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Das Wirtschafts- und Zinsmarktumfeld bleibt stark von der (Geo-)Politik geprägt
23.10.25 09:00
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Das Wirtschafts- und Zinsmarktumfeld ist und bleibt wohl auch stark von der (Geo-)Politik geprägt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Das zuweilen erratische und konfliktreiche Vorgehen der Politik schaffe Unsicherheit und Risiken, geförderte Veränderungen und neue Technologien würden aber auch Chancen bieten. Beispielsweise habe die US-Wirtschaft zuletzt von einem Boom in Investitionen in Infrastruktur für digitale Güter profitieren können. Dennoch habe das Narrativ einer fortwährend resilienten US-Konjunktur Risse bekommen, das Wachstum und die Arbeitsmarktlage hätten sich abgeschwächt. Für Europa seien die Entscheidungen zu US-Zöllen und Handelsbeschränkungen sowie Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung ein maßgeblicher Faktor. Nachdem vorgezogene Lieferungen im ersten Quartal das BIP-Wachstum beflügelt hätten, sei im zweiten und dritten Quartal ein stark dämpfender Effekt anzusetzen. Auch mittelfristig würden US-Zölle europäische Exporte und somit das BIP-Wachstum dämpfen. Allerdings sei in den kommenden Quartalen ein merklicher Boost von steigenden Verteidigungsausgaben und deutschen Infrastrukturinvestitionen zu erwarten. Stimmungsindikatoren würden trotz der US-Zölle eine Verbesserung im Industriebereich signalisieren. Auch wenn keine dynamische Belebung erwartet werden dürfe, so dürfte sich die Lücke zu den Dienstleistungen verringern. Zudem sollten die starken Unterschiede zwischen einzelnen Euro-Ländern kleiner werden (z.B. Deutschland vs. Spanien). In Summe würden sich also die Aussichten im Jahr 2026/27 sowohl auf Länder- als auch Sektorenebene balancierter darstellen als in zurückliegenden Quartalen.
In Österreich sei die Dauer-Rezession zwar überwunden, von einem dynamischen Aufschwung in der kommenden Zeit könne aber keine Rede sein. Österreichs exportabhängige Wirtschaft sei im ersten Halbjahr 2025 - anders als die Eurozone - kaum gewachsen. Wichtige Sektoren seien weiter von rezessiven Tendenzen geprägt (Bau, Industrie). Österreich werde auch heuer ein konjunktureller Nachzügler in Europa sein. Strukturelle Probleme würden verhindern, dass sich daran absehbar etwas ändern werde.
Während in den USA die Inflation aufgrund der Zollaufschläge auf einem erhöhten Niveau verharre, bewege sich die Teuerung in der Eurozone seit längerer Zeit am EZB-Ziel von 2% p.a. Dabei sei die Entwicklung der einzelnen Teilbereiche sehr unterschiedlich. Während Energiepreise rückläufig seien und sich die Teuerung bei Gütern auf einem niedrigen Niveau eingependelt habe, sei der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln und Dienstleistungen erhöht. In den kommenden Quartalen rechne die RBI weiterhin mit Preisnachlässen bei Energiepreisen. Der Preisdruck bei den Dienstleistungen sollte graduell geringer werden, immerhin würden auch die Lohnsteigerungsraten abklingen. Dagegen könnte im Jahresverlauf 2026 eine moderate Reflationierung bei Industriegütern einsetzen, je nach Übertragungseffekten der öffentlichen Investitionen im Zusammenspiel mit der allgemeinen Konjunkturlage. Im Schnitt prognostiziere die RBI die Inflationsrate im Jahr 2026 und 2027 knapp unter bzw. bei der 2%-Marke und sehe das EZB-Inflationsziel als erreicht an.
