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Wirtschaft und Zinsen


10.04.24 14:10
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Ende 2023 hat die gesamtwirtschaftliche Aktivität in der Eurozone und Österreich stagniert, so Gottfried Steindl, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Für den Start in diesem Jahr würen monatliche Indikatoren auf keinen unmittelbaren Aufschwung hinweisen. Die RBI zwar mit einer moderaten Belebung der Konjunktur im Jahresverlauf, in Summe dürfte aber das BIP im Jahr 2024 nur geringfügig zulegen. Die erwartete Erholung sollte vor allem vom privaten Konsum getragen werden. Immerhin präsentiere sich der Arbeitsmarkt mit hohem Beschäftigungsstand und geringer Arbeitslosigkeit und die Löhne würden dieses Jahr stärker als die Konsumgüterpreise zulegen. Somit werde sich das real verfügbare Einkommen erhöhen. Die private Investitionsnachfrage dürfte dagegen weniger als üblich zum Aufschwung beitragen. Politische Unsicherheiten und Geldpolitik würden hier dämpfend wirken. Vor allem der private Wohnbau dürfte bei der herrschenden Zins- und Kostensituation das Rezessionstief noch nicht erreicht haben.

Auch der externe Rückenwind bzw. die Chance auf einen exportgetriebenen Aufschwung würden überschaubar bleiben. Österreichs größter Handelspartner Deutschland müsse selbst erst einen Weg aus der Rezession finden. Für die USA und China, welche entscheidend für das globale Umfeld der Eurozone seien, würden im Jahr 2024 geringere BIP-Zuwächse erwartet als im Vorjahr. Ein besonderer Risikofaktor sei und bleibe das weltpolitische Geschehen. Bestehende kriegerische Auseinandersetzungen (Ukraine/Russland, Naher Osten) könnten jederzeit an Intensität gewinnen und die Rahmenbedingungen stärker belasten als aktuell. Andererseits würde sich eine Entspannung positiv auswirken.

Die Teuerungsraten hätten sich in der Eurozone und in Österreich deutlich zurückgebildet. Allerdings dürfte der Preisauftrieb dieses Jahr noch immer über dem EZB-Zielwert von 2% p.a. liegen. Vor allem bei arbeitsintensiven Konsumgütern sorge der starke Lohnauftrieb für weiterhin erhöhten Inflationsdruck. Dagegen hätten sich bei Energiegütern die Preise zurückgebildet oder zumindest stabilisiert. Zudem sollte inzwischen für die meisten Waren der Energiekostenschub durch die zurückliegenden Runden an Preiserhöhungen weitgehend verarbeitet worden sein.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank (FED) würden für dieses Jahr Senkungen der Leitzinsen signalisieren. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) habe eine erste Reduktion bereits auf der letzten Sitzung im März beschlossen. Für FED und EZB rechne die RBI mit einer ersten Zinssenkung um 25 Basispunkte (BP) im Juni und weitere Schritte von je 25 BP im September und Dezember. Die Geldmarktsätze und Renditen von Staatsanleihen würden zukünftige Zinssenkungen vorausnehmen. Dies führe dazu, dass die Zins- und Staatsanleiherenditekurven in beiden Währungsräumen invers seien. Zinsen mit kurzer Bindung seien also höher als langlaufende Fixzinsen. Seit Jahresbeginn hätten die Markterwartungen zum Leitzinspfad aber nach oben korrigiert und der aktuell am Markt gepreiste Pfad sei aktuell weitgehend im Einklang mit den RBI-Erwartungen. Dieser Leitzinspfad sollte ausgehend vom aktuellen Niveau mit fallenden Geldmarktsätzen und Staatsanleiherenditen einhergehen. (10.04.2024/alc/a/a)