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Staats- und Unternehmensanleihen im Paket
04.07.12 10:06
Smart Investor
Wolfratshausen (www.anleihencheck.de) - Durch die Bündelung mehrerer Kreditrisiken in einem Wertpapier lassen sich die Renditeerwartungen deutlich steigern, so die Experten vom "Smart Investor" in ihrer aktuellen Ausgabe.
Sie würden als Colibris, Crelinos, Synthias und Solveos bezeichnet, würden sich Emma oder Isolde nennen, und der eine oder andere Cobold sei auch unter ihnen. Von verschiedenen Emittenten kreiert, würden sich hinter diesen Kunstbegriffen sogenannte Credit Linked Notes verbergen. Dabei handle es sich um synthetische Anleihen, deren Rückzahlung an die Kreditwürdigkeit eines einzelnen oder mehrerer Schuldner gekoppelt sei. Als Basiswert kämen Industrieunternehmen und Banken, aber auch Länder wie Spanien, Kroatien, Russland und die Türkei in Frage. Laufe alles nach Plan, zahle der Emittent regelmäßig einen fixen oder variablen Kupon, der je nach Höhe der verbrieften Risiken bei Emission mehr oder weniger deutlich über dem sicheren Kapitalmarktzins liege.
Auch im Vergleich zu klassische Unternehmensanleihen falle die Verzinsung überdurchschnittlich hoch aus. Dies liege insbesondere daran, dass die Besitzer der Papiere neben dem Insolvenzrisiko des Referenzschuldners auch noch das Emittentenrisiko der ausgehenden Bank zu tragen hätten. So bringe es beispielsweise die von der HypoVereinsbank (UniCredit Bank AG) begebene Crelino-Anleihe auf Volkswagen mit Fälligkeit im Januar 2016 auf eine jährliche Rendite von 3,6%. Bei Corporate Bonds des Autobauers (ISIN XS0412443052 / WKN A0T6HT), die drei Wochen später fällig würden, müssen sich Anleger dagegen mit 1,7% per annum begnügen.
Nochmals deutlich höher - und hier liege der eigentliche Reiz der Produkte - würden die Renditen allerdings ausfallen, wenn sich die Credit Linked Notes nicht auf einen einzelnen Schuldner, sondern auf ein ganzes Bündel von Unternehmen oder Ländern bezögen. Beispielsweise werfe der Colibri Plus 49 (ISIN DE000CZ31AM8 / WKN CZ31AM) der Commerzbank, der an die Solvabilität von ThyssenKrupp, Porsche, der Metro sowie der Deutschen Lufthansa und der Deutschen Telekom gekoppelt sei, eine jährliche Rendite von 7,85% ab. Bei der Isolde 2 (ISIN DE000DZ6Z7D9 / WKN DZ6Z7D) der DZ BANK seien es sogar 8,86%, wenn alles gut gehe. Das heiße im konkreten Fall, dass es bis zur Fälligkeit im März 2015 weder bei österreichischen noch irischen oder spanischen Staatsanleihen zu einem Ausfall komme.
Trete während der Laufzeit nämlich auch nur bei einem einzigen Referenzwert ein sogenanntes Kreditereignis ein, werde die CLN sofort fällig. In diesem Fall zahle der Emittent jedoch nicht den Nominalwert zurück. Stattdessen tilge er den kompletten Anleihebetrag je nach Emissionsbedingungen und Marktgegebenheiten durch Lieferung von Schuldverschreibungen des ausgefallenen Schuldners oder er leistet einen entsprechenden Barausgleich in Höhe des aktuellen Anleihewertes. Auch wenn die Emittenten bei der Zusammenstellung ihrer Credit Linked Notes nur auf Unternehmen und Staaten zurückgreifen, bei denen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es während der Laufzeit der Bonitätsanleihen zu keinem Ausfall komme, sei dies natürlich keine Garantie für ein Aufgehen der Spekulation. So seien beispielsweise vom griechischen Schuldenschnitt auch vier Synthias der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und zwei Emmas der DZ BANK betroffen gewesen, mit entsprechenden Folgen für die Besitzer der Papiere, die letztendlich zu 21,5% des Nennwertes zurückgezahlt worden seien.
Käufer von Credit Linked Notes kämen deshalb nicht drum herum, sich vor dem Erwerb, aber auch während des Besitzes immer wieder ein eigenes Bild von der Kreditwürdigkeit der im Korb enthaltenen Referenzwerte zu machen. Investiert werden sollte dabei grundsätzlich nur in solche Papiere, bei denen der Anleger bedenkenlos auch Schuldverschreibungen jedes einzelnen der enthaltenen Emittenten erwerben würde - und zwar mit der gesamten lnvestitionssumme. Schließlich handle es sich bei Credit Linked Notes in aller Regel um "First-to-Default-Konstruktionen", bei denen der Besitzer im Falle eines Ausfalls so behandelt werde, als hätte er den gesamten Betrag dem insolventen Schuldner zur Verfügung gestellt. Auf den zweiten oder dritten Pleitefall komme es nicht mehr an. Eine Streuung über ein breites Spektrum an Kreditrisiken innerhalb einer CLN sei deshalb auch kontraproduktiv und sollte vielmehr über mehrere Notes mit dann wiederum möglichst gering korrelierten Ausfallwahrscheinlichkeiten erfolgen. Bei der Aufnahme von zwei Bonitätsanleihen ins Depot könnten dies beispielsweise ein Unternehmens- und ein Länderderivat sein.