Nach 200 BP an Zinssenkungen erachte die RBI den Zinssenkungszyklus der Europäischen Zentralbank (EZB) als beendet. Die EZB sehe ihre Geldpolitik den konjunkturellen Rahmenbedingungen entsprechend als "gut positioniert" an und erachte die Auswirkungen der Inflationskrise 2022/23 für beendet. Der Einlagesatz befinde sich bei 2% und dürfte auf diesem Niveau für eine lange Zeit verharren. In den nächsten Monaten könne eine erneute Zinssenkung zwar nicht ausgeschlossen werden, aber die Hürde, abermals zu senken, erscheine recht hoch. Längerfristig bestünden für die Leitzinsprognosen der RBI gegeben der umfangreichen staatlichen Ausgabenprogramme eher Aufwärtsrisiken. Die US-Notenbank habe erst jüngst ihren Zinssenkungszyklus wieder aufgenommen. Die Unsicherheit aufgrund der Effekte von Trumps Zoll- und Migrationspolitik habe die FED zu einem Stopp des Zinssenkungszyklus Anfang des Jahres veranlasst. Nun aber stelle sich die Lage am Arbeitsmarkt schwächer als erwartet dar und dränge die Sorge vor erhöhter Inflation etwas in den Hintergrund. Bis Jahresende 2026 dürfte die FED nach Erachten der RBI die Leitzinsen auf den unteren Rand eines neutralen Zinsniveaus führen. Mit der Neubestellung des FED-Präsidenten im Mai 2026 könnte der politische Einfluss aber beachtlich steigen. Es bestehe das Risiko, dass sich der Zinssenkungszyklus infolge politisch motivierter Entscheidungen beschleunige.
Am breiteren Zinsmarkt erwarte die RBI anhaltend steile Zinskurven (Unterschied Geldmarktsätze wie Euribor und Kapitalmarksätze wie Rendite 10-jähriger Anleihen) in der Eurozone sowie vom aktuellen Niveau ausgehend deutlich steilere Zinskurven in den USA. In der Eurozone führe die fiskalpolitische Wende in Deutschland zu einer höheren Verschuldung bzw. Bond-Emissionen in den kommenden Jahren. Somit sollten Laufzeitenprämien präsent bleiben. Zudem könnten 2026 Spillover-Effekte aus den USA für Aufwärtsdynamiken am mittleren bis langen Ende der Zinskurve, auch in Europa, führen. Die aktuelle Abwärtsdynamik am US-Zinsmarkt werde nach Meinung der RBI nämlich nicht von Dauer sein. Vor allem politische Risiken dürften das lange Ende der US-Zinskurve steigen lassen. Immerhin untergrabe die anhaltende politische Einflussnahme die Stellung von US-Staatsanleihen als internationalen sicheren Hafen und das Vertrauen in die mittelfristige Preisstabilität, was beides zu steigenden Risikoprämien führe. Die RBI erwarte die Kapitalmarktzinsen in Europa und den USA zum Jahresende 2026 höher als zum Jahresende 2025. (23.10.2025/alc/a/a)
Das zuweilen erratische und konfliktreiche Vorgehen der Politik schaffe Unsicherheit und Risiken, geförderte Veränderungen und neue Technologien würden aber auch Chancen bieten. Beispielsweise habe die US-Wirtschaft zuletzt von einem Boom in Investitionen in Infrastruktur für digitale Güter profitieren können. Dennoch habe das Narrativ einer fortwährend resilienten US-Konjunktur Risse bekommen, das Wachstum und die Arbeitsmarktlage hätten sich abgeschwächt. Für Europa seien die Entscheidungen zu US-Zöllen und Handelsbeschränkungen sowie Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung ein maßgeblicher Faktor. Nachdem vorgezogene Lieferungen im ersten Quartal das BIP-Wachstum beflügelt hätten, sei im zweiten und dritten Quartal ein stark dämpfender Effekt anzusetzen. Auch mittelfristig würden US-Zölle europäische Exporte und somit das BIP-Wachstum dämpfen. Allerdings sei in den kommenden Quartalen ein merklicher Boost von steigenden Verteidigungsausgaben und deutschen Infrastrukturinvestitionen zu erwarten. Stimmungsindikatoren würden trotz der US-Zölle eine Verbesserung im Industriebereich signalisieren. Auch wenn keine dynamische Belebung erwartet werden dürfe, so dürfte sich die Lücke zu den Dienstleistungen verringern. Zudem sollten die starken Unterschiede zwischen einzelnen Euro-Ländern kleiner werden (z.B. Deutschland vs. Spanien). In Summe würden sich also die Aussichten im Jahr 2026/27 sowohl auf Länder- als auch Sektorenebene balancierter darstellen als in zurückliegenden Quartalen.
