Erweiterte Funktionen
Starkes Comeback der Emerging-Markets-Anleihen
04.04.16 11:12
Berenberg Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Auch wenn Emerging-Markets-Anleihen bereits ein fantastisches erstes Quartal hinter sich haben, gibt es noch Luft nach oben, so Robert Reichle, Manager des Berenberg Emerging Markets Bond Selection (ISIN DE000A1C2XK8/ WKN A1C2XK) bei Berenberg.
Entscheidend für die Asset-Klasse seien zurzeit weniger länderspezifische Aspekte, sondern vor allem exogene Faktoren wie Rohstoffpreise, US-Zinsen und die Entwicklung in China. Renditen von knapp sechs Prozent plus Potenzial für Kurszuwächse würden Emerging-Markets-Anleihen zu einem attraktiven langfristigen Portfoliobaustein machen - nicht nur in Niedrigzinszeiten.
Nach einem eher durchwachsenen Jahr 2015 hätten Schwellenländeranleihen ein sehr gutes erstes Quartal abgeliefert. Der auf Hartwährungsanleihen fokussierte Berenberg Emerging Markets Bond Selection habe in den ersten drei Monaten ein Plus von über 5,3 Prozent erzielt. Getrieben worden sei die Asset-Klasse vor allem durch technische Faktoren. "Ende vergangenen Jahres gab es sehr viel schlechte Presse für die Emerging Markets. Das ist oft ein Zeichen, dass das Tal der Tränen durchschritten ist, und ein genauerer Blick wieder lohnt", so Berenberg-Fondsmanager Robert Reichle. Im ersten Quartal hätten diese schlechten Nachrichten gefehlt. Das habe schon gereicht. Zurzeit gelte: Keine Nachrichten seien gute Nachrichten.
Hinzu sei Unterstützung auf fundamentaler Ebene gekommen. Vor allem die sich erholenden Rohstoffpreise hätten zu dem Kursaufschwung beigetragen. Dem ersten Zinsschritt in den USA im Dezember hingegen spreche Reichle nur eine symbolische Wirkung zu. Für den Rest des Jahres erwarte er eine sehr verhaltene US-Zinspolitik. Er halte die Angst vor Zinsrisiken im Markt für eher niedrig und sehe andere Themen im Vordergrund. "Investoren schauen stärker auf die Rohstoffpreise, die Entwicklung in China und auch auf die Kapitalflüsse", erkläre Reichle. Auffällig sei, dass länderspezifische Faktoren in den Hintergrund getreten seien und die marktbeherrschenden Themen für die Asset-Klasse exogene Einflussfaktoren seien.
Vor allem China spiele eine wichtige Rolle. "Das Land erscheint wie eine große Blackbox. Man kann nicht hinein sehen, aber man kommt als Anleger auch nicht drumherum, sich mit dem Land zu beschäftigen", so Reichle. Die Datenlage in China sei intransparent. Gleichzeitig habe das Land einen großen Einfluss auf die globale Realwirtschaft und darüber hinaus eine starke Symbolwirkung als Vorreiter der aufstrebenden Länder. Zudem habe es Einfluss auf die anderen Faktoren, die die Anleihemärkte in den Schwellenländern zurzeit bestimmen würden. Das gelte für die Rohstoffpreise und durch seinen großen Bestand an US-Staatsanleihen auch für die Zinsentwicklung in den USA. Ebenfalls würden sich starke Kapitalabflüsse aus China tendenziell negativ auf die Kapitalflüsse der Emerging Markets auswirken.
Für den Anlageerfolg in den nächsten drei bis sechs Monaten halte es Reichle für wichtiger, negativ behaftete Länder zu meiden, als Staaten mit positiven Nachrichten extrem überzugewichten. Sein Motto: "Die faulen Eier meiden und über die restlichen Länder gut diversifizieren." Dennoch gelte es die Entwicklungen in den einzelnen Ländern im Auge zu behalten, da dort immer wieder Risiken lauern würden - auch in Brasilien, einem Schwergewicht im Schwellenländeranleihemarkt. Aus fundamentaler Sicht dürften hier viele Indikatoren die Talsohle erreicht haben, und langsam seien positive Basiseffekte zu erkennen. "Auf politischer Ebene brennt das Land aber umso mehr, und es kann schnell eine Situation entstehen, die sich nicht nur negativ auf Brasilien, sondern auf die gesamte Region auswirkt", gebe Reichle zu bedenken.
