Türkei: Leichte Wachstumsabschwächung und Inflationsanstieg erwartet


19.02.24 10:07
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für die Türkei eine Wachstumsabschwächung von 4% für 2023 auf 3,25 für dieses Jahr voraus, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

Zugleich solle laut IWF das Leistungsbilanzdefizit auf 3% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zurückgehen und die Inflation zum Jahresende 2024 von derzeit 69% auf 46% fallen. Die türkische Notenbank selbst prognostiziere einen Wert von 36% für Ende 2024. Aktuell aber zeige der Inflationstrend nicht nach unten, sondern weiter nach oben, trotz kräftiger Zinsanhebungen in den letzten Monaten.

Nach knapp 65% im Dezember habe die Teuerung im Januar auf rund 69% p. a. angezogen. Dieser neuerliche Anstieg komme allerdings nicht unerwartet. Die türkische Notenbank selbst habe weiter steigende Inflationsraten noch bis in den Mai hinein prognostiziert und habe im Januar die Zinsen erwartungsgemäß von 42,5% auf 45% angehoben. Dies sei vermutlich die letzte Zinsanhebung in diesem Zinszyklus.

Anfang Februar habe es einen überraschenden Führungswechsel bei der Notenbank gegeben. Die erst acht Monate im Amt befindliche Gaye Erkan sei nach Vorwürfen wegen Vetternwirtschaft zurückgetreten. Sie habe von einer Rufmordkampagne gesprochen, ihr bisheriger Stellvertreter Karahan habe den Vorsitz übernommen. Einen Politikwechsel dürfte das nicht mit sich bringen und die Märkte hätten kaum auf die Ereignisse reagiert.

Wirtschaftsminister Simsek habe unterdessen angekündigt, die Devisenreserven der Türkei aufzustocken. Wie genau dies erfolgen solle, bleibe jedoch abzuwarten. Die Türkei sei bekanntlich chronisch auf ausländische Kapitalzuflüsse angewiesen. Natürlich könne sie sich beispielsweise US-Dollar an den internationalen Finanzmärkten per Anleiheemissionen ausleihen. Das gehe angesichts der schlechten Bonität der Türkei aber nur bis zu einem gewissen Volumen und zu relativ hohen Zinsen. Im November 2023 habe die Türkei erstmalig seit April 2023 wieder US-Dollar-Anleihen begeben (im Umfang von 2,5 Milliarden US-Dollar).

Der Aktienmarkt in Istanbul habe einen fulminanten Start ins neue Jahr hingelegt. Um über 11% sei der Aktienindex gestiegen. Da die Währung im Januar relativ stabil geblieben sei, habe der Wertzuwachs auch in US-Dollar gerechnet nur wenig darunter gelegen. (Ausgabe vom 13.02.2024) (19.02.2024/alc/a/a)