Investmentidee: Der Wind hat gedreht - Anleiheanalyse


14.11.24 09:45
Bank Vontobel Europe AG

München (www.anleihencheck.de) - Für Vontobel sind die Aktien von BASF, Deutsche Telekom und Vonovia eine Investmentidee und die Bank Vontobel Europe AG liefert Vorschläge, wie Anleger mit Anleihen von dieser Einschätzung profitieren können.

Nahezu chancenlos seien zahlreiche Sektoren in dem zuletzt von den Technologiewerten angetriebenen Börsenaufschwung gewesen. Nun aber scheine Rotation das Thema an den Aktienmärkten zu sein. Ein Umschichten in die während der Hausse verschmähten Branchen könnte also eine sinnvolle Anlagestrategie darstellen.

Die Aktienmärkte befänden sich in einer paradoxen Situation: Einerseits seien viele Unternehmen gut aufgestellt und erwirtschafteten nach wie vor hohe Erträge. Andererseits herrsche weiterhin große Verunsicherung: Geopolitische Risiken, internationale Handelskonflikte und ein stotternder Konjunkturmotor drückten auf die Stimmung. Dies habe zuletzt vor allem für den Technologiesektor gegolten, der im August dieses Jahres eine scharfe Korrektur erlebt habe. Getrieben vom Boom rund um Künstliche Intelligenz sei die Branche zunächst seit Anfang 2023 in einem atemberaubenden Tempo nach oben gesprintet. Das daraus resultierende hohe Bewertungsniveau habe dann in diesem Sommer zu starken Gewinnmitnahmen geführt.

Die Korrektur scheine noch nicht überwunden zu sein, und so schwankten die Tech-Aktien seither munter auf und ab. Dagegen präsentierten sich viele andere Branchen, die lange Zeit im Abseits gestanden hätten, wieder von ihrer "Schokoladenseite". So sei beispielsweise nach vielen Jahren der Lethargie den Immobilien- und Telekom-Aktien vor einigen Monaten wieder Leben eingehaucht worden. Aber auch zyklische Sektoren wie Industrie und Bau hätten kürzlich scharf nach oben gedreht. Dieser Verlauf werfe eine für Anleger wichtige Frage auf: Stehe den Börsen ein Favoritenwechsel bevor?

Zugegeben, eine Schwalbe mache noch keinen Sommer, allerdings ließen sich für die zu beobachtende Branchenrotation durchaus plausible Gründe finden. Schwäche sich das Wirtschaftswachstum ab, rückten in der Regel Branchen in den Fokus, in denen die Gefahr geringer sei, dass Gewinnprognosen reduziert oder Umsätze wegbrechen würden. Viele dieser so genannten defensiven Sektoren, die also von der Konjunktur eher unabhängige Gesellschaften umfassen würden, seien in der Hausse auf der Strecke geblieben und wiesen daher häufig günstige Bewertungskennziffern auf.

Zu dieser Spezies zählten zum Beispiel Titel aus den Bereichen Telekommunikation. Diese glänzten in der Regel mit stabilen Cashflows und gut prognostizierbaren Ergebnissen. Dass diese Attribute zuletzt wieder mehr gefragt seien, zeige unter anderem der Kursverlauf des STOXX Europe 600 Telecommunications Index. Der Gradmesser habe Mitte Juni den Turbo gezündet und seither zweistellig zugelegt. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt habe in diesem Zeitraum lediglich ein Plus von drei Prozent erzielt, beim STOXX Europe 600 Technology stehe sogar ein Minus von fünf Prozent zu Buche.

Das Wachstumspotenzial des Bonner Konzerns dürfte weiter anhalten. So habe sich die US-Tochter T-Mobile zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2028 zwölf Millionen Kunden für ihr 5G-Mobilfunknetz zu gewinnen. Dafür sorgen solle unter anderem Künstliche Intelligenz, mit der die Netzqualität verbessert werde. Positiv entwickle sich inzwischen auch das ehemalige Sorgenkind T-Systems. Der Auftragseingang der IT-Dienstleistungstochter habe sich im zweiten Quartal dank eines florierenden Cloud-Geschäfts um beachtliche 28 Prozent erhöht.

Eine ebenso dynamische Kehrtwende wie die Telcos habe die Immobilienbranche zuletzt eingeschlagen. Die Sektorvertreter blickten auf eine besonders düstere Zeit zurück. Eingeläutet worden sei der Abschwung parallel zur ersten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli 2022, wodurch eine mehrjährige Nullzinsphase abrupt geendet habe. Insgesamt zehn Mal hätten die Währungshüter den Leitzins bis September 2023 nach oben geschraubt. Die Folge sei gewesen: Die Kredite seien teurer geworden, die Kapitalgeber nervös und die Preise hätten abgenommen. Doch allmählich scheine sich die Skepsis wieder in Zuversicht umzukehren.

Die EZB habe im Juni erstmals den Geldhahn wieder aufgedreht, was sich schnell in anziehenden Immobilienpreisen niedergeschlagen habe. Den Beleg dafür liefere eine Analyse der Wirtschaftsforscher IfW. Dieser zufolge hätten sich im zweiten Quartal die Preise von Eigentumswohnungen in Deutschland um 2,4 Prozent erhöht, Mehrfamilienhäuser kosteten sogar um 4,4 Prozent mehr. Zum Jahresauftakt seien die Preise dagegen noch rückläufig gewesen.

