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Zinssitzungen der FED und EZB ohne Überraschungen
31.10.25 15:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Schnellschätzung für den Gesamt-HVPI der Eurozone im Oktober lag bei 2,1% im Jahresvergleich, während die Kerninflation bei 2,4% lag, beides im Einklang mit den Erwartungen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Der leichte Rückgang der Gesamtinflation von 2,2% im September sei hauptsächlich auf einen stärkeren Rückgang der Energiepreise zurückzuführen (-1,0% im Jahresvergleich gegenüber -0,4% im September) gewesen. Die Kerninflation sei stabil geblieben, die Kerngüterinflation habe sich auf 0,6% im Jahresvergleich verringert, während die Preise für Dienstleistungen von 3,2% auf 3,4% gestiegen seien. Die RBI erwarte jedoch keine weitere Beschleunigung der Dienstleistungspreise in den kommenden Monaten.
Die Schnellschätzung zum Eurozonen-BIP im dritten Quartal habe mit einer positiven Überraschung aufwarten können. Während vom Konsens (und auch von der RBI) lediglich ein Wachstum von 0,1% p.q. erwartet worden sei, sei die Schätzung tatsächlich bei 0,2% zu liegen gekommen. Der Grund für diese Entwicklung sei allerdings kein breit angelegter Aufschwung, sondern vielmehr eine Aufwärtsüberraschung beim französischen BIP-Wachstum gewesen. Dieses habe bei 0,5% im Vormonatsvergleich und somit deutlich über den Erwartungen von 0,2% gelegen. Das Zahlenwerk zu den anderen Ländern sei weniger überraschend ausgefallen. Deutschland und Italien hätten im letzten Quartal stagniert, während Österreich ein leicht positives Wachstum von 0,1% p.q. habe verbuchen können. In Spanien bleibe die Konjunkturdynamik hingegen weiterhin verhältnismäßig stark, die Schnellschätzung habe bei 0,6% gelegen. In der Gesamtbetrachtung bleibe die Eurozone also auf einem moderaten Wachstumskurs, was im Einklang zur Konjunkturmeinung der RBI stehe. Die Daten zum US-BIP seien dem Shutdown zum Opfer gefallen.
Nach der ereignisreichen aktuellen Woche falle der Datenkalender der nächsten Woche wieder etwas ruhiger aus. In der Eurozone stünden einige weitere PMI-Zahlen für Oktober sowie nationale Industrieproduktionsdaten für September auf der Agenda. In den USA werde der Kalender wohl auch in der nächsten Woche noch mehrheitlich leer bleiben, zeichne sich doch kein Ende des Shutdowns ab. Davon wäre auch der Oktober-Arbeitsmarktbericht betroffen, welcher eigentlich am Freitag erscheinen würde - dies wäre bereits der zweite Arbeitsmarktbericht, welcher aufgrund des Shutdowns nicht erscheine. Etwas Orientierung würden die ISM-Indices für Oktober bieten. Der ISM für das verarbeitende Gewerbe habe zuletzt bei 49,1 Punkten gelegen, sein Pendant für das nicht-verarbeitende Gewerbe bei 50 Punkten. Die Entwicklung der Indices könnte zumindest in Teilen Rückschlüsse auf die aktuelle Wirtschaftslage der USA erlauben.
