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Anleihen: Beliebte Porsche-Anleihen - Immo-Branche angeschlagen
07.07.23 16:00
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Hohe Zinsen belasten den Arbeitsmarkt und die Konjunktur? Davon ist in den USA zumindest bislang nichts zu sehen, so die Deutsche Börse AG.
Vielmehr könnte der Mangel an Arbeitskräften zu höheren Löhnen und noch höherer Inflation führen. Daher hätten die sehr starken US-Arbeitsmarktzahlen vom Dienstleisters ADP am gestrigen Donnerstag für Wirbel an den Finanzmärkten gesorgt. Dazu sei ein unerwartet starker ISM-Index der Dienstleistungen für den Juni gekommen. Die Aktienkurse seien gefallen, die Renditen seien gestiegen, auch in Europa. Nun werde auf die offiziellen US-Arbeitsmarktzahlen gewartet, die heute Nachmittag veröffentlicht würden.
"Nach den überraschend robusten US-Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten scheint es nahezu sicher, dass die US-Notenbank im Juli die Zinsen ein weiteres Mal um 0,25 Prozent anheben wird", erkläre Tim Oechsner von der Steubing AG. "Anleiheinvestoren hatten gehofft, dass der Höhepunkt der Zinserhöhungen bereits erreicht ist." Laut Arthur Brunner von der ICF Bank seien die Marktteilnehmer vielleicht zu optimistisch gewesen. "Immerhin ist die Inflation weiter hoch."
Im Wochenvergleich ergebe sich ein großer Renditesprung: Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell mit 2,62 Prozent nach 2,45 Prozent vor einer Woche rentieren. Das Mehrjahreshoch vom Februar bei 2,77 Prozent rücke damit in Greifweite. Zweijährige Schatzrenditen hätten ihre Hochs vom März bereits überschritten.
In den USA sehe es ähnlich aus: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sei erstmals seit vier Monaten wieder über 4 Prozent gestiegen, die zweijähriger Papiere über 5 Prozent. Mit zeitweise 5,12 Prozent habe die Rendite für die zweijährigen Papiere den höchsten Stand seit 2007 erreicht.
Die Zinsaufschläge europäischer Staatsanleihen hätten sich in den letzten Wochen wieder etwas erhöht, wie Anleiheanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank feststelle. Bemerkenswert sei weiterhin der Renditeaufschlag griechischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen von lediglich 135 Basispunkten. "Damit bieten sich dem griechischen Staat sogar attraktivere Finanzierungskonditionen als Italien." Hintergrund seien wohl Hoffnungen auf eine schnelle Rating-Verbesserung nach der Wahl in Griechenland. "Fundamental erscheint uns ein solch niedriger Renditeaufschlag nicht gerechtfertigt."
Was Unternehmensanleihen angehe, halte die Kauflaune an. "Die Zinsen steigen und die Anleger steigen ein", formuliere es Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Käufe melde er für die im Juni emittierte SIXT-Anleihe mit 5,125 Prozent bis 2027 und die im Februar 2025 fällige VW-Anleihe (ISIN XS2374595127 / WKN A2LQ6Q) mit 0 Prozent-Kupon. Die Renditen lägen aktuell bei 4,38 Prozent und 4,07 Prozent.
Weiter gut an kämen die neuen Porsche-Anleihen. Daniel sehe rege Nachfrage nach der mit Fälligkeit 2027 und Kupon von 4,125 Prozent (ISIN XS2643320018 / WKN A351SW), Oechsner nach der mit Fälligkeit 2030 und 4,25 Prozent (ISIN XS2643320109 / WKN A351SX). "Das Unternehmen ist bekannt, die Stückelung mit 1.000 Euro klein, das zieht", bemerke Daniel.
