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Rentenmärkte: Konsolidierung nach Anstieg der Renditen


20.01.25 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach dem Anstieg der Renditen seit Anfang Dezember kam es in dieser Woche zu einer gewissen Konsolidierung, so Markus Tschapeck und Franz Zobl, Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Die Renditen von US-Staatsanleihen seien um mehr als 10 Basispunkte zurückgegangen, die Renditen von deutschen Bundesanleihen seien in geringerem Maße gefolgt. Auslöser sei die leicht unter den Erwartungen veröffentlichte Kerninflation der Verbraucherpreise in den USA gewesen. Die Kerninflation sei im Jahresvergleich leicht auf 3,2% zurückgegangen, die Dynamik im Monatsvergleich habe im Dezember bei 0,23% gelegen. Die Gesamtinflation sei im Jahresvergleich auf 2,9% gestiegen, was auf die Dynamik der Energiepreise zurückzuführen sei. Bei den Kernpreisen hätten die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen sowie für Transportdienstleistungen die stärkste Preisdynamik verzeichnet.

Die Analysten würden in den Inflationszahlen vom Dezember keine grundlegende Veränderung des Basisszenarios sehen, aber es sei eine weitere Information, dass der Disinflationstrend intakt bleibe. Nach dem stärker als erwarteten Beschäftigungsbericht der letzten Woche und dem allgemeinen Risiko einer inflationären Trump-Politik hätten die Inflationszahlen für eine gewisse Entspannung an den Märkten gesorgt. Das FED-Pricing sei etwas weniger restriktiv geworden, aber nur geringfügig, und die Märkte seien sich immer noch sehr unsicher, was die FED im Jahr 2025 liefern werde.

Es bestehe eindeutig die Gefahr, dass die FED in diesem Jahr weniger als zwei Senkungen um 25 Basispunkte vornehmen werde (FOMC-Prognose vom Dezember). Da die gegenwärtigen Zahlen nicht auf eine Inflationsbeschleunigung hindeuten würden, liege der Fokus in erster Linie darauf, was Trump umsetzen werde. Daher sollte die Amtseinführung nächste Woche wohl noch kein Umfeld für sinkende Volatilität an den Anleihemärkten sein.

Der Euro-Zinsmarkt folge maßgeblich dem Vorbild aus den USA. Dies beeinflusse insbesondere Bunds mit längeren Laufzeiten, da der globale Zinsmarkt stärker korreliert sei und kürzere Laufzeiten stärker im Einfluss der EZB stünden. Stichwort EZB! Diese Woche sei das Sitzungsprotokoll der letzten Zinssitzung im Dezember veröffentlicht worden. Darin zeige sich, dass tatsächlich eine Zinssenkung um 50 BP besprochen worden sei, sich aber nicht als konsensfähig erwiesen habe. Aber sehr wohl habe man weitere graduelle Zinssenkungen in Aussicht gestellt, sollte sich die Inflation wie erwartet entwickeln. Die Datenveröffentlichungen seit der Dezember-Zinssitzung würden dies bislang unterstützen und eine Zinssenkung um 25 BP in zwei Wochen erscheine somit als so gut wie sicher. (Ausgabe vom 17.01.2025) (20.01.2025/alc/a/a)