Unternehmensanleihen aus Frankreich: Auto-Bonds mit politischem Sicherheitsnetz


01.06.12 12:27
Fuchsbriefe

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Experten von "Fuchsbriefe" haben in ihrer aktuellen Ausgabe das Segment der Unternehmensanleihen von französischen Automobilkonzernen näher betrachtet.

Die französische Automobilbranche mit Renault, Peugeot und Citroen stecke in einer Dauerkrise und komme seit 2009 nicht zur Ruhe. Auch wenn französische Automodelle seit jeher mit attraktiven technischen Innovationen aufwarten würden, lägen die Produktionskosten in Frankreich traditionell über denen vergleichbarer Werke in Nachbarländern. Daran habe auch die Krise nichts ändern können. Gleichwohl setze bei den Gewerkschaften ein Umdenken ein. Dies sei eine erzwungene Konsequenz, denn bei allen Herstellern stünden heimische Werke zur Disposition.

Die Kostenseite allein sei nicht das Problem, hinzu komme noch eine sich zur Belastung entwickelnde Absatzpolitik. Dennoch würden sich zwischen den Herstellern signifikante Unterschiede zeigen. So habe sich Renault dank seiner Partnerschaft mit Nissan schon länger auf den Ausbau des außereuropäischen Geschäftes fokussiert. Hingegen verkaufe Peugeot/Citroën (PSA) noch rund 58% seiner Fahrzeuge in Europa. PSA leide daher deutlich stärker unter den schwachen Absätzen in den südeuropäischen Ländern. Während Renault trotz stagnierender Absatzzahlen 2011 noch einen Gewinn von 2,1 Mrd. EUR erzielt habe, liege der Verdienst bei PSA nur bei 588 Mio. EUR trotz eines um ein Drittel höheren Umsatzes.

Gemein hätten die beiden Unternehmen hingegen den Willen zum Schuldenabbau. Renault sei dies mit einem Abbau auf 300 Mio. EUR bereits im vergangenen Jahr gelungen. PSA habe angekündigte, durch Verkäufe von Tochterfirmen die Verbindlichkeiten um bis zu 1,5 Mrd. EUR auf unter 2 Mrd. EUR senken zu wollen. Die Entschuldungsbemühungen würden vom Kapitalmarkt gut aufgenommen. Die französischen Automobilkonzerne würden wohl kaum alleine gelassen. Wenngleich sie selbst an ihren Problemen arbeiten müssten, bei Schieflagen sei aber mit Unterstützung aus Paris und/oder Brüssel zu rechnen. Das sei ein Umfeld, das vor allem Anleihen-Investoren gefalle. Zumal sich hier einige attraktive Anlagemöglichkeiten bieten würden.

Peugeot und Renault böten derzeit Anleihen mit Renditen oberhalb von 4%, bei denen aufgrund der kurzen bis mittleren Laufzeiten das Tilgungsrisiko vergleichsweise überschaubar sei. Bei der Unternehmensanleihe von Renault liege der Kupon bei 5,625% und der Kurs bei 104,32%. Damit betrage die Rendite des zu 1.000 EUR gestückelten und am 22.03.2017 zur Rückzahlung fälligen Papiers 4,59%. Das Rating sei bei "BB+" angesiedelt.

Bei der Unternehmensanleihe von Peugeot liege der Kupon ebenfalls bei 5,625%, aber der Kurs bei 100,01%. Damit betrage die Rendite des zu 1.000 EUR gestückelten und am 11.07.2017 zur Rückzahlung fälligen Papiers 5,62%. Das Rating liege hier ebenso bei "BB+".

Schließlich sei die Unternehmensanleihe (ISIN FR0010014845 / WKN 905497) von Gie PSA Tresorie (PSA-Finanzierungstochter) mit einem Kupon von 6% ausgestattet und notiere bei 78,65%. Für den Langläufer ergebe sich bei Fälligkeit per 19.09.2033 eine Rendite von 8,13%. Das zu 1.000 EUR gestückelte Papier werde mit einem Rating von "BB+" bewertet.

Nach Einschätzung der Experten von "Fuchsbriefe" offerieren französische Auto-Bonds hohe Renditen bei überschaubaren Risiken und sie empfehlen sicherheitsorientierten Anlegern die Anleihe von Renault. Wer die spekulativere Variante suche, könne auf das Papier der Finanzierungstochter von PSA zurückgreifen. (Ausgabe 22 vom 31.05.2012) (01.06.2012/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.