Anleihen: "Grad der Unsicherheit über Zinssenkungen gestiegen"


27.05.24 09:55
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Schnelle und deutliche Zinssenkungen werden immer unwahrscheinlich, vor allem in den USA. Daher kam der Staatsanleihemarkt diese Woche wieder unter Druck, die Renditen stiegen, so die Deutsche Börse AG.

"Grund war die Gemengelage aus über den Erwartungen liegenden Verbraucherpreisdaten aus Großbritannien, steigenden Einkaufsmanagerindices im Euroraum, einer gestiegenen Lohnkostenindikation der EZB für das erste Quartal und nicht zuletzt hohem Angebot an Neuemissionen", erkläre Analyst Hauke Siemßen von der Commerzbank.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei in der Spitze bis auf 2,63 Prozent gestiegen, am Freitagmorgen seien es 2,59 Prozent - nach 2,48 Prozent vergangenen Freitag. Am kurzen Ende hätten die Renditen sogar neue Jahreshochs erreicht.

An den Geldterminmärkten werde eine erste Zinssenkung der EZB weiterhin für den 6. Juni eingepreist, wie die Deutsche Bank berichte. Die Zinswende der FED werde nun allerdings nur noch mit 59 Prozent Wahrscheinlichkeit für den 18. September erwartet.

"Der Grad der Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-Geldpolitik ist etwas gestiegen", erkläre Tim Oechsner von der Steubing AG. "War man sich im Markt gemeinhin sicher, dass dieses Jahr mit ein bis zwei Zinssenkungen zu rechnen ist, so werden andere Optionen wieder präsenter."

Auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank sehe noch keine schnellen Zinssenkungen kommen. "Da die Notenbanken das Aufziehen der hohen Inflation nicht gesehen und zu spät reagiert haben, wollen sie nun in keinem Fall zu früh senken." Die Notenbanken hätten ihren Ruf als Währungshüter zu verteidigen.

Auf den Verkaufslisten stehe eine 2026 fällige spanische Staatsanleihe (ISIN ES00000128H5 / WKN A1VQCB), die derzeit mit 3,25 Prozent rentiere, wie Daniel berichte.

Im Handel mit Unternehmensanleihen sehe Daniel weiterhin Käufe für die bis 2026 laufende Nestlé-Anleihe (ISIN XS2350621863 / WKN A3KSAA), die aktuell 3,23 Prozent abwerfe. Etwas mehr Käufe, aber auch viele Verkäufe melde er für den im November 2025 fälligen Bond (ISIN DE000SYM7720 / WKN SYM772) des Duft- und Geschmacksstoffherstellers Symrise mit aktueller Rendite von 4,04 Prozent. Weiter viel gekauft werde ICF-Händler Brunner zufolge die noch recht neue Lufthansa-Anleihe und der Anfang des Monats emittierte Bond (ISIN DE000A3829F5 / WKN A3829F) von Abo Wind, der mittlerweile bei 105 Prozent notiere.

Ochsner von der Steubing AG melde eine gute Nachfrage nach den "üblichen Dauerbrennern", aber auch Papieren mit kurzer Restlaufzeit von Knorr-Bremse und Evonik mit Renditen von 3,47 und 2,07 Prozent. Ebenfalls beliebt: US-Dollar-Bonds von Apple und American Express (ISIN US025816DU02 / WKN A3LX22).

Die rege Emissionstätigkeit habe sich diese Woche fortgesetzt. "Die Unternehmen gehen offenbar nicht von schnell sinkenden Zinsen aus", bemerke Brunner. Zur Finanzierung der Übernahme von Vodafone Italia habe etwa Swisscom mehrere Eurobond-Tranchen emittiert, wie Brunner berichte. Neues sei ebenso vom Baukonzern HOCHTIEF und Leasing-Spezialist Grenke gekommen - alle allerdings mit Stückelung von 100.000 Euro. Neu am Markt seien laut Oechsner auch US-Dollar-Bonds des Ölkonzerns BP mit 5,017 Prozent bis 2027 (ISIN US10373QBY52 / WKN A3LY6B), 4,97 Prozent bis 2029 (ISIN US10373QBZ28 / WKN A3LY6C) und 5,227 Prozent bis 2034 (ISIN US10373QCA67 / WKN A3LY6D), diese alle mit 1.000 US-Dollar-Stückelung. (Ausgabe vom 24.05.2024) (27.05.2024/alc/a/a)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
99,29 € 99,30 € -0,01 € -0,01% 17.04./09:33
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
ES00000128H5 A1VQCB 99,60 € 98,16 €
Werte im Artikel
102,46 plus
+0,10%
99,40 plus
+0,05%
102,63 plus
+0,03%
101,35 plus
+0,01%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
99,29 minus
-0,01%
102,38 minus
-0,01%
103,21 minus
-0,02%
99,40 minus
-0,25%
23,00 minus
-4,66%