsicherheit", bemerke Brunner.
Ein besonderer Fall sei Frankreich: Dort seien die Renditen schon vergangene Woche stark gestiegen, die für zehnjährige Staatsanleihen Frankreichs liege mittlerweile höher als die für das ehemalige Krisenland Griechenland. Premierminister Bayrou habe für den 8. September eine Vertrauensabstimmung über seine Sparpläne angesetzt, es werde fest von einem Scheitern ausgegangen. "Danach dürfte es weiter keine politischen Mehrheiten für eine Sanierung der angeschlagenen französischen Staatsfinanzen geben", stelle Commerzbank-Analyst Ralph Solveen fest. Ohne Konsolidierung werde die Schuldenquote des Landes von aktuell 120 Prozent des BIP auf 150 Prozent steigen.
Die mit Spannung erwarteten Auktionen neuer französischer Staatsanleihen am gestrigen Donnerstag seien allerdings ohne größere Probleme verlaufen, wie Helaba-Analyst Ralf Umlauf berichtet habe. Der Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen sei im Laufzeitbereich von zehn Jahren wieder deutlich unter die Marke von 80 Basispunkten gesunken.
Außerdem gehe es weiter um die Notenbanken: Nächsten Donnerstag stehe die nächste EZB-Sitzung an, mit einer Zinssenkung werde am Markt nicht gerechnet. Was die weitere Entwicklung der US-Leitzinsen angehe, blicke alles auf den heute Nachmittag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht. Für die Sitzung am 17. September sei an den Märkten eine Zinssenkung der Fed nun schon mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit eingepreist, wie die Deutsche Bank erkläre.
Im Handel mit Staats- und staatsnahen Anleihen seien langlaufende US-Treasuries gekauft worden, wie Brunner melde. "Die Schwäche wurde für einen Einstieg genutzt."
Außerdem seien auf türkische Lira lautende Bonds der European Bank for Reconstruction and Development gefragt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank erkläre. Bei Fälligkeit 2031 rentierten diese aktuell um 31 Prozent (ISIN XS2779805097). "Vielleicht steckt eine Empfehlung dahinter", vermute der Händler.
Von den Sorgen am Staatsanleihenmarkt habe sich die Walter Ludwig-Kundschaft nicht beirren lassen: "Privatanleger sahen die niedrigeren Kurse als Chance und griffen beherzt zu", beobachte Daniel. "Die Käufe überwogen deutlich, die Umsätze waren sehr gut", ergänze er. Auch langlaufende Papiere seien gut angekommen, etwa von E.ON mit Fälligkeit 2044 und aktuell 4,19 Prozent (ISIN XS2791960664). Käufe melde er außerdem für Bonds der Lufthansa mit Fälligkeit 2028 und aktuell 2,48 Prozent (ISIN XS2892988275) und der Deutschen Post mit Fälligkeit 2032 und 3,04 Prozent (ISIN XS3084418907).
Auch im High Yield-Segment sei es ruhig geblieben, wie Marcus Mielert von Oddo BHF feststelle. Kleinere Verluste sehe Brunner für die Anleihe der Deutsche Rohstoff AG (ISIN DE000A3510K1), die aber immer noch zu 106,55 Prozent gehandelt werde. Kurzzeitige Abgaben habe zudem der Bond des Entwicklers von Erneuerbare-Energien-Projekten SoWiTec (ISIN DE000A2NBZ21) verzeichnet. "Das Unternehmen hat die geplante Teilrückzahlung am 8. November ausgesetzt, die Zinsen sollen aber gezahlt werden", erläutere Brunner.
Neu am Markt sei eine Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank mit Kupon von 3,25 Prozent und Fälligkeit 2028 (ISIN DE000A382665), wie Daniel berichte. "Hier sehen wir Käufe", erkläre er. (05.09.2025/alc/a/a)
Am Dienstag seien die Kurse langlaufender Staatsanleihen weltweit stark unter Druck geraten - so stark wie schon lange nicht mehr. Im Gegenzug sei die Rendite dreißigjähriger Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit 2011 geklettert, die britischer Staatsanleihen gleicher Laufzeit auf den höchsten Stand seit 1998. In den USA, Japan, Australien und anderen europäischen Ländern habe es ähnlich ausgesehen. Hintergrund seien die Sorgen um die extrem hohe Staatsverschuldung gewesen.
