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Notenbanksitzungen im Fokus der Zinsmärkte


08.12.23 09:27
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Das unbestrittene Highlight des nächstwöchigen Datenkalenders in den USA stellt die Veröffentlichung der VPI-Inflationsdaten für den Monat November dar, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Im Oktober seien sowohl die Gesamtinflation (0% p.m.) als auch die Kernrate (0,2% p.m.) unter den Erwartungen zu liegen gekommen, was den aktuell auf den Märkten vorherrschenden optimistischen Zinssenkungsfantasien weiteren Rückenwind verliehen habe. Aktuelle Konsensschätzungen würden davon ausgehen, dass sich der Trend eines abnehmenden Inflationsdrucks fortsetzen sollte. So würden auf monatlicher Basis zwar Wachstumsraten von 0,1% (Gesamtinflation) und 0,2% (Kerninflation) und dementsprechend keine Rückgänge erwartet, auf Jahresbasis würde dies aber dennoch auf eine langsamere Preiszunahme hindeuten. Allerdings hat der Kalender auch Daten zur Wirtschaftsaktivität zu bieten, erscheinen in den USA doch Daten zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen (jeweils für den November), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Im Oktober seien die Einzelhandelsumsätze zum ersten Mal seit März 2023 gefallen, und zwar sowohl in nominaler als auch in realer Betrachtung (-0,1% p.m. und -0,15% p.m.). Es werde erwartet, dass sich die nominalen Umsätze auch im November negativ entwickeln würden (-0,1% p.m.). Auch die Industrieproduktion sei zuletzt auf monatlicher Basis um -0,6% gefallen, allerdings sei diese Entwicklung von den Streiks im Automobilsektor beeinflusst gewesen, hier werde zurzeit ein Anstieg in Höhe von 0,2% p.m. erwartet.

Auch in der Eurozone erscheinen Daten zur Industrieproduktion, allerdings noch für den Oktober und somit für den Beginn des vierten Quartals, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Die nationalen Daten seien wie erwartet sehr verhalten ausgefallen, einige Nationen hätten Rückgänge verbuchen müssen (Deutschland: -0,1% p.m., Frankreich: -0,3% p.m., Spanien: -0,5% p.m.). Für das Eurozonen-Aggregat würden die Analysten dementsprechend ein nur sehr verhaltenes Wachstum in Höhe von 0,2% p.m. für wahrscheinlich halten.

Darüber hinaus werde der deutsche ZEW-Index für Dezember Aufschlüsse über das Stimmungsbild in der größten Volkswirtschaft der Eurozone erlauben. Die Analysten würden bezüglich der Subkomponente für die aktuelle Lage eine Verbesserung von -79,8 auf -75,5 Punkte und für die Erwartungskomponente eine marginale Verschlechterung weg von 9,8 Punkten hin zu 9,5 Punkten prognostizieren.

Auch für die Eurozone und die USA stünden mit den Dezember-PMIs Stimmungsindikatoren auf dem Programm. Während diese in der Eurozone bereits deutlich auf die aktuelle realwirtschaftliche Flaute hinweisen würden, würden die Komponenten für Industrie und Dienstleistungen in den USA nahe der 50-Punkte Marke notieren, was ein stagnierendes Niveau anzeige - passend zu der Erwartung, dass sich das starke ökonomische Momentum in den Vereinigten Staaten zumindest etwas abkühlen sollte. Für die Eurozone würden die Analysten bei der Dienstleistungskomponente einen Wert von 49,3 (vs. 48,7 im November) und beim Indikator für das Verarbeitende Gewerbe einen Wert von 45,2 (vs. 44,2) erwarten - also leichte Verbesserungen.

Nächste Woche würden neben der US-Verbraucherpreisinflation vor allem die Notenbanksitzungen im Fokus der Zinsmärkte stehen. Neben der EZB würden sich auch die Gremien der FED, SNB und BoE treffen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Starten wir mit der EZB, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Man dürfe davon ausgehen, dass die EZB die Leitzinsen unverändert auf dem aktuellen Niveau belasse. Der Einlagesatz der EZB notiere bei 4%. Die Forward Guidance zu den Leitzinsen, welche besage, dass das aktuelle Niveau als ausreichend restriktiv gesehen werde, sollte sich der makroökonomische Ausblick der EZB bewahrheiten, werde wohl ebenso aufrechterhalten werden.

Tatsächlich seien insbesondere Inflationsdaten zuletzt unter den Erwartungen der EZB veröffentlicht worden, was für unveränderte Leitzinsen spreche. Die neuen Prognosen würden Abwärtsrevisionen sowohl beim Wirtschaftswachstum als auch beim Inflationsausblick zeigen. Die Disinflation habe sich zuletzt stärker als erwartet gezeigt, Inflationserwartungen seien gesunken, Energiepreise (inkl. Forwardkurven) würden ebenso niedriger handeln und die Währung notiere wieder auf einem ähnlichen Niveau wie bei der letzten Prognoserunde. Nichtsdestotrotz würden die Analysten nach wie vor erwarten, dass die EZB-Prognosen eine nachhaltige Rückkehr zum Inflationsziel erst im Jahr 2025 widerspiegeln würden.