Eine Ausnahme würden in diesem Zusammenhang die LiSAs der LBBW darstellen. Bei ihnen vermindere sich der Nennbetrag bei einem Kreditereignis jeweils nur entsprechend der Gewichtung des betroffenen Referenzunternehmens. Gleiches gelte für die noch ausstehenden Zinszahlungen. Falle etwa einer von zehn Schuldnern aus, reduziere sich der Nominalbetrag auf 90% und die zukünftige Verzinsung auf neun Zehntel des Ursprungswertes.
Dabei schlägt sich diese Konstruktion natürlich in einer deutlich reduzierten Rendite im Vergleich zu entsprechenden "First-to-Default-Produkten" nieder, so die Experten vom "Smart Investor". (Ausgabe 7) (04.07.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Sie würden als Colibris, Crelinos, Synthias und Solveos bezeichnet, würden sich Emma oder Isolde nennen, und der eine oder andere Cobold sei auch unter ihnen. Von verschiedenen Emittenten kreiert, würden sich hinter diesen Kunstbegriffen sogenannte Credit Linked Notes verbergen. Dabei handle es sich um synthetische Anleihen, deren Rückzahlung an die Kreditwürdigkeit eines einzelnen oder mehrerer Schuldner gekoppelt sei. Als Basiswert kämen Industrieunternehmen und Banken, aber auch Länder wie Spanien, Kroatien, Russland und die Türkei in Frage. Laufe alles nach Plan, zahle der Emittent regelmäßig einen fixen oder variablen Kupon, der je nach Höhe der verbrieften Risiken bei Emission mehr oder weniger deutlich über dem sicheren Kapitalmarktzins liege.
Auch im Vergleich zu klassische Unternehmensanleihen falle die Verzinsung überdurchschnittlich hoch aus. Dies liege insbesondere daran, dass die Besitzer der Papiere neben dem Insolvenzrisiko des Referenzschuldners auch noch das Emittentenrisiko der ausgehenden Bank zu tragen hätten. So bringe es beispielsweise die von der HypoVereinsbank (UniCredit Bank AG) begebene Crelino-Anleihe auf Volkswagen mit Fälligkeit im Januar 2016 auf eine jährliche Rendite von 3,6%. Bei Corporate Bonds des Autobauers (ISIN XS0412443052 / WKN A0T6HT), die drei Wochen später fällig würden, müssen sich Anleger dagegen mit 1,7% per annum begnügen.
Nochmals deutlich höher - und hier liege der eigentliche Reiz der Produkte - würden die Renditen allerdings ausfallen, wenn sich die Credit Linked Notes nicht auf einen einzelnen Schuldner, sondern auf ein ganzes Bündel von Unternehmen oder Ländern bezögen. Beispielsweise werfe der Colibri Plus 49 (ISIN DE000CZ31AM8 / WKN CZ31AM) der Commerzbank, der an die Solvabilität von ThyssenKrupp, Porsche, der Metro sowie der Deutschen Lufthansa und der Deutschen Telekom gekoppelt sei, eine jährliche Rendite von 7,85% ab. Bei der Isolde 2 (ISIN DE000DZ6Z7D9 / WKN DZ6Z7D) der DZ BANK seien es sogar 8,86%, wenn alles gut gehe. Das heiße im konkreten Fall, dass es bis zur Fälligkeit im März 2015 weder bei österreichischen noch irischen oder spanischen Staatsanleihen zu einem Ausfall komme.
Käufer von Credit Linked Notes kämen deshalb nicht drum herum, sich vor dem Erwerb, aber auch während des Besitzes immer wieder ein eigenes Bild von der Kreditwürdigkeit der im Korb enthaltenen Referenzwerte zu machen. Investiert werden sollte dabei grundsätzlich nur in solche Papiere, bei denen der Anleger bedenkenlos auch Schuldverschreibungen jedes einzelnen der enthaltenen Emittenten erwerben würde - und zwar mit der gesamten lnvestitionssumme. Schließlich handle es sich bei Credit Linked Notes in aller Regel um "First-to-Default-Konstruktionen", bei denen der Besitzer im Falle eines Ausfalls so behandelt werde, als hätte er den gesamten Betrag dem insolventen Schuldner zur Verfügung gestellt. Auf den zweiten oder dritten Pleitefall komme es nicht mehr an. Eine Streuung über ein breites Spektrum an Kreditrisiken innerhalb einer CLN sei deshalb auch kontraproduktiv und sollte vielmehr über mehrere Notes mit dann wiederum möglichst gering korrelierten Ausfallwahrscheinlichkeiten erfolgen. Bei der Aufnahme von zwei Bonitätsanleihen ins Depot könnten dies beispielsweise ein Unternehmens- und ein Länderderivat sein.
Eine Ausnahme würden in diesem Zusammenhang die LiSAs der LBBW darstellen. Bei ihnen vermindere sich der Nennbetrag bei einem Kreditereignis jeweils nur entsprechend der Gewichtung des betroffenen Referenzunternehmens. Gleiches gelte für die noch ausstehenden Zinszahlungen. Falle etwa einer von zehn Schuldnern aus, reduziere sich der Nominalbetrag auf 90% und die zukünftige Verzinsung auf neun Zehntel des Ursprungswertes.
Dabei schlägt sich diese Konstruktion natürlich in einer deutlich reduzierten Rendite im Vergleich zu entsprechenden "First-to-Default-Produkten" nieder, so die Experten vom "Smart Investor". (Ausgabe 7) (04.07.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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