Preise steigen langsamer - sind inflationsgebundene Anleihen noch von Nutzen?


23.02.23 12:17
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Ist das Inflationsproblem gelöst? Und ist damit die Zeit vorbei für inflationsgebundene Anleihen? Diesen beiden Fragen ist Raffaele Prencipe, Fixed Income Portfolio Manager bei Degroof Petercam Asset Management, auf den Grund gegangen.

Die Inflationsraten würden sinken, das Risiko bleibe hoch

- Die Gesamtinflation dürfte in den kommenden Monaten rückläufig bleiben. Mittelfristig sei jedoch unklar, wie lange es dauern werde, bis die "Nachholausgaben" nachlassen würden und der Arbeitsmarkt sich abschwäche. Langfristig würden viele eine Rückkehr zu niedriger Inflation, schwächerem Wachstum und Produktivität sowie niedrigen Zinsen erwarten.

- Es gebe jedoch mehrere Risiken: Die De-Globalisierung könne zu steigenden Kosten für die Versorgung mit Gütern, der ökologische Umbau zu höherer Nachfrage führen. Die Zentralbanken könnten ihre Inflationsziele von 2 auf 3% anheben.

- Milliarden von Wirtschaftsakteuren würden sich nach dem richten, was sie an zukünftiger Inflation erwarten würden. Auch das könne die Ungewissheit erhöhen, denn diese Erwartungen könnten irrational sein.

Inflationsgebundene Anleihen könnten weiter schützen

- Würden die Erwartungen von der tatsächlichen Entwicklung abweichen, könnten inflationsgebundene Anleihen schützen. Während der aktuellen Inflationswelle seien die Marktteilnehmer davon ausgegangen, dass die Zentralbanken ihr 2%-Ziel bald erreichen würden. Nehme man die Differenz zwischen nominalen und realen Renditen (Break Even) als Maß für die Inflationserwartungen, so habe diese in den USA und der Eurozone mit Blick auf fünf Jahre nie über 3,8% gelegen. Angesichts von durchschnittlich über 7% Verbraucherpreisanstieg in den vergangenen anderthalb Jahren sei diese eine erhebliche Unterschätzung gewesen!

- Inflationsgebundene Anleihen würden besser abschneiden als "nominale" Anleihen, wenn die tatsächliche Inflation zum Zeitpunkt des Kaufs höher sei als die am Markt erwarteten. Wenn man am 1.1.2021 eine inflationsgebundene US-Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren gekauft hätte, läge ihre Gesamtrendite bis heute im positiven Bereich - im Vergleich zu einem Verlust von rund -9% für eine 5-jährige Nominalanleihe.

- Sowohl die realen als auch die nominalen Renditen seien deutlich gestiegen. Obwohl sich die Break-Even-Werte in der Kontraktionsphase eines Konjunkturzyklus in der Regel nach unten bewegen würden, könnten 2,2 und 2,3% für 10-jährige inflationsgebundene Anleihen immer noch einer Unterschätzung gleichkommen.

- Daher können inflationsgebundene Anleihen weiterhin eine Rolle für den Schutz eines festverzinslichen Portfolios spielen, auch wenn das Schlimmste hinter uns liegt, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management. (Ausgabe vom 22.02.2023) (23.02.2023/alc/a/a)