"Alles mit Laufzeiten von ein bis zwei, maximal drei Jahren geht gut weg", berichte Brunner. Auch beliebt: Eine Euro-Anleihe (ISIN XS1412417617 / WKN A181MU) der National Australia Bank. Laut Brunner erfreue sich zudem der neue Bond (ISIN NO0012938325 / WKN A351U9) von Hörmann Industries mit 7 Prozent bis 2028 guter Nachfrage, ebenso Papiere (ISIN NO0012702549 / WKN A3LBT7) von Multitude. In beiden Fällen handele es sich um sogenannte Nordic Bonds, die ohne Wertpapierprospekt emittiert würden. Das Unternehmen Nordic Trustee übernehme dafür die Überwachung der Emittentenverpflichtungen und werde auch zur Anlaufstelle bei Leistungsstörungen.
Bei der Steubing AG gehe außerdem viel um in Papieren von S IMMO, der Deutschen Bank, der NORD/LB, Evonik Industries (ISIN DE000A185QA5 / WKN A185QA), 7C Solarparken (ISIN DE000A351NK9 / WKN A351NK) und AustriaEnergy International mit Laufzeiten bis maximal 2028 und Renditen um 3 oder 4 Prozent.
Angespannt bleibe die Lage vieler Bonds aus der Immobilienbranche. Der Kurs der DEMIRE Deutsche Mittelstand Real Estate sei nach einem geplatzten Immobilienverkauf um 5 Prozentpunkte abgerutscht, wie Rainer Petz von Oddo BHF melde. "Der Vorstand hat daraufhin seine Prognose für das Geschäftsjahr 2023 nach unten angepasst."
"Speziell Mittelstandsanleihen mit Immobilienhintergrund sind unter Abgabedruck", erkläre Arthur Brunner. Als Beispiel nenne Noratis. "Anleger sind vorsichtig, immerhin haben sie schon einige schlechter Erfahrungen mit Mittelstandsanleihen aus der Branche gemacht, siehe Eyemaxx Real Estate."
Auch ERWE Immobilien (ISIN DE000A255D05 / WKN A255D0) bleibe angeschlagen. Das Unternehmen habe eine am 10. Juni fällige Zinszahlung nicht geleistet und die Gläubiger um eine Zinsstundung und die Umwandlung der Anleihe in Eigenkapital gebeten. In der bis zum 2. Juli laufenden Abstimmung hätten die Gläubiger für die Stundung gestimmt, aber gegen die Umwandlung, wie Petz berichte. "Jetzt ist es ungewiss, wie es weitergeht." Die Anleihe werde aktuell zu 17,5 Prozent gehandelt. (07.07.2023/alc/a/a)
Vielmehr könnte der Mangel an Arbeitskräften zu höheren Löhnen und noch höherer Inflation führen. Daher hätten die sehr starken US-Arbeitsmarktzahlen vom Dienstleisters ADP am gestrigen Donnerstag für Wirbel an den Finanzmärkten gesorgt. Dazu sei ein unerwartet starker ISM-Index der Dienstleistungen für den Juni gekommen. Die Aktienkurse seien gefallen, die Renditen seien gestiegen, auch in Europa. Nun werde auf die offiziellen US-Arbeitsmarktzahlen gewartet, die heute Nachmittag veröffentlicht würden.
"Nach den überraschend robusten US-Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten scheint es nahezu sicher, dass die US-Notenbank im Juli die Zinsen ein weiteres Mal um 0,25 Prozent anheben wird", erkläre Tim Oechsner von der Steubing AG. "Anleiheinvestoren hatten gehofft, dass der Höhepunkt der Zinserhöhungen bereits erreicht ist." Laut Arthur Brunner von der ICF Bank seien die Marktteilnehmer vielleicht zu optimistisch gewesen. "Immerhin ist die Inflation weiter hoch."
Im Wochenvergleich ergebe sich ein großer Renditesprung: Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell mit 2,62 Prozent nach 2,45 Prozent vor einer Woche rentieren. Das Mehrjahreshoch vom Februar bei 2,77 Prozent rücke damit in Greifweite. Zweijährige Schatzrenditen hätten ihre Hochs vom März bereits überschritten.
In den USA sehe es ähnlich aus: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sei erstmals seit vier Monaten wieder über 4 Prozent gestiegen, die zweijähriger Papiere über 5 Prozent. Mit zeitweise 5,12 Prozent habe die Rendite für die zweijährigen Papiere den höchsten Stand seit 2007 erreicht.
