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Fed vor entscheidender Weichenstellung: Märkte achten auf Zins-Signale


02.05.25 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Schnellschätzung zur BIP-Entwicklung der Eurozone im ersten Quartal konnte mit einer positiven Überraschung aufwarten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

So sei das Wachstum mit 0,4% (p.q.) stärker ausgefallen als von den Analysten und dem Konsens erwartet worden sei (0,2%). Das Wachstum in Spanien sei mit 0,6% p.q. zwar etwas schwächer ausgefallen als gemeinhin erwartet worden sei (0,7%), deute aber weiterhin auf eine solide Entwicklung hin. In Deutschland und Frankreich habe nach den negativen Wachstumsraten des letzten Quartals wieder ein positives Wachstum verbucht werden können (DE: 0,2%, FR: 0,1%). Auch Österreichs Wirtschaft sei überraschend auf den Wachstumspfad zurückgekehrt (0,2% p.q.). Ein wesentlicher Treiber sei dabei die hiesige Industrie gewesen, die zu Jahresbeginn ein Lebenszeichen gesendet habe; im Schlepptau davon hätten sich auch unternehmensnahe Dienstleistungen und der Export gut entwickelt.

Auf den ersten Blick sei das Konjunkturplus zu Jahresbeginn also erfreulich, auf den zweiten Blick würden sich jedoch einige weiterhin bestehende strukturelle Schwachstellen offenbaren (sei keine nachhaltige Belebung der Industrie ersichtlich, sei privater Konsum weiterhin schwach). Zudem gelte: Die Schnellschätzung für Österreich habe in den letzten Quartalen sehr oft nicht das gehalten, was sie versprochen habe, aus initial vermeldeten BIP-Zuwächsen seien im weiteren Zeitverlauf allzu oft klare Rückgänge geworden.

Eine besondere Rolle komme bei der Betrachtung der BIP-Zahlen für die Eurozone abermals Irland zu. Dort sei das BIP um 3,2% (p.q.!) gewachsen. Irland stelle für viele große, multinationale Unternehmen aus steuerlichen Gründen einen wichtigen Knotenpunkt dar, wovon die Volkswirtschaft laut Statistikbehörde profitiert habe. Es liege nahe, dass die starke Entwicklung in Q1 auch durch gesteigerte Exporte in die USA befeuert worden sei ("Vorzieheffekte aufgrund drohender Zölle"). Vor diesem Hintergrund könnten die Zahlen für das Eurozonen-Aggregat wie folgt eingeordnet werden: Der zugrundeliegende Trend sei etwas schwächer als die Gesamtzahl vermuten lassen würde. Ohne den starken Ausschlag in Irland wäre das Wachstum an den von den Analysten angenommenen 0,2% gelegen. Die Wachstumsdynamik dürfte im zweiten Quartal schwächer ausfallen als im Ersten. Die Analysten würden für die Eurozone im Gesamtjahr 2025 weiterhin einen BIP-Zuwachs in Höhe von 1% für realistisch halten.

In den USA sei die BIP-Schnellschätzung mit -0,3% (p.q., annualisiert) zwar unter den Erwartungen (0,3%) gelegen. Eine deutliche Abkühlung im Vergleich zum vierten Quartal (2,4%) sei allerdings weitestgehend erwartet worden. So hätten monatliche Indikatoren bereits darauf hingewiesen, dass die Importe in die USA im ersten Quartal stark angestiegen seien, was eine Konsequenz der oben angesprochenen zollinduzierten Vorzieheffekte darstelle (Unternehmen würden Lager aufbausen, um höheren zukünftigen Importkosten zu entgehen). Importe flössen negativ in die BIP-Berechnung ein, und somit sei der stark negative Beitrag der Nettoexporte in Höhe von -4,8 Prozentpunkten ausschlaggebend für den BIP-Rückgang im ersten Quartal gewesen. Weiters habe ein marginaler Rückgang der Staatsausgaben negativ zu Buche geschlagen. Andere Komponenten wie etwa der Konsum, aber auch Vorratsbestände hätten hingegen einen positiven Beitrag ausgewiesen. Sobald die negativen Importeffekte aus der Betrachtung herausfielen (wohl bereits im zweiten Quartal), sollte die Wachstumsdynamik wieder deutlich positiver ausfallen. Die Annahme einer Rezession in den USA wäre vor diesem Hintergrund also verfrüht.