"Die Trendwende auf dem Immobilienmarkt ist eingeläutet", habe IfW-Forscher Jonas Zdrzalek zuversichtlich gesagt. Auch der Zwischenbericht des Immobilienriesen Vonovia mache klar, dass sich der rasante Wertverfall zuletzt deutlich verlangsamt habe. Habe der Konzern in der Vergangenheit den Wert seines Portfolios immer wieder nach unten korrigieren und dadurch Milliarden-Verluste hinnehmen müssen, habe sich zum Halbjahr die Lage aufgehellt. Bis Ende Juni habe sich der Bestandswert nur noch geringfügig um 1,7 Prozent verringert. In der Folge hätten sich auch die Verluste reduziert. Unter dem Strich habe ein Minus von 529 Millionen Euro gestanden, vor Jahresfrist seien es noch 4,1 Milliarden gewesen. Deutschlands größter Wohnungskonzern habe daher zum Halbjahr seine Prognose bekräftigt.

Für 2024 erwarte Vonovia ein bereinigtes Vorsteuerergebnis am oberen Ende der Spanne von 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro. Dank des sinkenden Zinsniveaus traue sich das Unternehmen auch in Sachen Expansion wieder mehr zu. So hätten die Bochumer angekündigt, die Tochter Deutsche Wohnen, an der sie bereits 87 Prozent halten würden, mit weiteren Aktienkäufen noch enger an sich binden zu wollen. Ziel sei ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, wobei den Aktionären der Deutsche Wohnen ein Abfindungsangebot gemacht werden solle. Dies werde zwar ohne eine Kapitalerhöhung nicht gehen, Marktteilnehmer hätten trotzdem positiv auf die Nachricht reagiert.

Sinkende Zinsen seien die eine Seite, ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum die andere. Grundsätzlich reagierten Unternehmen aus konjunktursensiblen Branchen darauf besonders empfindlich. Daher wundere es nicht, dass die Chemie-Aktien seit geraumer Zeit das Nachsehen gehabt hätten. Der STOXX Europe 600 Chemicals Index hinke seit mehreren Jahren dem Gesamtmarkt hinterher, habe aber im September 2024 nun scharf nach oben gedreht und den Abstand deutlich verringert. Morgenluft wittere die Branche aufgrund der angekündigten massiven Konjunkturhilfen der chinesischen Regierung.

Als typische Frühzykliker würde der Sektor als einer der ersten von einem Anspringen der Wirtschaft profitieren. Einen besonderen Schub hätten die Aktien von BASF bekommen. Nicht nur die China-Fantasie beflügele den Chemieriesen, auch die kürzlich vorgestellte neue Unternehmensstrategie komme bei den Anlegern gut an. Der Plan sehe vor, die führenden Marktpositionen in den Kerngeschäften durch organisches Wachstum und wertsteigernde Akquisitionen zu stärken und Geschäfte zu bereinigen, die keine oder nur eine geringe Rendite erzielten. Dadurch wolle BASF profitabel wachsen und Wert für die Aktionäre schaffen.

"Wir werden uns noch stärker auf die Cash-Generierung konzentrieren", erkläre Finanzvorstand Dirk Elvermann und füge weiter hinzu: "Wir werden die Kapitaldisziplin durch niedrigere Investitionsausgaben unterstreichen und unsere Kosteneinsparprogramme fortsetzen." An die Anteilseigner sollten aus einer Kombination aus Dividenden und Aktienrückkäufen zwischen 2025 und 2028 mindestens zwölf Milliarden Euro zurückfließen. Ob die derzeit zu beobachtende Sektor-Rotation von nachhaltiger Dauer sei, müsse sich noch zeigen. Daher könnte es Sinn machen, bedingt teilgeschützt in die neuen Favoriten zu investieren. Mit Renditeoptimierungsprodukten könnten Anleger bereits bei einer Seitwärtsbewegung attraktive Erträge erzielen und seien gleichzeitig vor moderaten Rückschlägen geschützt.

Eine Investmentidee sei zum Beispiel eine neue Multi Aktienanleihe mit Barriere (Worst-Of) auf die Aktien von BASF, Deutsche Telekom und Vonovia. Die Anleihe könne noch bis zum 2. Dezember 2024 gezeichnet werden.

Die Multi Aktienanleihe mit Barriere (Worst-Of) sei mit einem Nennbetrag von 1.000,00 EUR sowie einem Kupon von 8,00% p.a. ausgestattet. Der Basispreis betrage 100,00% des Anfänglichen Referenzpreises, d.h. des Schlusskurses der Aktien am 2. Dezember 2024 an der Referenzbörse XETRA. Die Barriere liege bei 60,00% des Anfänglichen Referenzpreises. Fällig werde die Anleihe am 30. Dezember 2025.

Korrelationsrisiko: Multi Aktienanleihen mit Barriere (Worst of): Dieser Typ der Aktienanleihen beziehe sich auf mehrere Basiswerte. Damit sei der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreiche. Anleger sollten beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags der Basiswert maßgeblich sei, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt habe (sog. Worst-of-Struktur). Das Risiko eines Verlusts des investierten Kapitals sei daher bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen sei von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen habe. Der Aktienkurs könne sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen könnten.

Emittenten- / Bonitätsrisiko: Anleger seien dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen könnten. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde könne im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals sei möglich. Das Produkt unterliege als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung. (Ausgabe vom 13.11.2024) (14.11.2024/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.