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Protokoll zur letzten EZB-Sitzung steht an


28.03.24 09:21
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der nächsten Woche stehen sowohl in der Eurozone als auch in den USA einige Indikatoren zur aktuellen wirtschaftlichen Lage auf dem Terminkalender, welche auch für EZB und FED wichtige Informationen enthalten könnten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

In der Eurozone werde die Inflationsschnellschätzung für März erscheinen. Die Analysten würden erwarten, dass sowohl Gesamt- als auch Kerninflation mit 2,6% p.a. bzw. 3,1% p.a. im Vergleich zum Februar unverändert bleiben würden. Unter der Oberfläche dürfte es hingegen etwas mehr Bewegung geben. Der Lebensmittelpreisschock von 2023 verflüchtige sich langsam aus der Inflationsbetrachtung, und die Lebensmittelinflation könnte dementsprechend auf unter 3% p.a. sinken. Auf der anderen Seite würden die Analysten im Jahresvergleich eine höhere Teuerungsrate bei Energiepreisen (Basiseffekt) erwarten, was den verringerten Beitrag der Lebensmittelinflation ausgleichen dürfte.

Bei der Kerninflation würden die Analysten eine leichte Beschleunigung der Güterinflation und eine Verlangsamung bei den Dienstleistungspreisen erwarten. Ein wichtiger Treiber der Güterpreise im März seien Bekleidung und Schuhe, da neue Kollektionen in die Geschäfte kommen würden. Die Inflation dürfte im Jahresvergleich sowohl bei der Gesamtinflation als auch bei der Kerninflation bis mindestens zum Sommer in etwa stabil bleiben, bevor in weitere Folge wieder Basiseffekte zum Tragen kommen sollten.

In den USA stehe einerseits die Anzahl der offenen Stellen im Februar und andererseits der Arbeitsmarktbericht für März auf der Agenda. Der Arbeitsmarkt in den USA habe auch in den ersten Monaten des Jahres 2024 weiterhin stellvertretend für die aktuelle Resilienz der US-Wirtschaft gestanden. So hätten etwa die Beschäftigungszahlen im Februar abermals über den Erwartungen gelegen und auch die Abwärtsrevisionen der initial sehr starken Januar-Werte sowie der Anstieg der Arbeitslosenrate von 3,7% auf 3,9% hätten das positive Gesamtbild nicht maßgeblich trüben können.

Auf der Kehrseite könne ein starker Arbeitsmarkt allerdings einen anhaltend hohen Lohndruck implizieren, weshalb die Federal Reserve aber auch die Finanzmärkte die veröffentlichten Daten sehr genau unter die Lupe nehmen würden. Mit den ISM-Daten für den März würden des Weiteren letzte Stimmungsindikatoren für den Abschluss des ersten Quartals erscheinen. Der ISM für das Verarbeitende Gewerbe habe zuletzt mit 47,8 Punkten auf einem Gebiet abnehmender Wirtschaftsaktivität gelegen. Konsensprognosen würden derzeit eine marginale Verbesserung auf 48 Punkte ansetzen. Die ISM-Kennzahl für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe habe im Februar hingegen mit 52,6 Punkten auf eine zunehmende Wirtschaftsaktivität hingewiesen. Dennoch werde auch hier nur wenig Spielraum nach oben vermutet - die aktuelle Konsensschätzung für März liege bei 52,7 Punkten.

An den Finanzmärkten hätten diese Woche Rückgänge bei den Benchmark-Renditen sowohl in den USA als auch im Euroraum beobachtet werden können. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen würden nahe 4,2% und die 10-jähriger deutscher Bundesanleihen nahe 2,3% notieren. Die Inversion der Renditekurven habe sich nicht wesentlich verändert - eher leicht verstärkt. EUR/USD sei gesunken, bleibe aber innerhalb der Spanne der letzten Wochen und handele jetzt nahe 1,08. Nach ereignisreichen Wochen könne man sagen, dass die Märkte eine Verschnaufpause eingelegt hätten.

Vor allem die FED-Sitzung sei vorübergegangen, ohne dass sich allzu große Befürchtungen bewahrheitet hätten. Zwar sei das Gesamtbild nach wie vor intakt, doch würden sich die Mitglieder des FOMC eher vorsichtiger hinsichtlich Zinssenkungen äußern. Dies stehe im Gegensatz zur EZB, die sich weiterhin auf eine Zinssenkung auf einer der nächsten Sitzungen vorbereite - die Analysten würden Juni erwarten. In der nächsten Woche werde das Protokoll zur letzten EZB-Sitzung veröffentlicht. Es sei zu erwarten, dass dieses weitere Hinweise über den künftigen Zinspfad enthalten werde.

Auf der Pressekonferenz habe sich Lagarde ja recht offen über die Möglichkeit bevorstehender Zinssenkungen geäußert, was impliziere, dass dies Teil der Diskussion im EZB-Rat gewesen sei. Auch die unterschiedlichen Auslegungen und Risiken der Wirtschafts- und Inflationsprognosen würden von Interesse sein und weiterhin könnte das Update zum geldpolitischen Handlungsrahmen diskutiert worden sein. Insgesamt werde das Protokoll zwar interessante Details beinhalten, aber die Analysten würden nicht glauben, dass es das Potenzial habe, die Märkte nachhaltig in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Die Mitglieder des EZB-Rates seien seit der März-Sitzung bereits sehr aktiv darin gewesen, ihre Ansichten mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen. (28.03.2024/alc/a/a)