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Renditerückgänge auf erhöhte Bewertungen risikoreicher Assets und weitere Fed-Zinssenkungen zurückzuführen


20.10.25 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Diese Woche wird der Veröffentlichung der PMI-Schnellschätzungen für Oktober in der Eurozone und in den USA besonderes Augenmerk zukommen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Der Industrie-PMI in der Eurozone habe im September erstmals in diesem Jahr einen Rückgang hinnehmen müssen und sei von 50,7 auf 49,8 Punkte gesunken. Damit liege der Index weiterhin nah an der 50-Punkte-Marke. Man prognostiziere, dass dies auch so bleiben solle, und veranschlage für Oktober 49,7 Punkte. Der Dienstleistungs-PMI habe im September mit einer gegensätzlichen Entwicklung aufwarten können, er sei von 50,5 auf 51,3 Punkte gestiegen. Man denke, dass der Indikator dieses Level im Oktober in etwa halten können sollte, und prognostiziere einen Wert von 51,4 Punkten. Beim ebenfalls erscheinenden Oktober-Konsumentenvertrauen für die Eurozone halte man eine leichte Eintrübung von -14,9 auf -15,3 Punkte für wahrscheinlich.

In den USA sei das Erscheinen der PMI-Schnellschätzung diesen Monat umso wichtiger, als dass der Shutdown des öffentlichen Sektors weiter andauere. Angesichts der vorherrschenden Datenflaute könnten die PMIs und ihre Subkomponenten wichtige Anhaltspunkte zur aktuellen Konjunkturdynamik enthalten. Zuletzt hätten die Stimmungsindikatoren jedenfalls noch auf soliden Niveaus gelegen, der Industrie-Index habe bei 52 Punkten notiert und der Index, die Dienstleistungen betreffend, bei 54,2 Punkten. Neben der Entwicklung dieser beiden Komponenten würden vor allem die Subkomponenten zur Beschäftigung und zu den Input- und Outputpreisen relevant sein. Trotz des Shutdowns solle in den USA aber auch ein weiteres Datenhighlight anstehen. So habe das Bureau of Labour Statistics verkündet, die VPI-Inflationszahlen für September nächste Woche publizieren zu wollen (das ursprüngliche Erscheinungsdatum sei in dieser Woche gewesen). Dies liege vor allem darin begründet, dass die Zahlen dringend zur Berechnung von Sozialversicherungszahlungen und Sozialhilfen benötigt würden. Allerdings seien die Zahlen zur Preisdynamik klarerweise auch für die Federal Reserve und die Finanzmärkte weiterhin von großem Interesse.

Die Risk-On-Stimmung auf den Finanzmärkten scheine vorerst gebrochen zu sein. Negative Schlagzeilen würden vermehrt dafür genutzt, Risikopositionen abzubauen und in konservative Anlagemöglichkeiten umzuschichten. Sichere Häfen wie Gold, aber auch Benchmark-Staatsanleihen hätten in den letzten Tagen zulegen können. Zuerst hätten geopolitische Spannungen zwischen den USA und China für Verunsicherungen gesorgt, und danach hätten regionale US-Banken Sorgenfalten erzeugt. Beides scheine nach aktueller Informationslage jedoch als zu wenig signifikant, um eine dauerhafte Trendumkehr am Finanzmarkt zu verursachen. Man führe die aktuellen Renditerückgänge eher auf die Kombination aus erhöhten Bewertungen risikoreicher Assets und weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank Fed zurück. Mit Blick auf die Fed erscheine eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf der Zinssitzung in zwei Wochen als konsensfähig, auch wenn es die verspätete Veröffentlichung der Verbraucherpreis-Inflation nächsten Freitag noch abzuwarten gelte. Die Wortmeldungen aus der Fed legten nahe, dass der Regierungs-Shutdown für die Oktober-Zinssitzung noch keine Rolle spiele, danach aber die mangelnde Datenlage die Unsicherheit zur Konjunkturlage erheblich erhöhe. (Ausgabe vom 17.10.2025) (20.10.2025/alc/a/a)