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USA: Dritte Zinssenkung in diesem Jahr


19.12.24 10:51
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Während sich der gestrige Handel in Europa auf einige ausgewählte Einzeltitel konzentrierte, zeigte sich der Markt im Aggregat eher zurückhaltend, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Im Vorfeld der Zinssitzung der US-Notenbank seien daher in Europa Einzeltitel in den Vordergrund gerückt, in Deutschland habe es gestern Neuigkeiten aus dem Banken- und Industriesektor gegeben, auf gesamteuropäischer Seite seien vor allem IT-Unternehmen gesucht gewesen. Die allgemeine Risikobereitschaft sei aber recht niedrig geblieben.

Im Vorfeld des letzten US-Zinsentscheids in diesem Jahr hätten sich die Leitindices in New York noch recht uneinheitlich gezeigt. Zwei Stunden vor Handelsschluss, bei der Pressekonferenz, bei der die FED ihre Entscheidung kommuniziert habe, seien die Karten jedoch neu gemischt worden und die Indices hätten allesamt ins Minus gedreht. Die dritte Zinssenkung in diesem Jahr sei erwartet worden und gekommen, der Einlagensatz liege nun um 25 Basispunkte niedriger bei 4,25% und 4,50%. Viel mehr Beachtung hätten jedoch die Aussagen zur künftigen Geldpolitik gefunden. Im Vorfeld sei die Frage im Raum gestanden, ob die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft die Notenbanker dazu veranlassen würde, bei künftigen geldpolitischen Lockerungen vorsichtiger zu agieren. Die FED habe dies bereits angedeutet, weshalb die Renditen am Anleihemarkt zuletzt gestiegen seien. In seiner Rede gestern Abend habe Jerome Powell tatsächlich eine Verlangsamung des Zinssenkungstempos im kommenden Jahr angedeutet. Die widerstandsfähige US-Wirtschaft und der starke Arbeitsmarkt würden der Notenbank somit den nötigen Spielraum geben, noch länger an ihrer Hochzinspolitik festzuhalten. Zudem sei die Inflationsrate zuletzt wieder leicht gestiegen. Konkret bedeute dies, dass die Aussichten für weitere Zinssenkungen im Jahr 2025 von 100 auf 50 Basispunkte reduziert worden seien. Dass die FED nun bei weiteren Zinssenkungen etwas auf die Bremse trete, dürfte auch an den Wirtschaftsplänen Trumps liegen. So habe dieser die Einführung weitreichender Zölle angekündigt. Nach Einschätzung von Ökonomen könnte dies zu einer höheren Inflation führen. Die Aussagen der FED hätten die Kurse an den US-Börsen zum Ende hin deutlich ins Minus gedreht, während der Dollar und die Renditen von US-Staatsanleihen gestiegen seien. Besonders bitter sei der gestrige Handelstag für den Dow Jones Industrials gewesen: Mit dem zehnten Verlusttag in Folge habe man die Gewinne, die man seit dem Wahlsieg von Donald Trump Anfang November angehäuft habe, fast vollständig wieder abgegeben.

Die Ölpreise hätten sich nach den Verlusten seit Wochenbeginn stabilisieren können, ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar habe sich am Mittwoch um 2% auf USD 74 verteuert. Zuletzt seien die Lagerbestände in der vergangenen Woche erneut deutlich gesunken, was eigentlich auf eine Verknappung des Rohölangebots hindeute. Der Goldpreis sei gestern weitgehend unverändert geblieben und notiere aktuell bei rund USD 2.610 je Feinunze, während der Bitcoin nach seinem Allzeithoch am Dienstag wieder deutlich zurückgefallen sei und aktuell bei USD 101.100 notiere.

Die asiatischen Börsen würden sich heute Morgen überwiegend im negativen Bereich zeigen. Die Spanne reiche dabei aktuell von einem leichten Plus beim CSI bis hin zu deutlichen Verlusten beim südkoreanischen KOSPI. Mit Blick auf den Datenkalender würden die USA heute der Taktgeber bleiben. (19.12.2024/alc/a/a)