Französische Staatsanleihen mit deutlichen Kursverlusten


21.10.11 15:37
Baader Bank

Unterschleissheim (anleihencheck.de) - Die drohende Herabstufung der Bonität Frankreichs sorgt bei französischen Staatsanleihen für deutliche Kursrückgänge, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

So notiere eine fünfjährige Staatsanleihe des Nachbarlandes bei nur mehr 112,50% nach rund 114% zum Monatsanfang. Auch zehnjährige Titel würden sich auf Talfahrt befinden. Ein mit 3,25% verzinster Bond (ISIN FR0011059088 / WKN A1GR5V) sei auf nahezu pari gefallen, nachdem er Anfang Oktober noch bei 106% gelegen habe.

Frankreich laufe Gefahr, angesichts drohender weiterer staatlicher Stützungsmaßnahmen und möglicher neuer Hilfen für heimische Banken, seine Bestnote AAA zu verlieren. Die Risikoaufschläge für zehnjährige französische Staatsanleihen seien nach entsprechenden Andeutungen von Ratingagenturen auf ein 16-Jahreshoch geklettert.

Sollte die Bastion der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft fallen, könnte auch Deutschlands Bestnote in Gefahr geraten. Bei einem Downgrade von Deutschland seien dann vier letzte Mohikaner in Euroland übrig geblieben, die sich mit einem AAA schmücken könnten. Dies wären die Niederlande, Finnland, Österreich und Luxemburg - allesamt Länder, deren Volkswirtschaften und Kapitalmärkte zu klein seien, um den Euro stabil zu halten. Allein diese Vorstellung mache deutlich, dass es extrem wichtig sei, die Bestnote Deutschlands, aber im Grunde auch die von Frankreich, zu halten.

Umso mehr würden sich Anleger nach Möglichkeiten außerhalb des Euro-Raums umsehen. Wie begehrt dabei die Alternativwährung der Norwegischen Krone sei, zeige sich derzeit erneut an der Nachfrage eines neuen Corporate Bonds (ISIN XS0692710907 / WKN A1GWCR) von Volkswagen (ISIN DE0007664039 / WKN 766403; VZ), der in Norwegischen Kronen notiere, bis 10/2015 laufe und mit einem Kupon von 4,00% eine Rendite von ca. 3,20% abwerfe. Ebenfalls gesucht sei eine Emission (ISIN NO0010144843 / WKN 858524) des norwegischen Staates, die bei einer Laufzeit bis 5/2013 und einem Kupon von 6,50% mit knapp 2% rentiere.

Nahezu ausverkauft sei eine Anleihe (ISIN XS0491993258 / WKN A1AUA8) des solide wirtschaftenden Eurolandes Finnland, die in Norwegischen Kronen begeben worden sei. Das Papier, das bis 9/2015 laufe, sei mit einem Kupon von 3,375% ausgestattet. Die Rendite liege bei ca. 2,50%. Ebenso gefragt sei derzeit eine schwedische Staatsanleihe (ISIN XS0213526246 / WKN A0DZCD), die in Australischen Dollar notiere. Das Papier laufe bis 3/2015 und rentiere bei einem Kupon von 5,75% mit knapp 4,10%.

Wie bereits in den Vorwochen zu beobachten, würden die Anleger am Bondmarkt weiter selektiv vorgehen. Um zumindest eine höhere Rendite als mit Bundesanleihen zu erzielen, aber dennoch die Risiken in Grenzen zu halten, seien Anleihen von soliden Schuldnern aus der Industrie gesucht. Zu Anlegers Lieblingen hätten daher in dieser Woche ein Bond (ISIN XS0675221419 / WKN A1GVFF) von Fresenius Medical Care mit Endfälligkeit 9/2018 und einem Kupon über 6,50%, ein Kurzläufer (ISIN XS0181557454 / WKN 818050) (bis 12/2013) von Evonik mit einer Verzinsung von 5,125% sowie ein Bond (ISIN FR0010780452 / WKN A1AJ7Z) von Peugeot, der bis 7/2014 laufe und mit 8,375% verzinst werde, gezählt.

Am Wochenende wisse man, ob der EU-Gipfel Signale senden und die Schuldenkrise in den Griff bekommen könne. Bereits im Vorfeld versuche man, die Erwartungen zu dämpfen, obwohl es an der Zeit wäre, klare Entscheidungen zu treffen. Zur Stabilisierung der Finanzbranche gelte eine Anhebung der Eigenkapitalquote systemrelevanter Banken auf 9% als ausgemachte Sache. Ob wirklich ein Mitspracherecht beim Haushalt von Defizitstaaten beschlossen werde, bleibe abzuwarten.

Die große Frage werde aber insbesondere sein, über welche Möglichkeiten der Euro-Rettungsfonds EFSF verfügen könne, um bei der Refinanzierung schuldengeplagter Eurostaaten zu helfen. Die Hebelung der Mittel werde dazu immer wieder ins Feld geführt. Allerdings dränge sich die Frage auf, welcher Investor in Anleihen investieren solle, deren Verlustrisiko lediglich zu 20 bis 30% mittels einer Garantie des Fonds abgesichert sei. Warum sollten sich Anleger auf eine solche Konstruktion einlassen? Es sei denn, man helfe den Banken bei der Aufstockung ihrer Eigenkapitalquoten und erkaufe sich damit Zweierlei: Das Zugeständnis für einen größeren Schuldenschnitt bei griechischen Anleihen sowie einen Anreiz, auch in künftige Hellas-Bonds zu investieren.

