Erweiterte Funktionen

USA: Das Protokoll der FOMC-Sitzung wird nächste Woche im Fokus stehen


06.04.23 14:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Lage im Bankensektor hat sich zwar beruhigt, aber dennoch hält der Renditeabwärtsdruck an den Märkten, sowohl in den USA als auch in Europa, weiter an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Schwächer als erwartete Konjunkturdaten seien als dovishes Signal für die Zentralbanken interpretiert worden. Die ISM-Indices seien sowohl für das Verarbeitende Gewerbe (46,3 gegenüber 47,5 erwartet) als auch für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe (51,2 gegenüber 54,5 erwartet) unter den Werten des Vormonats und unter den Konsenserwartungen veröffentlicht worden. Die Auftragseingänge hätten sich in beiden Segmenten abgekühlt, was auf eine Abschwächung der Gesamtnachfrage hindeute.

Andere Daten hätten darauf hingedeutet, dass sich die Nachfrage auch auf dem Arbeitsmarkt abkühlen könnte. Offene Stellen seien im Februar zurückgegangen. Trotz einer gewissen Erleichterung liege die Quote der offenen Stellen im Verhältnis zu den Arbeitslosen mit 1,7 weiterhin deutlich über 1, was auf einen nach wie vor sehr angespannten US-Arbeitsmarkt hindeute. Dies sei jedoch ein erster Schritt in die richtige Richtung auf dem Weg zu einer "Sanften Landung", die von der FED angestrebt werde.

Was die FED betreffe, so werde nächste Woche das Protokoll der FOMC-Sitzung von Mitte März im Fokus stehen. Zu dieser Zeit hätten die Turbulenzen im Bankensektor die Nachrichtenlage beherrscht. Daher werde es interessant sein zu sehen, wie die FED die Situation bewertet habe und welche Auswirkungen die Ratsmitglieder auf den Pfad der weiteren geldpolitischen Straffung sähen. Zur Erinnerung: In der Pressemeldung sei die Forward Guidance zum Zinspfad deutlich abgeschwächt worden. Seitdem seien die Zinsmärkte gespalten zwischen einer letzten Zinserhöhung im Mai oder gar keiner.

In Anbetracht der jüngsten Stimmen aus dem Offenmarktausschuss würden die dovishen Marktsignale eher von den Wirtschaftsdaten als von den FOMC-Mitgliedern stammen. Letztere würden betonen, dass noch mehr getan werden müsse, um die Dienstleistungsinflation zu senken. Dies stehe im Einklang mit der Prognose der Analysten der RBI, die eine letzte Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Mai und konstante Leitzinsen bis zum Jahresende vorsehe, bevor die Leitzinsen wieder normalisiert würden. Der Markt interpretiere die Lage deutlich dovisher, aber wie die letzten Monate und Quartale lehren würden, könne sich die Preisbildung am Markt recht schnell ändern.

Der nächste große Test werde die Veröffentlichung des US-Verbraucherpreisindex für März in der kommenden Woche sein. Im Februar seien die Gesamtinflation (von 6,4% auf 6,0% p.a.) und die Kerninflation (von 5,6% auf 5,5% p.a.) zurückgegangen, was im Großen und Ganzen den Erwartungen entsprochen habe. Der zugrunde liegende Inflationsdruck (Kerninflation p.m.) habe sich jedoch kaum verändert. In den letzten Monaten habe die monatliche Veränderung der Kernpreise durchschnittlich 0,4% betragen. Sollte sich dies im März fortsetzen, was erwartet werde, werde die Persistenz der Kerninflation wieder in den Vordergrund rücken, verstärkt dadurch, dass die Kerninflationsrate im Jahresvergleich sogar steigen könnte. Ein niedrigerer Wert für die Gesamtrate sollte die Spannungen etwas verringern. Die Kraftstoffpreise seien im März deutlich gesunken (-17% p.m.), was in Verbindung mit einem starken Basiseffekt die Gesamtinflation deutlich näher an die 5%-Marke heranbringen dürfte. Zumindest die Entlastung durch die Kraftstoffpreise dürfte sich im April aber umkehren, da der Ölpreis nach der OPEC+ Ankündigung umfangreicher Förderkürzungen deutlich angestiegen sei.

Trotz des starken Preisanstiegs an den globalen Ölmärkten am Montag seien Inflationsrisikoprämien an den Zinsmärkten dem nicht nachgefolgt. Die gepreisten Inflationserwartungen seien im Laufe der Woche gesunken und nicht gestiegen und die realen Renditen stünden weiterhin unter Abwärtsdruck. Nicht nur die FED, sondern auch die EZB habe es also wieder einmal schwer, die Märkte davon zu überzeugen, dass die anhaltende Inflation ein Problem bleibe und eine straffe Geldpolitik noch länger notwendig sein werde. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Mai werde vom Markt immer noch in vollem Umfang gepreist, aber die Erwartungen für die Terminal Rate seien wieder unter 3,5% gesunken. Und das, obwohl EZB-Mitglied Lane erst kürzlich daran erinnert habe, dass dieses Jahr von einer großen Debatte über die Dienstleistungsinflation geprägt sein werde. Dennoch werde auch für die EZB die Kommunikation ausgewogener.

So habe Frankreichs oberster Notenbanker François Villeroy de Galhau die zeitliche Verzögerung der Geldpolitik betont - die Auswirkungen würden also erst noch kommen - und des Weiteren argumentiert, dass sich die EZB bereits in der Nähe ihres finalen Leitzinsniveaus befinden würde ("a little way to go"). Dies klinge zugegebenermaßen dovisher als Lagardes einleitende Erklärung zur letzten Pressekonferenz, in der sie erklärt habe, dass die EZB "noch viel zu tun" habe, wenn die Unsicherheit abnehme - was der Fall gewesen sei. Selbst unter dem Umstand, dass die Finanzmarktstabilität bei den Überlegungen der Zentralbanken an Bedeutung gewinnen werde, würden die Analysten der RBI die aktuellen Marktquotierungen nach wie vor als eine sehr dovishe Interpretation des Kurses der EZB bewerten. (06.04.2023/alc/a/a)