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Zinssenkung voraus? Fed überrascht mit neuem Kurs - EZB zögert
01.09.25 10:45
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Gesamtinflation für den Euroraum dürfte im August stabil bei 2,0% geblieben sein, während die Kerninflation leicht auf 2,2% zurückgegangen sein dürfte (nach 2,3% im Juli), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Diese Zahlen würden auf eine anhaltende Preisstabilität hindeuten, ohne dass in letzter Zeit wesentliche Veränderungen in der Inflationsstruktur zu beobachten gewesen seien. Eine bemerkenswerte Entwicklung sei der monatliche Rückgang der Kraftstoffpreise in ganz Europa um fast 1%. Generell würden die Energiepreise unter dem Vorjahresniveau bleiben, was dazu beitrage, dass die Gesamtinflation unter der Kerninflation verweile. Aus geldpolitischer Sicht würden die Inflationsdaten für September aussagekräftiger sein. Im September würden viele Preise neu gesetzt, was in der Regel den Ton für die Inflationsdynamik im letzten Quartal des Jahres angebe. Während die Inflationszahlen also unauffällig ausfallen sollten, könnte die nächste Schätzung zum BIP der Eurozone im zweiten Quartal eine kleine Überraschung in sich bergen. Die ersten Schätzungen seien mit einem Wachstum in Höhe von 0,1% p.q. etwas höher ausgefallen, als initial von den Analysten erwartet worden sei, sei doch die starke Abwärtsbewegung der Eurozonen-Exporte in die USA ausgeblieben. Die Analysten würden angesichts der in der Zwischenzeit erschienenen zusätzlichen (Handels-)Daten für das zweite Quartal dennoch denken, dass die Schätzung von 0,1% mit Abwärtsrisiken behaftet sei, und sähen Potential für eine Revision auf 0,0%.
Auch in den USA stehe mit dem Arbeitsmarktbericht für August ein echtes Highlight zur Veröffentlichung an. Dies gelte umso mehr, als dass der letzte Arbeitsmarktbericht eine regelrechte Enttäuschung gewesen sei. So seien die Beschäftigungszahlen für Juli schwächer als erwartet worden (70 Tausend neue Stellen; Konsenserwartung: 110 Tausend neue Stellen). Viel wichtiger sei allerdings der Umstand gewesen, dass die Beschäftigungszahlen für Mai und Juni stark nach unten revidiert worden seien, was auf einen weniger resilienten Arbeitsmarkt hindeute, als ursprünglich angenommen worden sei. Folglich würden die neuen Daten ganz im Zeichen der Frage stehen, ob sich die Hinweise für eine Abkühlung am Arbeitsmarkt verdichten würden, oder ob wieder eine positivere Dynamik zu beobachten sein werde. Die Arbeitslosenquote (welche auch für die Federal Reserve eine maßgebliche Rolle spiele) sowie die Erstanträge für Arbeitslosenunterstützung verblieben bis zuletzt jedenfalls auf unauffälligen Niveaus. Konsensschätzungen würden aktuell von einem August-Beschäftigungszuwachs in Höhe von 78 Tausend Stellen ausgehen und des Weiteren einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,2% auf 4,3% erwarten.
Informationen zur US-Stimmungslage im August würden die ebenfalls erscheinenden ISM-Indikatoren enthalten. Diese würden zuletzt sowohl im verarbeitenden als auch im nicht-verarbeitenden Gewerbe eine wesentlich pessimistischere Stimmung aufweisen, als die entsprechenden PMI-Indikatoren. Erste verfügbare Konsensschätzungen würden aber auf eine leichte Verbesserung der ISM-Maßzahlen hindeuten. Eine detaillierte Betrachtung der aktuellen Lage der US-Volkswirtschaft finde sich in unserem US Chartbook: Goldilocks war gestern.
Die mit Spannung erwartete Rede Powells auf dem geldpolitischen Symposium in Jackson Hole sei zwar kein Paukenschlag gewesen, die Bedeutung von Jackson Hole für die Fed-Kommunikation sei aber abermals hervorgehoben worden. Fed-Präsident Powell habe die Gelegenheit in den Wäldern Wyomings genutzt, um eine Zinssenkung auf der nächsten FOMC-Sitzung im September anzudeuten. Gegeben der aktuell restriktiven Geldpolitik, könnte eine veränderte Einschätzung der Risiken "eine Anpassung der Geldpolitik erforderlich machen", so Powell. Das sei als ein sehr deutliches Signal zu verstehen. Die bisherige Einschätzung der Analysten einer ersten Zinssenkung im Dezember sei damit als überholt zu bewerten. In Summe habe sich somit die Risikobeurteilung der Fed in Richtung Zinssenkungen verschoben. Eine restriktive Geldpolitik sei im aktuellen Umfeld wohl nicht mehr gerechtfertigt. Solange die Inflationssorgen aber nicht beiseite geschoben werden könnten, spreche aber auch wenig für ein rasches Vorgehen der Fed. Bis Jahresende erscheinen den Analysten der RBI zwei Zinssenkungen wahrscheinlicher zu sein als drei, solange sich die Abwärtsdynamik am Arbeitsmarkt nicht ausweite.