Es bleibe zu hoffen, dass der EU-Gipfel wieder ein bisschen mehr Ordnung in die Kapitalmärkte bringen werde. Denn die Notenbanken würden inzwischen immer mehr an ihre Grenzen und verspielen ihre Glaubwürdigkeit stoßen.

Bereits nach einem Jahr habe die Hypo Real Estate (HRE) Bad Bank die Planungsziele fast erreicht. Dies sei allerdings kein Grund zum Jubeln, sondern eher zum Weinen. Durch die Auslagerung des einst 175 Mrd. Euro schweren Portfolios toxischer Wertpapiere in Deutschlands größte Bad Bank FMS Wertmanagement habe man die Risiken bündeln wollen. Zur Bereinigung der Positionen binnen zehn Jahren sei man ursprünglich von einem Verlust von bis zu 3,8 Milliarden Euro ausgegangen. Nun könne man aber bereits nach neuen Monaten konstatieren, dass der Betrag fast erreicht sei. Somit drohe weiter Ungemach für den deutschen Steuerzahler.

Dies sei aber nicht die einzige Zeitbombe, die nahezu unerkannt ticke. Bei der Deutschen Bundesbank würden sich die Target-Kredite in einem atemberaubendem Tempo nach oben entwickeln. Seien es zum Jahresbeginn 2011 bereits 339 Mrd. Euro gewesen, so seien zum 30. September bereits 462 Mrd. Euro als deutsche Staatskredite an Krisenländer geflossen. Diese zusätzlichen Milliarden würden bei der Gesamtrechnung zur Schuldenkrise nicht mitberücksichtigt. Dies könnte fatale Folgen für Deutschland haben.

Morgen begehe Griechenland den zweiten Jahrestag der Offenbarung. Dies sei allerdings kein Anlass zu feiern, vielmehr mache ganz Griechenland mit einem Generalstreik mobil. Die zweitägige Arbeitsverweigerung solle in der Woche der Entscheidung auf die Nöte der griechischen Bevölkerung aufmerksam machen. Denn politisch wolle man im Parlament mit neuen Sparbeschlüssen auf dem anstehenden EU-Gipfel eine bessere Verhandlungsposition erreichen. Das Verhalten der Bürger sei teilweise nachvollziehbar, denn es treffe wie so oft die Falschen.

In den letzten Monaten seien viele Milliarden außer Landes gebracht worden. Die besondere Sorte Griechen, die rund 200 Mrd. Euro in der Schweiz gebunkert habe, sitze auf ihren Yachten in der Ägäis und schaue sich die Berichterstattung mit großer innerer Distanz im Fernsehen an. Das sei eine ganz besondere Art von Streikposten. Am Ende müssten die im Land Verbliebenen die Zeche bezahlen. Solidarität in Europa setze aber Solidarität in Griechenland voraus! Und an dieser Gleichbehandlung müsse gearbeitet werden. Vielleicht werde ja bald eine CD mit entsprechenden Daten der EU-Kommission angeboten.

Auch wenn das Reformpaket Basel III mit seinen verschärften Eigenkapitalrichtlinien erst ab 2013 stufenweise eingeführt werden solle, würden die deutschen Unternehmen die Auswirkungen schon jetzt zu spüren bekommen. Bereits heute würden die Banken immer genauer hinschauen, wer ihre Schuldner seien und sich deshalb mit der Vergabe von neuen Krediten zurückhalten. So zeige eine Studie des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, dass Bankkredite an Klein- und Mittelbetriebe aufgrund von Basel III knapper und teurer würden. Sprich: Es drohe eine neue Kreditklemme.

Denn der Kapitalbedarf deutscher Unternehmen sei nach wie vor hoch, weshalb sie ihre Refinanzierung mehr und mehr auf den Kapitalmarkt verlagern dürften. Das bedeute für den Primärmarkt genügend Nachschub an frischen Unternehmensanleihen. Auch wenn 2011 die Neuemissionen mit einem prognostizierten Jahresvolumen von ca. 150 Mrd. Euro hinter dem Niveau des Vorjahres (ca. 165 Mrd. Euro) zurückbleiben werde, bewege sich das Volumen doch auf einem sehr hohen Niveau.

Weil die Kapitalmärkte weiterhin ein Spielball der Politik seien, hätten sie sich auch in dieser Woche sehr volatil gezeigt. Trotzdem hätten sich die Credit-Märkte freundlich präsentiert und eine positive Performance aufweisen können.

Drei Unternehmen hätten für eine ordentliche Emissionswoche am Primärmarkt gesorgt. Der spanische Stromkonzern Iberdrola S.A. (ISIN ES0144580Y14 / WKN A0M46B) habe sich mit 600 Mio. Euro am Kapitalmarkt refinanzieren können. Das Unternehmen biete den Anlegern einen Kupon von 4,75% und zahle die Anleihe 2016 zurück. Mit A3 sei das Unternehmen sehr solide benotet.

Das international tätige Einzelhandelsunternehmen Carrefour S.A. (ISIN FR0000120172 / WKN 852362) habe ebenso seine Investoren überzeugen und sich bis 2018 frisches Fremdkapital beschaffen können. Das Unternehmen zahle dafür einen jährlichen Kupon von 5,25%. Das Rating betrage BBB+.

Eines der größten global agierenden Telekommunikationsunternehmen, Telefónica S.A. (ISIN ES0178430E18 / WKN 850775), sei ebenfalls am Kapitalmarkt aktiv geworden. Das Volumen der neuen Anleihe betrage 1 Mrd. Euro und laufe bis 2016. Werde der Bond bis zur Endfälligkeit gehalten, beschere er dem Anleger eine Rendite von ca. 4,7%. Das Rating betrage Baa1/BBB+.

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