Während in den USA die Inflation aufgrund der Zollaufschläge auf einem erhöhten Niveau verharre, bewege sich die Teuerung in der Eurozone seit längerer Zeit am EZB-Ziel von 2% p.a. Dabei sei die Entwicklung der einzelnen Teilbereiche sehr unterschiedlich. Während Energiepreise rückläufig seien und sich die Teuerung bei Gütern auf einem niedrigen Niveau eingependelt habe, sei der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln und Dienstleistungen erhöht. In den kommenden Quartalen rechne die RBI weiterhin mit Preisnachlässen bei Energiepreisen. Der Preisdruck bei den Dienstleistungen sollte graduell geringer werden, immerhin würden auch die Lohnsteigerungsraten abklingen. Dagegen könnte im Jahresverlauf 2026 eine moderate Reflationierung bei Industriegütern einsetzen, je nach Übertragungseffekten der öffentlichen Investitionen im Zusammenspiel mit der allgemeinen Konjunkturlage. Im Schnitt prognostiziere die RBI die Inflationsrate im Jahr 2026 und 2027 knapp unter bzw. bei der 2%-Marke und sehe das EZB-Inflationsziel als erreicht an.
Nach 200 BP an Zinssenkungen erachte die RBI den Zinssenkungszyklus der Europäischen Zentralbank (EZB) als beendet. Die EZB sehe ihre Geldpolitik den konjunkturellen Rahmenbedingungen entsprechend als "gut positioniert" an und erachte die Auswirkungen der Inflationskrise 2022/23 für beendet. Der Einlagesatz befinde sich bei 2% und dürfte auf diesem Niveau für eine lange Zeit verharren. In den nächsten Monaten könne eine erneute Zinssenkung zwar nicht ausgeschlossen werden, aber die Hürde, abermals zu senken, erscheine recht hoch. Längerfristig bestünden für die Leitzinsprognosen der RBI gegeben der umfangreichen staatlichen Ausgabenprogramme eher Aufwärtsrisiken. Die US-Notenbank habe erst jüngst ihren Zinssenkungszyklus wieder aufgenommen. Die Unsicherheit aufgrund der Effekte von Trumps Zoll- und Migrationspolitik habe die FED zu einem Stopp des Zinssenkungszyklus Anfang des Jahres veranlasst. Nun aber stelle sich die Lage am Arbeitsmarkt schwächer als erwartet dar und dränge die Sorge vor erhöhter Inflation etwas in den Hintergrund. Bis Jahresende 2026 dürfte die FED nach Erachten der RBI die Leitzinsen auf den unteren Rand eines neutralen Zinsniveaus führen. Mit der Neubestellung des FED-Präsidenten im Mai 2026 könnte der politische Einfluss aber beachtlich steigen. Es bestehe das Risiko, dass sich der Zinssenkungszyklus infolge politisch motivierter Entscheidungen beschleunige.
Am breiteren Zinsmarkt erwarte die RBI anhaltend steile Zinskurven (Unterschied Geldmarktsätze wie Euribor und Kapitalmarksätze wie Rendite 10-jähriger Anleihen) in der Eurozone sowie vom aktuellen Niveau ausgehend deutlich steilere Zinskurven in den USA. In der Eurozone führe die fiskalpolitische Wende in Deutschland zu einer höheren Verschuldung bzw. Bond-Emissionen in den kommenden Jahren. Somit sollten Laufzeitenprämien präsent bleiben. Zudem könnten 2026 Spillover-Effekte aus den USA für Aufwärtsdynamiken am mittleren bis langen Ende der Zinskurve, auch in Europa, führen. Die aktuelle Abwärtsdynamik am US-Zinsmarkt werde nach Meinung der RBI nämlich nicht von Dauer sein. Vor allem politische Risiken dürften das lange Ende der US-Zinskurve steigen lassen. Immerhin untergrabe die anhaltende politische Einflussnahme die Stellung von US-Staatsanleihen als internationalen sicheren Hafen und das Vertrauen in die mittelfristige Preisstabilität, was beides zu steigenden Risikoprämien führe. Die RBI erwarte die Kapitalmarktzinsen in Europa und den USA zum Jahresende 2026 höher als zum Jahresende 2025. (23.10.2025/alc/a/a)