Zu Reichles Favoriten würden Indonesien, Mexiko und die Dominikanische Republik zählen. Indonesien sei dabei, sein Wachstum nach oben zu korrigieren. Dazu würden der steigende private Konsum, aber auch wachsende Infrastrukturausgaben beitragen. Durch den deutlichen Ölpreisrückgang hätten die Subventionen auf den Benzinpreis reduziert werden können. Die Ersparnisse könne der Staat in nötige Infrastrukturprojekte stecken. In Mexiko würden sich die Reformbemühungen ebenfalls in guten Wachstumszahlen niederschlagen. Zudem sei die Nähe zu den USA als Handelspartner von Vorteil. In der Dominikanischen Republik komme der Hauptteil der Einnahmen aus dem Tourismus. Der Karibik-Staat exportiere aber auch zunehmend Agrarprodukte. "Die Wirtschaft wächst, die Verschuldung ist überschaubar, und der Anleihemarkt wird zunehmend liquider", fasse Reichle zusammen.
Die durchschnittliche Rendite für Schwellenländer-Staatsanleihen in Hartwährung liege zurzeit bei knapp sechs Prozent, der Aufschlag (Spread) gegenüber dem risikolosen Zins betrage um die 400 Basispunkte. In den vergangenen Wochen hätten sich die Spreads bereits eingeengt und die Renditen seien gesunken. "Diese Entwicklung wird sich so zwar nicht das ganze Jahr fortsetzen. Wir bewegen uns in Wellen. Aber es gibt durchaus noch Potenzial für steigende Kurse", meine Reichle.
So gehe er davon aus, dass viele Investoren mit Blick auf das gute erste Quartal ihre Position in Schwellenländeranleihen auf neutral hochsetzen oder sogar übergewichten würden. Auch die Kapitalzuflüsse in Emerging-Markets-Anleihen, die sich seit Mitte Februar deutlich erholt hätten, könnten weiteres Geld anlocken - nicht zuletzt aufgrund mangelnder Alternativen im Euro-Raum. Die Ausweitung des Anleiheankaufprogramms der Europäischen Zentralbank auf Unternehmensanleihen dürfte angesichts weiter fallender Renditen den Anlagedruck zusätzlich erhöhen.
Langfristige Anleger würden sich daher in den Emerging Markets umschauen müssen, sei Reichle überzeugt und warne zugleich vor kurzfristigen Spekulationen und der Tatsache, dass den großen Chancen, die Schwellenländeranleihen böten, auch höhere Zins- und Ausfallrisiken gegenüber stünden. "Viele Investoren, insbesondere Erstanleger, legen ein viel zu starkes Augenmerk auf das Timing. Schwellenländeranleihen sollten aber als langfristige, strategische Anlage betrachtet werden. Die Frage nach dem Einstiegszeitpunkt spielt demzufolge eine untergeordnete Rolle", so Reichle. (04.04.2016/alc/a/a)
Entscheidend für die Asset-Klasse seien zurzeit weniger länderspezifische Aspekte, sondern vor allem exogene Faktoren wie Rohstoffpreise, US-Zinsen und die Entwicklung in China. Renditen von knapp sechs Prozent plus Potenzial für Kurszuwächse würden Emerging-Markets-Anleihen zu einem attraktiven langfristigen Portfoliobaustein machen - nicht nur in Niedrigzinszeiten.
Nach einem eher durchwachsenen Jahr 2015 hätten Schwellenländeranleihen ein sehr gutes erstes Quartal abgeliefert. Der auf Hartwährungsanleihen fokussierte Berenberg Emerging Markets Bond Selection habe in den ersten drei Monaten ein Plus von über 5,3 Prozent erzielt. Getrieben worden sei die Asset-Klasse vor allem durch technische Faktoren. "Ende vergangenen Jahres gab es sehr viel schlechte Presse für die Emerging Markets. Das ist oft ein Zeichen, dass das Tal der Tränen durchschritten ist, und ein genauerer Blick wieder lohnt", so Berenberg-Fondsmanager Robert Reichle. Im ersten Quartal hätten diese schlechten Nachrichten gefehlt. Das habe schon gereicht. Zurzeit gelte: Keine Nachrichten seien gute Nachrichten.