Die Federal Reserve habe bei ihrem dieswöchigen Zinsmeeting wie erwartet die zweite Zinssenkung des Jahres durchgeführt und zeitgleich die Beendigung des laufenden Bilanzabbaus verkündet. Die Federal Funds Rate liege nun zwischen 3,75 und 4%. Die aktuell aufgrund des Shutdowns mau ausfallende Datenlage habe die Entscheidungsfindung zwar erschwert, der Beschluss zu einer Senkung sei aber dennoch mit einem breiten Konsens, wenn auch nicht einstimmig erfolgt. Weniger eindeutig sei hingegen der Ausblick bezüglich der nächsten Zinssitzung im Dezember. Powell habe deutlich und mehrfach betont, dass eine Zinssenkung keine ausgemachte Sache sei, was er damit begründet habe, dass im Komitee verschiedene Ansichten und Risikogewichtungen bezüglich der weiteren Vorgehensweise vorliegen würden. Ein deutlich längeres Anhalten des Shutdowns würde die Entscheidungsfindung jedenfalls zusätzlich erschweren. Bezüglich der Bilanzpolitik sei verlautbart worden, dass die FED künftig, genauer gesagt ab 1. Dezember, auslaufende Staatsanleihen vollständig am Sekundärmarkt reinvestieren werde, was eine stabile Entwicklung des Anleiheportfolios zur Folge habe. Eine Ausnahme gebe es betreffend die MBS-Bestände. Diese würden bei Fälligkeit nun in Treasury-Bills reinvestiert, wodurch sich das Laufzeitenprofil der FED-Bestände mit der Zeit verkürzen werde. Die RBI halte im Umfeld der unsicheren Datenlage vorerst an ihrer Prognose keiner weiteren Zinssenkung bis Jahresende fest, die Risiken sehe sie aber klar in Richtung einer weiteren Zinssenkung gerichtet.
Weniger gehaltvoll sei hingegen die Zinssitzung der EZB gewesen, welche ebenfalls diese Woche stattgefunden habe. Kaum überraschend habe der EZB-Rat beschlossen, die Zinsen unverändert zu belassen, womit Einlagesatz und Hauptrefinanzierungssatz weiterhin bei 2% bzw. 2,15% lägen. Bei der Pressenkonferenz habe sich EZB-Vorsitzende Christine Lagarde bemüht gegeben, sich hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise nicht allzu sehr in die Karten blicken zu lassen. Lagarde ehe die EZB in geldpolitischer Hinsicht wie zuletzt gut positioniert. Man werde alles unternehmen, was nötig sei, um diese gute Positionierung aufrechtzuerhalten. Zu einer Einschätzung, ob eine mögliche zukünftige Zinssenkung ähnlich wahrscheinlich sei wie eine zukünftige Zinsanhebung, habe Lagarde sich allerdings nicht hinreißen lassen. Die Inflationsrisiken sehe man in der EZB aktuell als einigermaßen ausgewogen an, während einige Abwärtsrisiken bezüglich des Wachstumsausblicks zuletzt abgenommen hätten (Handelsdeal zwischen den USA und Europa, Waffenstillstand im Nahen Osten, Fortschritte im Handelskonflikt zwischen den USA und China). Die Prognose der RBI keiner weiteren Zinssenkungen der EZB auf absehbare Zeit sehe sie durch das dieswöchige Meeting als gestützt an. (31.10.2025/alc/a/a)
Der leichte Rückgang der Gesamtinflation von 2,2% im September sei hauptsächlich auf einen stärkeren Rückgang der Energiepreise zurückzuführen (-1,0% im Jahresvergleich gegenüber -0,4% im September) gewesen. Die Kerninflation sei stabil geblieben, die Kerngüterinflation habe sich auf 0,6% im Jahresvergleich verringert, während die Preise für Dienstleistungen von 3,2% auf 3,4% gestiegen seien. Die RBI erwarte jedoch keine weitere Beschleunigung der Dienstleistungspreise in den kommenden Monaten.
Nach der ereignisreichen aktuellen Woche falle der Datenkalender der nächsten Woche wieder etwas ruhiger aus. In der Eurozone stünden einige weitere PMI-Zahlen für Oktober sowie nationale Industrieproduktionsdaten für September auf der Agenda. In den USA werde der Kalender wohl auch in der nächsten Woche noch mehrheitlich leer bleiben, zeichne sich doch kein Ende des Shutdowns ab. Davon wäre auch der Oktober-Arbeitsmarktbericht betroffen, welcher eigentlich am Freitag erscheinen würde - dies wäre bereits der zweite Arbeitsmarktbericht, welcher aufgrund des Shutdowns nicht erscheine. Etwas Orientierung würden die ISM-Indices für Oktober bieten. Der ISM für das verarbeitende Gewerbe habe zuletzt bei 49,1 Punkten gelegen, sein Pendant für das nicht-verarbeitende Gewerbe bei 50 Punkten. Die Entwicklung der Indices könnte zumindest in Teilen Rückschlüsse auf die aktuelle Wirtschaftslage der USA erlauben.