Während die Fed beginne, die Leitzinsen erneut zu senken, könnte die EZB genau damit aufhören. Eine weitere Leitzinssenkung im September sei ungewiss. Zwar könne mit Blick auf die wohl abermals niedrigere Inflationsprognose der EZB eine Zinssenkung fundamental argumentiert werden, die Wortmeldungen wichtiger Vertreter aus dem EZB-Rat würden aber auf eine Zinspause schließen lassen. Zwar teile nicht jedes EZB-Ratsmitglied diese Ansicht, aber es reiche, um den Zinsmarkt zu überzeugen. Die Zinssenkung im September sei ausgepreist worden, und selbst bis Jahresende sehe der Finanzmarkt ein Verharren des Einlagezinses bei 2% als wahrscheinlicher an wie eine Zinssenkung - wenn, dann wohl - im Dezember. Man solle den Tag aber nicht vor dem Abend loben. Die EZB bleibe datengetrieben, und sollten die US-Zölle die Eurozonen-Konjunktur doch härter treffen und sich der Disinflationsprozess bei der Kerninflation fortsetzen, könne eine Zinssenkung bis Jahresende nicht ausgeschlossen werden. (Ausgabe vom 29.08.2025) (01.09.2025/alc/a/a)
Diese Zahlen würden auf eine anhaltende Preisstabilität hindeuten, ohne dass in letzter Zeit wesentliche Veränderungen in der Inflationsstruktur zu beobachten gewesen seien. Eine bemerkenswerte Entwicklung sei der monatliche Rückgang der Kraftstoffpreise in ganz Europa um fast 1%. Generell würden die Energiepreise unter dem Vorjahresniveau bleiben, was dazu beitrage, dass die Gesamtinflation unter der Kerninflation verweile. Aus geldpolitischer Sicht würden die Inflationsdaten für September aussagekräftiger sein. Im September würden viele Preise neu gesetzt, was in der Regel den Ton für die Inflationsdynamik im letzten Quartal des Jahres angebe. Während die Inflationszahlen also unauffällig ausfallen sollten, könnte die nächste Schätzung zum BIP der Eurozone im zweiten Quartal eine kleine Überraschung in sich bergen. Die ersten Schätzungen seien mit einem Wachstum in Höhe von 0,1% p.q. etwas höher ausgefallen, als initial von den Analysten erwartet worden sei, sei doch die starke Abwärtsbewegung der Eurozonen-Exporte in die USA ausgeblieben. Die Analysten würden angesichts der in der Zwischenzeit erschienenen zusätzlichen (Handels-)Daten für das zweite Quartal dennoch denken, dass die Schätzung von 0,1% mit Abwärtsrisiken behaftet sei, und sähen Potential für eine Revision auf 0,0%.
Informationen zur US-Stimmungslage im August würden die ebenfalls erscheinenden ISM-Indikatoren enthalten. Diese würden zuletzt sowohl im verarbeitenden als auch im nicht-verarbeitenden Gewerbe eine wesentlich pessimistischere Stimmung aufweisen, als die entsprechenden PMI-Indikatoren. Erste verfügbare Konsensschätzungen würden aber auf eine leichte Verbesserung der ISM-Maßzahlen hindeuten. Eine detaillierte Betrachtung der aktuellen Lage der US-Volkswirtschaft finde sich in unserem US Chartbook: Goldilocks war gestern.
Die mit Spannung erwartete Rede Powells auf dem geldpolitischen Symposium in Jackson Hole sei zwar kein Paukenschlag gewesen, die Bedeutung von Jackson Hole für die Fed-Kommunikation sei aber abermals hervorgehoben worden. Fed-Präsident Powell habe die Gelegenheit in den Wäldern Wyomings genutzt, um eine Zinssenkung auf der nächsten FOMC-Sitzung im September anzudeuten. Gegeben der aktuell restriktiven Geldpolitik, könnte eine veränderte Einschätzung der Risiken "eine Anpassung der Geldpolitik erforderlich machen", so Powell. Das sei als ein sehr deutliches Signal zu verstehen. Die bisherige Einschätzung der Analysten einer ersten Zinssenkung im Dezember sei damit als überholt zu bewerten. In Summe habe sich somit die Risikobeurteilung der Fed in Richtung Zinssenkungen verschoben. Eine restriktive Geldpolitik sei im aktuellen Umfeld wohl nicht mehr gerechtfertigt. Solange die Inflationssorgen aber nicht beiseite geschoben werden könnten, spreche aber auch wenig für ein rasches Vorgehen der Fed. Bis Jahresende erscheinen den Analysten der RBI zwei Zinssenkungen wahrscheinlicher zu sein als drei, solange sich die Abwärtsdynamik am Arbeitsmarkt nicht ausweite.
Während die Fed beginne, die Leitzinsen erneut zu senken, könnte die EZB genau damit aufhören. Eine weitere Leitzinssenkung im September sei ungewiss. Zwar könne mit Blick auf die wohl abermals niedrigere Inflationsprognose der EZB eine Zinssenkung fundamental argumentiert werden, die Wortmeldungen wichtiger Vertreter aus dem EZB-Rat würden aber auf eine Zinspause schließen lassen. Zwar teile nicht jedes EZB-Ratsmitglied diese Ansicht, aber es reiche, um den Zinsmarkt zu überzeugen. Die Zinssenkung im September sei ausgepreist worden, und selbst bis Jahresende sehe der Finanzmarkt ein Verharren des Einlagezinses bei 2% als wahrscheinlicher an wie eine Zinssenkung - wenn, dann wohl - im Dezember. Man solle den Tag aber nicht vor dem Abend loben. Die EZB bleibe datengetrieben, und sollten die US-Zölle die Eurozonen-Konjunktur doch härter treffen und sich der Disinflationsprozess bei der Kerninflation fortsetzen, könne eine Zinssenkung bis Jahresende nicht ausgeschlossen werden. (Ausgabe vom 29.08.2025) (01.09.2025/alc/a/a)


