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Grönland, Venezuela, Japan: Warum die Zinsmärkte nervös bleiben


26.01.26 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die politischen Umwälzungen unter Präsident Trump prägen das Jahr 2026 und haben für einige Überraschungen gesorgt, von der Militäraktion in Venezuela bis zur Eskalation um Grönland, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

An den Zins- und Währungsmärkten sei die Grönland-Saga nur von kurzer Dauer gewesen. Trotzdem sehe es so aus, als ob in einigen Bereichen die Risikobereitschaft noch nicht ganz zurückgekehrt sei. Der US-Dollar sei weiterhin schwächer als zuvor, und Benchmark-Renditen würden höher als vor einer Woche handeln. Die Risikobereitschaft gegenüber US-Anleihen werde offenbar seitens europäischer Investoren überprüft, was zumindest teilweise die Wiederbelebung des TACO-Handels infrage stelle. Mit Blick auf die Anleihemärkte müsse man aber betonen, dass Trump letzte Woche nicht das einzige Thema gewesen sei. In Japan seien vorgezogene Neuwahlen angekündigt worden. Es gebe Befürchtungen, dass Japan eine lockerere Fiskalpolitik verfolgen könnte, wenn die aktuelle Premierministerin mehr Macht erhalte. Die Renditen japanischer Staatsanleihen seien als Reaktion deutlich gestiegen, was auch auf andere globale Benchmark-Zinskurven Aufwärtsdruck ausgeübt habe. Dies stelle ein weiteres Beispiel dafür dar, dass Duration global unter Druck stehe, weil sich die öffentlichen Finanzen in vielen Ländern als angespannt erweisen würden.

Im aktuellen Umfeld sei auch die Federal Reserve zunehmend politischem Druck ausgesetzt. Fed-Chef Jerome Powell habe sich in einer ungewöhnlichen Videobotschaft an die Öffentlichkeit gewandt, um sich gegen politische Einflussnahme zu wehren. Die Bewertung der ökonomischen Daten spreche für eine vorläufige Pause der Zinssenkungen; die Leitzinsen sollten demnach zunächst bei 3,50% bis 3,75% verharren. Zwar sei die Datenlage durch den letzten US-Shutdown noch lückenhaft, doch erscheine die Konjunktur überraschend robust, der Arbeitsmarkt stabil und die Inflation weiterhin klar über dem 2%-Ziel. Die dieswöchigen PCE-Inflationszahlen hätten wenig an dieser Einschätzung geändert, sei die Kerninflation doch unverändert bei 2,8% geblieben. Dadurch sei die seit September erfolgte Verschiebung von Inflations- zu Arbeitsmarktrisiken vorerst wohl beendet. Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf würden aber dennoch wahrscheinlich bleiben, sobald inflationserhöhende Effekte der Zollpolitik zurückgingen und die Inflation abklinge.

Die Finanzmärkte würden derzeit mit etwa zwei Zinssenkungen bis Jahresende auf knapp über 3% rechnen, wobei politische Einflussnahme nach Meinung der Analysten der RBI bislang kaum eingepreist sei. Die anstehende Nominierung eines neuen Fed-Präsidenten sowie anderweitige rechtliche und politische Einflussnahme würden jedoch das Risiko erhöhen, dass sich eine Untergrabung der Fed fortsetze. Im Unterschied zum Zinsmarkt würden die Analysten der RBI diesem Umstand in ihren Prognosen Rechnung tragen und vier Zinssenkungen bis Jahresende erwarten. (Ausgabe vom 23.01.2026) (26.01.2026/alc/a/a)