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USA: Erste Zinssenkung im September?


14.06.24 15:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Zinsmärkte standen diese Woche ganz im Zeichen der Zentralbanken und der Politik, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Zinssitzung der Federal Reserve habe eindeutig zu den Höhepunkten gehört.

Am selben Tag, nämlich am Mittwoch, sei die US-Verbraucherpreisinflation für den Monat Mai veröffentlicht worden, was sich auf die Diskussion innerhalb und über die FED ausgewirkt habe. Im Mai sei der Inflationsdruck weniger stark gewesen als erwartet. Die Gesamtinflation sei auf 3,3% p.a. (zuvor 3,4%) und die Kerninflation auf 3,4% p.a. (zuvor 3,6%) gesunken.

An den Finanzmärkten sei eine gewisse Abschwächung erwartet worden, doch die Tatsache, dass die Verbraucherpreise im Mai unverändert geblieben seien (saisonbereinigt 0% p.m.) und die Kern-Preise (ohne Energie und Nahrungsmittel) nur um 0,2% p.m. gestiegen seien, sei eindeutig eine Erleichterung gewesen. Dies umso mehr, da die Preisdynamik bei den Dienstleistungspreisen nach den erhöhten Werten der Vormonate nachgelassen habe. US-Treasury-Renditen seien nach der Veröffentlichung deutlich zurückgegangen.

Auch wenn ein Teil der günstigeren Inflationsdynamik auf Energiepreise und ihre nahen Verwandten zurückgeführt werden könne, sei die Mai-Veröffentlichung eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung. Dies sei auch von Vertretern der FED festgestellt worden. Eine einzige Datenveröffentlichung mache jedoch noch keinen Trend aus und die höhere Inflationsdynamik im ersten Quartal trübe die Stimmung unter FED-Offiziellen nach wie vor.

Auf der FED-Sitzung sei beschlossen worden, die Leitzinsen unverändert zwischen 5,25% und 5,5% zu belassen. Dies sei allgemein erwartet worden. Die neuen Prognosen der FED hätten im Mittelpunkt des Interesses der Märkte gestanden, insbesondere die Meinungen zum weiteren Verlauf der Leitzinsen. Im März hätten die Mitglieder des Offenmarktausschusses noch mit drei Zinssenkungen von je 25 Basispunkte im Jahr 2024 gerechnet. In der Juni-Projektion habe sich der Median auf nur eine Senkung um 25 Basispunkte verschoben. Ein Blick auf die Verteilung der Stimmen zeige jedoch, dass diese recht gleichmäßig auf die Szenarien von zwei, einer und keiner Zinssenkung(en) verteilt seien.

Die FED werde weiterhin datengetrieben agieren und sollten auf die Inflationsdaten vom Mai in den kommenden Monaten ähnliche Werte folgen, würden die Analysten der RBI eine erste Zinssenkung im September für das wahrscheinlichste Szenario halten. Daher sähen die Analysten der RBI keinen Grund, ihre Prognosen zum Zinspfad der FED anzupassen.

Neben den Entwicklungen in den USA seien die Zinsmärkte im Euroraum auch stark von politischen Ereignissen beeinflusst worden. Die Tatsache, dass der französische Präsident Macron nach den enttäuschenden Ergebnissen bei den Wahlen zum Europäischen Parlament vorgezogene Neuwahlen ausgerufen habe, erwische die Märkte klar am falschen Fuß. Die Risikoprämien für Staatsanleihen seien in der Eurozone sprunghaft angestiegen, Zuflüsse in sichere Häfen begünstigten deutsche Bundesanleihen, auch Swap-Spreads hätten sich leicht ausgeweitet und der Euro habe sich abgeschwächt. Markt-Volatilität aufgrund politischer Ereignisse werde nach Meinung der Analysten der RBI auch für den Rest des Jahres ein wesentlicher Faktor bleiben.

Nächste Woche stehe die Sitzung der Schweizer Nationalbank (SNB) an und die Datenlage mache die Angelegenheit im Vorfeld wieder besonders spannend. Eine oder keine Zinssenkung seien gleichermaßen argumentierbar. Märkte würden derzeit wieder eine Zinssenkung von 1,5% auf 1,25% im Juni mit etwas höherer Wahrscheinlichkeit einpreisen, danach aber für 2024 eine Pause bei der SNB sehen. Für Unsicherheit sorge einerseits die steigende Inflation in der Schweiz, auch wenn sie von der SNB so prognostiziert worden sei und noch immer deutlich im Zielbereich liege. Andererseits würden die Verschiebung des FED-Zinssenkungszyklus nach hinten sowie die Unklarheit bezüglich des weiteren Vorgehens bei der EZB die Märkte aufhorchen lassen. Für eine weitere Zinssenkung würde sprechen, dass sich die Inflation im monetären Rahmen der SNB bewege und die letzte Zinsentscheidung auch auf Basis des realen Wechselkurses getroffen worden sei.

Eine Reduktion des Zinsdifferentials mit der EZB würde für EUR/CHF wieder einen Abwärtsdruck bedeuten, den man durch die neuen, etwas vorsichtigeren Erwartungen an den Märkten schon sehen könne; und das zusätzlich zu der politischen Unsicherheit in Europa und den USA aufgrund anstehender Wahlen. EUR/CHF notiere das erste Mal seit März unter 0,96. Ein stabiler realer Wechselkurs müsste somit teuer mit Devisengeschäften erkauft werden.

Die Analysten der RBI würden bei einem weiteren Zinsschritt im Juni um 25 Basispunkte bleiben, aber einräumen, dass das Risiko einer Pause gegeben sei. Ende des Jahres sähen die Analysten der RBI den Zinssatz bei 1%. In Summe würden die Analysten der RBI also noch von zwei weiteren Zinssenkungen bis Jahresende ausgehen. (14.06.2024/alc/a/a)