In Anbetracht dessen werde Präsidentin Lagarde bemüht sein, die mittlerweile sehr optimistischen Zinssenkungserwartungen zurückzuweisen. Aktuell preise der Markt eine erste Zinssenkung im März 2024, was dem "Hoch-für-Länger" Narrativ der EZB widerspreche. Abseits dessen würden sich die Analysten Neuigkeiten zum PEPP-Portfolio erwarten. Die Forward Guidance, dass PEPP-Bestände zumindest bis Ende 2024 vollständig reinvestiert würden, erscheine den Analysten seit einiger Zeit als nicht mehr glaubwürdig.

Präsidentin Lagarde habe zuletzt Änderungen in Aussicht gestellt. Die Analysten würden erwarten, dass die zeitliche Komponente der Forward Guidance falle und damit der Weg für einen beschleunigten Bilanzabbau geebnet werde. Aktuell würden die Analysten ein Ende der Reinvestitionen ab Juli 2024 prognostizieren. In Abhängigkeit dessen, was auf der kommenden EZB-Sitzung kommuniziert werde, könnte dies sogar früher der Fall sein. Für Benchmark-Renditen würden die Analysten die EZB-Sitzung mit Aufwärtsrisiken behaftet sehen, da sich die Markterwartungen bereits sehr weit von der Notenbank-Kommunikation entfernt hätten.

In den USA zeige sich ein ähnliches Bild. Auch hier werde mittlerweile eine erste Zinssenkung der FED im März 2024 als das wahrscheinlichste Szenario gepreist. Bis zuletzt habe die FED jedoch noch einen hawkishen Bias ausgewiesen und offener über noch nötige Zinserhöhungen als die EZB diskutiert. Das Bild einer überraschend starken / resilienten Konjunkturdynamik habe jedoch erste Risse bekommen und der Disinflationstrend habe sich fortgesetzt. Weitere Zinserhöhungen der FED erscheinen daher zunehmend unwahrscheinlich, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Der Offenmarktausschuss werde wohl auf Anzeichen für eine maßvolle Abkühlung des Wirtschaftswachstums sowie des Arbeitsmarkts hinweisen.

Auch wenn die jüngsten Datenveröffentlichungen den Disinflationstrend bestätigt hätten, werde die FED aber wohl weiterhin darauf hinweisen, dass es verfrüht sei das Inflationsproblem beiseite zu schieben. Die Kerninflation (PCE) notiere mit 3,5% p.a. noch immer deutlich über dem Inflationsziel. Somit werde die FED baldige Zinssenkungen als verfrüht einstufen und versuche das "Hoch-für-Länger" Narrativ zu stärken. Die Pressekonferenz werde sich daher wohl hauptsächlich mit dem Thema Zinssenkungserwartungen beschäftigen.

Wie stark sich FED Präsident Powell verbal gegen das aktuelle Marktpricing stelle, werde für etwaige Marktreaktionen entscheidend sein. Aber auch die Veränderung der Einschätzungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses zur Entwicklung der FED Funds Rate im Zuge der Prognosen müsse genau beobachtet werden. Im September seien hier nur wenige Zinssenkungen für 2024 in Aussicht gestellt worden. Eine Anpassung hin zu mehr Zinssenkungen sei wahrscheinlich und wäre auch mit den Prognosen der Analysten vereinbar. Ein Niveau, welches die aktuellen Markterwartungen widerspiegeln würde, würden die Analysten aber als wenig wahrscheinlich erachten.

Neben FED und EZB stehe nächsten Donnerstag auch in der Schweiz die nächste Zinsentscheidung an. Hier dürfte es jedoch wenige Überraschungen geben. Die Analysten würden erwarten, dass die SNB den Zinssatz stabil bei 1,75% halte, was auch die Marktmeinung widerspiegele. Die Inflation für November stütze diese Annahme, nachdem sie besser als erwartet bei 1,4% im Vorjahresvergleich gelegen und damit auch die Erwartungen der SNB untertroffen habe. Hier sei zu erwähnen, dass weiterhin die inländischen Güter den Inflationsdruck erhöhen würden und Importgüter einen negativen Effekt gehabt hätten. Der Durchschnitt über die letzten elf Monate verringere sich somit auf 2,2% und nähere sich dem Inflationsziel der SNB von innerhalb 0 - 2% an.

Ein weiteres Thema bei der Sitzung könnte vielleicht auch der EUR/CHF-Wechselkurs sein, dessen Prognose die Analysten derzeit unter Revision führen würden. Dieser sei innerhalb von wenigen Tagen um zirka 1,8% von Werten über 0,96 auf 0,942 gesunken und es sei unklar, ob es hier einen Bodenbildung gebe. Der Newsflow zur Währung sei in den letzten Tagen gemischt gewesen (Schweizer BIP und Inflation in der Schweiz und Eurozone besser als erwartet, Auftragslage in Deutschland unter der Erwartungshaltung, Inflation) und es bleibe fraglich, ob diese Faktoren eine derartige Euroschwäche erklären würden. Dennoch sei erwähnt, dass die Märkte gerade sehr sensitiv auf Signale reagieren würden, die eine Zinswende andeuten könnten. Dazu dürfe man jedoch nicht vergessen, dass die Schweizer Währung noch immer von der SNB gemanagt werde und jene eigentlich keine starken Schwankungen akzeptiere. Nach den Zentralbanksitzungen nächste Woche würden die Analysten ihre Währungseinschätzung aktualisieren. (Ausgabe vom 07.12.2023) (08.12.2023/alc/a/a)