Hinzu sei Unterstützung auf fundamentaler Ebene gekommen. Vor allem die sich erholenden Rohstoffpreise hätten zu dem Kursaufschwung beigetragen. Dem ersten Zinsschritt in den USA im Dezember hingegen spreche Reichle nur eine symbolische Wirkung zu. Für den Rest des Jahres erwarte er eine sehr verhaltene US-Zinspolitik. Er halte die Angst vor Zinsrisiken im Markt für eher niedrig und sehe andere Themen im Vordergrund. "Investoren schauen stärker auf die Rohstoffpreise, die Entwicklung in China und auch auf die Kapitalflüsse", erkläre Reichle. Auffällig sei, dass länderspezifische Faktoren in den Hintergrund getreten seien und die marktbeherrschenden Themen für die Asset-Klasse exogene Einflussfaktoren seien.
Für den Anlageerfolg in den nächsten drei bis sechs Monaten halte es Reichle für wichtiger, negativ behaftete Länder zu meiden, als Staaten mit positiven Nachrichten extrem überzugewichten. Sein Motto: "Die faulen Eier meiden und über die restlichen Länder gut diversifizieren." Dennoch gelte es die Entwicklungen in den einzelnen Ländern im Auge zu behalten, da dort immer wieder Risiken lauern würden - auch in Brasilien, einem Schwergewicht im Schwellenländeranleihemarkt. Aus fundamentaler Sicht dürften hier viele Indikatoren die Talsohle erreicht haben, und langsam seien positive Basiseffekte zu erkennen. "Auf politischer Ebene brennt das Land aber umso mehr, und es kann schnell eine Situation entstehen, die sich nicht nur negativ auf Brasilien, sondern auf die gesamte Region auswirkt", gebe Reichle zu bedenken.
Zu Reichles Favoriten würden Indonesien, Mexiko und die Dominikanische Republik zählen. Indonesien sei dabei, sein Wachstum nach oben zu korrigieren. Dazu würden der steigende private Konsum, aber auch wachsende Infrastrukturausgaben beitragen. Durch den deutlichen Ölpreisrückgang hätten die Subventionen auf den Benzinpreis reduziert werden können. Die Ersparnisse könne der Staat in nötige Infrastrukturprojekte stecken. In Mexiko würden sich die Reformbemühungen ebenfalls in guten Wachstumszahlen niederschlagen. Zudem sei die Nähe zu den USA als Handelspartner von Vorteil. In der Dominikanischen Republik komme der Hauptteil der Einnahmen aus dem Tourismus. Der Karibik-Staat exportiere aber auch zunehmend Agrarprodukte. "Die Wirtschaft wächst, die Verschuldung ist überschaubar, und der Anleihemarkt wird zunehmend liquider", fasse Reichle zusammen.
Die durchschnittliche Rendite für Schwellenländer-Staatsanleihen in Hartwährung liege zurzeit bei knapp sechs Prozent, der Aufschlag (Spread) gegenüber dem risikolosen Zins betrage um die 400 Basispunkte. In den vergangenen Wochen hätten sich die Spreads bereits eingeengt und die Renditen seien gesunken. "Diese Entwicklung wird sich so zwar nicht das ganze Jahr fortsetzen. Wir bewegen uns in Wellen. Aber es gibt durchaus noch Potenzial für steigende Kurse", meine Reichle.
So gehe er davon aus, dass viele Investoren mit Blick auf das gute erste Quartal ihre Position in Schwellenländeranleihen auf neutral hochsetzen oder sogar übergewichten würden. Auch die Kapitalzuflüsse in Emerging-Markets-Anleihen, die sich seit Mitte Februar deutlich erholt hätten, könnten weiteres Geld anlocken - nicht zuletzt aufgrund mangelnder Alternativen im Euro-Raum. Die Ausweitung des Anleiheankaufprogramms der Europäischen Zentralbank auf Unternehmensanleihen dürfte angesichts weiter fallender Renditen den Anlagedruck zusätzlich erhöhen.
Langfristige Anleger würden sich daher in den Emerging Markets umschauen müssen, sei Reichle überzeugt und warne zugleich vor kurzfristigen Spekulationen und der Tatsache, dass den großen Chancen, die Schwellenländeranleihen böten, auch höhere Zins- und Ausfallrisiken gegenüber stünden. "Viele Investoren, insbesondere Erstanleger, legen ein viel zu starkes Augenmerk auf das Timing. Schwellenländeranleihen sollten aber als langfristige, strategische Anlage betrachtet werden. Die Frage nach dem Einstiegszeitpunkt spielt demzufolge eine untergeordnete Rolle", so Reichle. (04.04.2016/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 78,56 € | 78,56 € | - € | 0,00% | 30.03./16:48 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE000A1C2XK8 | A1C2XK | 79,54 € | - € | |


