Erweiterte Funktionen

Viele FOMC-Mitglieder melden sich zu Wort


23.09.24 10:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Unerwartet für die meisten Ökonomen, aber weniger für die Märkte, beschloss die FED, die Leitzinsen um 50 statt um 25 Basispunkte zu senken, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Auslöser für diese (nicht einstimmige) Entscheidung sei eine Verschiebung der Risikobilanz. Die FED sei besorgt über die Arbeitsmarktaussichten und sehe die Risiken für ihre Prognose der Arbeitslosenquote eher nach oben gerichtet. Interessanterweise sehe der FOMC trotz der stärker als erwarteten Zinssenkung nur 50 Basispunkte an weiteren Zinssenkungen bis Jahresende. Ob die FED tatsächlich zu einem langsameren Tempo übergehe, werde nicht nur davon abhängen, wie sich die US-Wirtschaft entwickele, sondern - wie diese Sitzung gezeigt habe - auch davon, wie der Markt die FED wahrnehme. Diesmal sei die FED nicht bereit gewesen, eine hawkische Überraschung zu riskieren.

In den nächsten Tagen werde man weitere Erkenntnisse über die Beweggründe der FED gewinnen, da sich wohl viele FOMC-Mitglieder zu Wort melden würden. Was die Daten betreffe, so werde die PCE-Inflation in der nächsten Woche der erste Test sein. Auf der Grundlage der bereits vorliegenden VPI- und PPI-Daten werde erwartet, dass die PCE-Kerninflation sowohl in der Monats- als auch in der Jahresbetrachtung steigen werde. Die Analysten würden daher nicht davon ausgehen, dass diese Veröffentlichung die Markterwartungen weiter in die dovishe Richtung treibe - was eine Zinssenkung um 50 Basispunkte Anfang November bedeuten würde.

Auf den Zinsmärkten habe die Senkung um 50 Basispunkte keinen lang anhaltenden Abwärtsdruck auf US-Treasury Renditen ausgelöst. Aktuell werde die zweijährige Rendite in der Nähe des Niveaus vor der Zinssitzung gehandelt und die zehnjährige Rendite liege sogar leicht darüber. Ein ähnliches Muster sei bei der Bundkurve zu beobachten. Diese Entwicklung spiegele auch wider, dass es Powell auf der Pressekonferenz gelungen sei, eine größere Zinssenkung durchzusetzen, aber nicht noch mehr dovishe Fantasien zu schüren, als der Markt ohnehin bereits preise. Die Analysten seien der Meinung, dass die aktuellen Markterwartungen dovishe Risiken widerspiegeln würden.

Nach dem FED-Entscheid habe sich jedoch das dovishe Pricing im Vergleich zu einem plausiblen fairen Wert verringert (weil letzteres gefallen sei). Aus der FED-Sitzung würden sich die Analysten mitnehmen, dass die FED bereit sei, schneller zu handeln, falls sich Sorgen über eine Abschwächung des Arbeitsmarktes verbreiten würden. Angesichts der Tatsache, dass die Prognose zur Arbeitslosenquote der FED nur wenig Spielraum für eine weitere Abschwächung zulasse (aktuell: 4,2% gegenüber der Jahresendprognose: 4,4%), bestehe eine gute Chance, dass man in diesem Jahr eine weitere Senkung um 50 Basispunkte erlebe.

Abgesehen davon gehe der aktualisierte Leitzinspfad der FED von Zinssenkungen auf aufeinanderfolgenden Sitzungen in der Größenordnung von 25 Basispunkten aus. Für die Zinsprognosen der US-Treasury Kurve habe dieser steilere Zinssenkungszyklus stärkere Auswirkungen auf das kurze Ende der Kurve als auf das lange Ende. Die Analysten würden daher eine schnellere Versteilerung der US-Treasury Kurve erwarten. Bei den Bund-Renditen würden sie in erster Linie US-Auswirkungen als Auslöser für unsere leichten Prognose-Korrekturen sehen. Grundsätzlich würden sie die EZB auf einem langsameren Weg als die FED sehen, sodass sie ihre Einschätzung einer Zinssenkung von 25 Basispunkten pro Quartal nicht ändern würden.

Angesichts der aktuellen Marktlage würden die Analysten wenig Spielraum für einen weiteren Rückgang der längerfristigen Renditen im Euroraum sehen. Mit dem Fortschreiten des Zinssenkungszyklus dürfte das kurze Ende der Renditekurve etwas stärker zurückgehen, was eine positiv geneigte Renditekurve auch im Euroraum impliziere. Unterm Strich bleibe jedoch festzuhalten, dass man den größten Teil der Abwärtsdynamik bei den Renditen bereits in diesem Normalisierungszyklus gesehen habe, solange die Wirtschaft (und damit auch die Inflation) keine wesentliche Verschlechterung erlebe. (Ausgabe vom 20.09.2024) (23.09.2024/alc/a/a)