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USA: Jobs besser als erwartet - Zinssenkung im Dezember wackelt


24.11.25 08:56
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices (PMI) fielen in der Eurozone gemischt aus, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Stimmung habe sich insgesamt kaum verändert, die Umfrage (52,4 Punkte) deute auf verhaltenes Wachstum der Wirtschaft hin (Werte über 50 würden eine Zunahme der Aktivität signalisieren). Dabei bleibe laut PMI die treibende Kraft der Dienstleistungssektor (53,1). Die Industrie (49,7) habe ihr Tief zwar hinter sich, setze aber vorerst keine positiven Impulse. Positiv zu erwähnen sei der Dienstleistungsbereich in Frankreich, welcher nach der (vorübergehenden?) Entspannung der Regierungskrise einen Rebound verbucht habe (von 48,4 auf 50,8). Die Erhebungen in Deutschland seien mit Rückgängen etwas enttäuschend gewesen, der Gesamtindex (52,1) liege aber noch immer nahe dem Euroschnitt und somit im positiven Terrain.

Die Ergebnisse der PMIs würden die Analysten der RBI in die Schätzung zu den anstehenden Sentimentindikatoren der EU-Kommission einfließen lassen: Sie würden mit einem Rückgang in der Industrie und einer kleinen Verbesserung bei den Dienstleistungen rechnen. Da sich laut Schnellschätzung das Konsumentenvertrauen nicht verbessert habe, würden die Analysten der RBI den Gesamtindikator (Wirtschaftsvertrauen) weitgehend unverändert erwarten. Neben Konjunkturumfragen seien am Ende der laufenden Woche die ersten Ergebnisse einzelner Länder zur Inflationsentwicklung im Monat November von Interesse. Aktuell sei die Haltung von EZB und Marktteilnehmern - die Inflation habe sich im Euroraum um das Inflationsziel eingependelt und die Leitzinsen würden für eine lange Zeit unverändert bleiben.

Lange erwartet, aber nicht entscheidend - so lasse sich der US-Arbeitsmarktbericht für September am besten beschreiben, der wegen des Regierungs-Shutdowns mit deutlicher Verspätung veröffentlicht worden sei. Das Beschäftigungswachstum (ex Agrar) habe im September mit 119.000 über den Erwartungen gelegen, während die Zahlen für August nach unten korrigiert worden seien (leichter Rückgang der Beschäftigung im August). Obwohl mehr Jobs als erwartet geschaffen worden seien, sei die Arbeitslosenquote auf 4,4% gestiegen, während eigentlich ein konstanter Wert von 4,3% erwartet worden sei. Das starke Wachstum der Erwerbsbevölkerung erkläre diese Dynamik.

Die Analysten der RBI sähen den US-Arbeitsmarktbericht als Bestätigung für ein schwaches, aber nicht katastrophales Bild am US-Arbeitsmarkt. Ihrer Meinung nach bleibe das Risiko in Bezug auf die Arbeitslosenquote weiterhin nach oben gerichtet. Im Laufe der Zeit würden weitere Nachrichten zur Lage der US-Konjunktur eintreffen, doch einige Datenveröffentlichungen seien erneut verschoben worden, wie beispielsweise die für nächste Woche geplanten Veröffentlichungen des BIPs für das dritte Quartal und der PCE-Inflation für September. Und einige Daten würden gar nicht kommen, wie beispielsweise die Arbeitslosenquote für Oktober. Dies werfe die Frage auf, wie viel mehr Informationen die Fed tatsächlich haben werde, wenn sie Mitte Dezember über das Zinsniveau entscheide.

Apropos Fed: Letzte Woche sei das Protokoll der FOMC-Sitzung von Ende Oktober veröffentlicht worden. Es sehe so aus, als würden die unterschiedlichen Meinungen zur Inflation und zum Arbeitsmarkt die Konsensfindung deutlich erschweren "Bei der Diskussion über den kurzfristigen Kurs der Geldpolitik äußerten die Teilnehmer stark unterschiedliche Ansichten darüber, welche politische Entscheidung bei der Sitzung des Ausschusses im Dezember am wahrscheinlichsten angemessen wäre."

An den Märkten habe es schon vor der Veröffentlichung des Protokolls einige Zweifel an einer Zinssenkung im Dezember gegeben. Momentan werde eine Pause als das wahrscheinlichere Szenario angesehen und mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln gepreist. Da nur wenige Datenveröffentlichungen bevorstünden, liege es nicht auf der Hand, was die aktuelle Marktmeinung verändern könne. Und da das FOMC keinen starken Konsens für eine Senkung sehe, mache die Marktpositionierung eine Pause nochmals wahrscheinlicher. Dies passe auch zu den Prognosen der Analysten der RBI. Es solle jedoch nicht davon ablenken, dass der Zinssenkungszyklus im Jahr 2026 fortgesetzt werden dürfe. Es gehe also eher darum, wann und nicht ob die US-Leitzinsen gesenkt würden.

Auf den Zinsmärkten sei die Einschätzung der Fed derzeit jedoch ohnehin nicht der wichtigste Markttreiber. Die Risikoaversion an den Aktienmärkten halte weiter an, was die Eigenschaften von US-Anleihen als sichere Häfen wieder in den Vordergrund rücke. Die Kombination aus niedrigeren Renditen für US-Staatsanleihen und einem stärkeren US-Dollar spreche eher für Zuflüsse in sichere Anlagen als für Veränderungen der Fed-Meinung. Daher könne auch die weitere Entwicklung risikoreicher Assets darüber entscheiden, auf welchem Niveau die Benchmark-Renditen und der EUR/USD-Kurs zum Jahresende liegen werden. (Ausgabe vom 21.11.2025) (24.11.2025/alc/a/a)