KFM-Mittelstandsanleihen-Barometer: 5,50%-PORR-Hybrid-Anleihe als "durchschnittlich attraktiv" bewertet


02.09.19 12:00
KFM Deutsche Mittelstand AG

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In ihrem aktuellen KFM-Mittelstandsanleihen-Barometer zu der 5,50%-Hybrid-Anleihe (ISIN XS1555774014 / WKN A19CTJ) der PORR AG kommt die KFM Deutsche Mittelstand AG zu dem Ergebnis, die Anleihe weiterhin als "durchschnittlich attraktiv" (3 von 5 möglichen Sternen) einzuschätzen.

Die PORR-Gruppe mit Sitz in Wien sei eines der führenden Bauunternehmen in Europa mit über 19.000 Mitarbeitern. Das Leistungsspektrum der PORR-Gruppe umfasse vom Wohnbau bis hin zu komplexen Infrastrukturprojekten alle Bereiche der Bauwirtschaft. Der regionale Fokus der Gruppe liege auf den Heimatmärkten Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen und Tschechien, in denen rund 90% der Produktionsleistung erbracht würden. In Polen sei PORR mit eigenem Personal weiterhin relativ gut aufgestellt. Subunternehmer würden sich gerne für PORR wegen dessen guten Rufs entscheiden. Die Aktivitäten im Nahen Osten (Katar und VAE) seien deutlich reduziert worden bis auf wenige selektive Engagements. Daneben produziere die PORR-Gruppe an 40 internationalen Standorten mit ca. 400 Bienenstöcken rund zehn Tonnen Honig im Jahr.

Die PORR-Gruppe habe zum ersten Halbjahr 2019 eine Produktionsleistung von rund 2,50 Mrd. Euro erbracht, die fast unverändert zur Vorperiode gewesen sei (1. Halbjahr 2018: 2,46 Mrd. Euro). Der Auftragsbestand zum 30.06.2019 erreiche mit 7,6 Mrd. Euro ein neues Rekordniveau. Hier seien mehrere Großaufträge zu nennen, wie der Bau einer Schnellstraße in Rumänien und eine ca. 835m lange Brücke in Norwegen. Der Auftragsbestand sei damit um 16,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (6,5 Mrd. Euro) gestiegen. Die Umsatzerlöse im 1. Halbjahr 2019 würden sich mit 2,18 Mrd. Euro nahezu unverändert zur Vorjahresperiode (2,22 Mrd. Euro) bewegen. Dieses Ergebnis spiegele den strategischen Fokus auf Konsolidierung nach Jahren des Wachstums wider sowie eine selektive Auftragsannahme, um vermehrt intelligentes Wachstum zu ermöglichen, was sich auch in einer leichten Steigerung des Ingenieurbaus zeige.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) habe mit 95,4 Mio. Euro deutlich über dem Betrag der Vorperiode mit 72,4 Mio. Euro gelegen. Hierzu habe neben einer Verbesserung des Materialverbrauchs (4,9%) auch das um ca. 25% verbesserte Ergebnis der "at equity" bilanzierten Beteiligungen und insbesondere der Effekt aus der erstmaligen Anwendung der neue Leasingvorschriften zu IFRS 16 in Höhe von ca. 23 Mio. Euro beigetragen. Die Erhöhung der Personalkosten (9,2%) wegen eines starken Anstiegs der Mitarbeiterzahl habe damit mehr als überkompensiert werden können. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) habe mit 8,2 Mio. Euro ebenfalls über dem Wert der Vorperiode mit 6,6 Mio. Euro gelegen. Traditionell sei das 1. Halbjahr aufgrund der Wintermonate regelmäßig schwächer. Der Vorstand gehe davon aus, die Produktionsleistung des Vorjahres in Höhe von 5,59 Mrd. Euro im Jahr 2019 moderat steigern zu können.