Das "kleine Beben" sei schnell wieder vorbei gewesen, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichtet habe. "Game Changer war die Neuemission japanischer Staatsanleihen am Mittwoch, die vom Markt gut angenommen wurde", erkläre er. Auch neue spanische und italienische Staatsanleihen seien deutlich überzeichnet gewesen. Nach zwischenzeitlich 2,8 Prozent liege die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Freitagmittag wieder bei 2,71 Prozent, die dreißigjähriger bei 3,36 Prozent nach in der Spitze 3,41 Prozent. "Der neue Goldpreisrekord signalisiert aber die anhaltend hohe Unsicherheit", bemerke Brunner.
Ein besonderer Fall sei Frankreich: Dort seien die Renditen schon vergangene Woche stark gestiegen, die für zehnjährige Staatsanleihen Frankreichs liege mittlerweile höher als die für das ehemalige Krisenland Griechenland. Premierminister Bayrou habe für den 8. September eine Vertrauensabstimmung über seine Sparpläne angesetzt, es werde fest von einem Scheitern ausgegangen. "Danach dürfte es weiter keine politischen Mehrheiten für eine Sanierung der angeschlagenen französischen Staatsfinanzen geben", stelle Commerzbank-Analyst Ralph Solveen fest. Ohne Konsolidierung werde die Schuldenquote des Landes von aktuell 120 Prozent des BIP auf 150 Prozent steigen.
Die mit Spannung erwarteten Auktionen neuer französischer Staatsanleihen am gestrigen Donnerstag seien allerdings ohne größere Probleme verlaufen, wie Helaba-Analyst Ralf Umlauf berichtet habe. Der Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen sei im Laufzeitbereich von zehn Jahren wieder deutlich unter die Marke von 80 Basispunkten gesunken.
Im Handel mit Staats- und staatsnahen Anleihen seien langlaufende US-Treasuries gekauft worden, wie Brunner melde. "Die Schwäche wurde für einen Einstieg genutzt."
Außerdem seien auf türkische Lira lautende Bonds der European Bank for Reconstruction and Development gefragt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank erkläre. Bei Fälligkeit 2031 rentierten diese aktuell um 31 Prozent (ISIN XS2779805097). "Vielleicht steckt eine Empfehlung dahinter", vermute der Händler.
Von den Sorgen am Staatsanleihenmarkt habe sich die Walter Ludwig-Kundschaft nicht beirren lassen: "Privatanleger sahen die niedrigeren Kurse als Chance und griffen beherzt zu", beobachte Daniel. "Die Käufe überwogen deutlich, die Umsätze waren sehr gut", ergänze er. Auch langlaufende Papiere seien gut angekommen, etwa von E.ON mit Fälligkeit 2044 und aktuell 4,19 Prozent (ISIN XS2791960664). Käufe melde er außerdem für Bonds der Lufthansa mit Fälligkeit 2028 und aktuell 2,48 Prozent (ISIN XS2892988275) und der Deutschen Post mit Fälligkeit 2032 und 3,04 Prozent (ISIN XS3084418907).
Auch im High Yield-Segment sei es ruhig geblieben, wie Marcus Mielert von Oddo BHF feststelle. Kleinere Verluste sehe Brunner für die Anleihe der Deutsche Rohstoff AG (ISIN DE000A3510K1), die aber immer noch zu 106,55 Prozent gehandelt werde. Kurzzeitige Abgaben habe zudem der Bond des Entwicklers von Erneuerbare-Energien-Projekten SoWiTec (ISIN DE000A2NBZ21) verzeichnet. "Das Unternehmen hat die geplante Teilrückzahlung am 8. November ausgesetzt, die Zinsen sollen aber gezahlt werden", erläutere Brunner.
Neu am Markt sei eine Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank mit Kupon von 3,25 Prozent und Fälligkeit 2028 (ISIN DE000A382665), wie Daniel berichte. "Hier sehen wir Käufe", erkläre er. (05.09.2025/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 101,543 € | 101,328 € | 0,215 € | +0,21% | 17.04./17:58 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| XS2892988275 | A383QX | 104,10 € | 100,21 € | |
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