Die Federal Reserve habe bei ihrem dieswöchigen Zinsmeeting wie erwartet die zweite Zinssenkung des Jahres durchgeführt und zeitgleich die Beendigung des laufenden Bilanzabbaus verkündet. Die Federal Funds Rate liege nun zwischen 3,75 und 4%. Die aktuell aufgrund des Shutdowns mau ausfallende Datenlage habe die Entscheidungsfindung zwar erschwert, der Beschluss zu einer Senkung sei aber dennoch mit einem breiten Konsens, wenn auch nicht einstimmig erfolgt. Weniger eindeutig sei hingegen der Ausblick bezüglich der nächsten Zinssitzung im Dezember. Powell habe deutlich und mehrfach betont, dass eine Zinssenkung keine ausgemachte Sache sei, was er damit begründet habe, dass im Komitee verschiedene Ansichten und Risikogewichtungen bezüglich der weiteren Vorgehensweise vorliegen würden. Ein deutlich längeres Anhalten des Shutdowns würde die Entscheidungsfindung jedenfalls zusätzlich erschweren. Bezüglich der Bilanzpolitik sei verlautbart worden, dass die FED künftig, genauer gesagt ab 1. Dezember, auslaufende Staatsanleihen vollständig am Sekundärmarkt reinvestieren werde, was eine stabile Entwicklung des Anleiheportfolios zur Folge habe. Eine Ausnahme gebe es betreffend die MBS-Bestände. Diese würden bei Fälligkeit nun in Treasury-Bills reinvestiert, wodurch sich das Laufzeitenprofil der FED-Bestände mit der Zeit verkürzen werde. Die RBI halte im Umfeld der unsicheren Datenlage vorerst an ihrer Prognose keiner weiteren Zinssenkung bis Jahresende fest, die Risiken sehe sie aber klar in Richtung einer weiteren Zinssenkung gerichtet.
Weniger gehaltvoll sei hingegen die Zinssitzung der EZB gewesen, welche ebenfalls diese Woche stattgefunden habe. Kaum überraschend habe der EZB-Rat beschlossen, die Zinsen unverändert zu belassen, womit Einlagesatz und Hauptrefinanzierungssatz weiterhin bei 2% bzw. 2,15% lägen. Bei der Pressenkonferenz habe sich EZB-Vorsitzende Christine Lagarde bemüht gegeben, sich hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise nicht allzu sehr in die Karten blicken zu lassen. Lagarde ehe die EZB in geldpolitischer Hinsicht wie zuletzt gut positioniert. Man werde alles unternehmen, was nötig sei, um diese gute Positionierung aufrechtzuerhalten. Zu einer Einschätzung, ob eine mögliche zukünftige Zinssenkung ähnlich wahrscheinlich sei wie eine zukünftige Zinsanhebung, habe Lagarde sich allerdings nicht hinreißen lassen. Die Inflationsrisiken sehe man in der EZB aktuell als einigermaßen ausgewogen an, während einige Abwärtsrisiken bezüglich des Wachstumsausblicks zuletzt abgenommen hätten (Handelsdeal zwischen den USA und Europa, Waffenstillstand im Nahen Osten, Fortschritte im Handelskonflikt zwischen den USA und China). Die Prognose der RBI keiner weiteren Zinssenkungen der EZB auf absehbare Zeit sehe sie durch das dieswöchige Meeting als gestützt an. (31.10.2025/alc/a/a)