Die Zinsaufschläge europäischer Staatsanleihen hätten sich in den letzten Wochen wieder etwas erhöht, wie Anleiheanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank feststelle. Bemerkenswert sei weiterhin der Renditeaufschlag griechischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen von lediglich 135 Basispunkten. "Damit bieten sich dem griechischen Staat sogar attraktivere Finanzierungskonditionen als Italien." Hintergrund seien wohl Hoffnungen auf eine schnelle Rating-Verbesserung nach der Wahl in Griechenland. "Fundamental erscheint uns ein solch niedriger Renditeaufschlag nicht gerechtfertigt."
Weiter gut an kämen die neuen Porsche-Anleihen. Daniel sehe rege Nachfrage nach der mit Fälligkeit 2027 und Kupon von 4,125 Prozent (ISIN XS2643320018 / WKN A351SW), Oechsner nach der mit Fälligkeit 2030 und 4,25 Prozent (ISIN XS2643320109 / WKN A351SX). "Das Unternehmen ist bekannt, die Stückelung mit 1.000 Euro klein, das zieht", bemerke Daniel.
"Alles mit Laufzeiten von ein bis zwei, maximal drei Jahren geht gut weg", berichte Brunner. Auch beliebt: Eine Euro-Anleihe (ISIN XS1412417617 / WKN A181MU) der National Australia Bank. Laut Brunner erfreue sich zudem der neue Bond (ISIN NO0012938325 / WKN A351U9) von Hörmann Industries mit 7 Prozent bis 2028 guter Nachfrage, ebenso Papiere (ISIN NO0012702549 / WKN A3LBT7) von Multitude. In beiden Fällen handele es sich um sogenannte Nordic Bonds, die ohne Wertpapierprospekt emittiert würden. Das Unternehmen Nordic Trustee übernehme dafür die Überwachung der Emittentenverpflichtungen und werde auch zur Anlaufstelle bei Leistungsstörungen.
Bei der Steubing AG gehe außerdem viel um in Papieren von S IMMO, der Deutschen Bank, der NORD/LB, Evonik Industries (ISIN DE000A185QA5 / WKN A185QA), 7C Solarparken (ISIN DE000A351NK9 / WKN A351NK) und AustriaEnergy International mit Laufzeiten bis maximal 2028 und Renditen um 3 oder 4 Prozent.
Angespannt bleibe die Lage vieler Bonds aus der Immobilienbranche. Der Kurs der DEMIRE Deutsche Mittelstand Real Estate sei nach einem geplatzten Immobilienverkauf um 5 Prozentpunkte abgerutscht, wie Rainer Petz von Oddo BHF melde. "Der Vorstand hat daraufhin seine Prognose für das Geschäftsjahr 2023 nach unten angepasst."
"Speziell Mittelstandsanleihen mit Immobilienhintergrund sind unter Abgabedruck", erkläre Arthur Brunner. Als Beispiel nenne Noratis. "Anleger sind vorsichtig, immerhin haben sie schon einige schlechter Erfahrungen mit Mittelstandsanleihen aus der Branche gemacht, siehe Eyemaxx Real Estate."
Auch ERWE Immobilien (ISIN DE000A255D05 / WKN A255D0) bleibe angeschlagen. Das Unternehmen habe eine am 10. Juni fällige Zinszahlung nicht geleistet und die Gläubiger um eine Zinsstundung und die Umwandlung der Anleihe in Eigenkapital gebeten. In der bis zum 2. Juli laufenden Abstimmung hätten die Gläubiger für die Stundung gestimmt, aber gegen die Umwandlung, wie Petz berichte. "Jetzt ist es ungewiss, wie es weitergeht." Die Anleihe werde aktuell zu 17,5 Prozent gehandelt. (07.07.2023/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 102,661 € | 102,627 € | 0,034 € | +0,03% | 16.04./20:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE000A351WB9 | A351WB | 105,77 € | 101,96 € | |
Werte im Artikel