Die Eigenkapitalquote zum 30.06.2019 habe sich auf 16,2% (31.12.2018: 19,9%) wegen großer Vorleistungen für die derzeitigen Baumaßnahmen verringert, die zu einem Anstieg der Bilanzsumme auf 3,57 Mrd. Euro geführt hätten (31.12.2018: 3,12 Mrd. Euro). Mitverantwortlich für den Anstieg der Bilanzsumme bzw. die Verringerung des Eigenkapitals sei auch eine GuV-neutrale Neubewertung ("Remeasurement") der Pensionsrückstellungen in Höhe von netto -9,1 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote sollte sich in naher Zukunft wieder in dem vom Unternehmen definierten Zielbereich von ca. 20,0% bewegen. Im 1. Halbjahr 2019 habe die PORR-Gruppe zusätzliches Fremdkapital in Höhe von netto 163 Mio. Euro durch die Ausgabe von Schuldscheinen generieren können. Weitere rund 90 Mio. Euro Fremdkapital seien durch Bankkredite zugeführt worden. Die Dividende sei unverändert mit 41,3 Mio. Euro geblieben. Die liquiden Mittel zum 30.06.2019 hätten 136,8 Mio. Euro betragen.

Die Veränderung des operativen Cashflows für das 1. Halbjahr 2019 mit -137 Mio. Euro gegenüber der Vorjahresperiode resultiere im Wesentlichen aus der Veränderung der Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen aufgrund der unverändert starken Vorleistungen wegen des enormen Neuauftragseingangs von rund 3 Mio. Euro. Die enormen Vorleistungen für die großen Bauprojekte hätten nicht abgenommen, sodass die Nettoverschuldung zum 30.06.2019 auf -830 Mio. Euro (30.06.2018: -614 Mio. Euro) angestiegen sei. Der in erster Linie saisonal bedingte Anstieg werde zusätzlich von der erstmaligen Anwendung des IFRS 16 mit einem Beitrag in Höhe von 321,7 Mio. Euro beeinflusst.

Die im Februar 2017 emittierte Hybridanleihe der PORR AG sei mit einem Zinskupon von 5,50% p.a. (Zinstermin jährlich 06.02.) ausgestattet und habe eine unbefristete Laufzeit. Im Rahmen der Anleiheemission seien insgesamt 125 Mio. Euro platziert worden. Erster Rückzahlungstermin sei der 06.02.2022 zu einem Rückzahlungskurs von 100,0% des Nennwertes. Ab dem 06.02.2022 sei die Anleihe variabel verzinst (5-Jahres ISDAFIX2 Swapsatz zzgl. Zinsaufschlag von 10,312% p.a.).

Aufgrund der deutlich steigenden Verzinsung ab dem Jahr 2022 sei bei planstabiler Entwicklung von einer Rückzahlung der Anleihe zum erstmöglichen Termin auszugehen. Die Hybridanleihe sei aufgrund definierter Bedingungen für die Zinszahlungen, deren Eintritt von der PORR AG bewirkt bzw. verhindert werden könnten, als Eigenkapital-Instrument einzustufen. Die Anleihe sei nachrangig gegenüber allen anderen bestehenden und zukünftigen nicht nachrangigen Verbindlichkeiten der Emittentin.

Aufgrund der Profitabilität der PORR-Gruppe in den vergangenen Jahren sowie dem signifikanten Wachstum, der stabilen Ergebnisentwicklung und dem erfolgreichen 1. Halbjahr 2019 sowie der mittelfristig zu erwartenden erneuten Steigerung der Eigenkapitalquote auf wieder ca. 20% in Verbindung mit der Rendite der Hybrid-Anleihe in Höhe von 4,86% p.a. (auf Kursbasis 101,40% am 30.08.2019 bei Berechnung bis zum ersten Rückzahlungstermin am 06.02.2022) bewerten wir die 5,50%-PORR-Hybrid-Anleihe weiterhin als "durchschnittlich attraktiv" (3 von 5 möglichen Sternen), so die KFM Deutsche Mittelstand AG. (02.09.2019/alc/n/a)