Nächste Woche fällt der Datenkalender im Vergleich zu dieser Woche wieder ruhiger aus. Neben nationalen Daten zur Eurozonen-Industrieproduktion (März) und weiteren Dienstleistungs-PMIs wird mit dem Sentix der erste Vorlaufindikator für den Monat Mai erscheinen. Nach dem jüngsten Zoll-induzierten Rückgang von -2,87 auf -19,5 Punkte würden die Analysten eine merkliche Erholung auf -10 Punkte prognostizieren. Die Stimmungslage unter den befragten Finanzmarktteilnehmern sollte also weiterhin etwas getrübter ausfallen. In den USA wird indessen der ISM für das nicht-verarbeitende Gewerbe für April veröffentlicht. Der PMI für den Dienstleistungssektor fiel zuletzt von 54,4 auf 51,4 Punkte, für den ISM wird aktuell ein geringerer Rückgang von 50,8 auf 50,6 Punkte angenommen.

Nächste Woche falle der Datenkalender im Vergleich zu dieser Woche wieder ruhiger aus. Neben nationalen Daten zur Eurozonen-Industrieproduktion (März) und weiteren Dienstleistungs-PMIs werde mit dem Sentix der erste Vorlaufindikator für den Monat Mai erscheinen. Nach dem jüngsten zollinduzierten Rückgang von -2,87 auf -19,5 Punkte würden die Analysten eine merkliche Erholung auf -10 Punkte prognostizieren. Die Stimmungslage unter den befragten Finanzmarktteilnehmern sollte also weiterhin etwas getrübter ausfallen. In den USA werde indessen der ISM für das nicht-verarbeitende Gewerbe für April veröffentlicht werden. Der PMI für den Dienstleistungssektor sei zuletzt von 54,4 auf 51,4 Punkte gefallen, für den ISM werde aktuell ein geringerer Rückgang von 50,8 auf 50,6 Punkte angenommen.

Die Fed-Sitzung nächste Woche werde sehr sicher erneut keine Änderung der Leitzinsen bringen. Die Bandbreite der Federal Funds Rate liege seit Anfang des Jahres bei 4,25 bis 4,5%. Die FOMC-Mitglieder hätten bislang keine Eile hinsichtlich Änderungen der Geldpolitik signalisiert. Der Grund dafür sei, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen von Trumps Maßnahmen noch schwierig einzuschätzen seien. Die Finanzmärkte würden trotzdem versuchen, die Meinung der Fed zu Trumps Zöllen herauszufinden. Am Markt würden derzeit die Abwärtsrisiken für das Wachstum das Geschehen dominieren, während die Aufwärtsrisiken für die Inflation in den Hintergrund getreten seien. Jedes Signal, wie die Fed die Risiken für Inflation und Wachstum abwägen werde, werde mit Interesse verfolgt werden. Die offizielle Guidance der Fed werde wahrscheinlich lauten, dass sie datenabhängig handeln werde.

Nach Meinung der Analysten ergäben sich daraus zwei Szenarien: Sollte die US-Wirtschaft in eine Rezession schlittern, die gleichzeitig den Spielraum für einen Inflationsanstieg begrenze, werde die Fed die Leitzinsen früher senken. Wenn sich der US-Wirtschaftsmotor aber nur verlangsame und die Inflation somit deutlicher steige, werde die Fed mit einer Senkung der Leitzinsen zögerlich agieren. In diesem Fall sei es auch wichtig, wie die Fed die Taktung des Inflationsanstiegs einschätze. Grundsätzlich sollte ein durch Zölle bedingter Inflationsanstieg nur vorübergehend sein - "Sprung des Preisniveaus" - aber nach den Erfahrungen mit der "vorübergehenden Inflation" im Jahr 2021 sei die Fed vielleicht nicht gut bedient damit, alles auf diese Karte zu setzen.

Für die Fed-Sitzung könnten auch noch Indikatoren der nächsten Tage eine Rolle spielen - insbesondere der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht. Analysten würden mit einem Anstieg der Beschäftigung (ex Agrar) von 130.000 und einer stabilen Arbeitslosenquote von 4,2% rechnen. Im letzten Monat seien die Erwartungen ähnlich gewesen, doch der Arbeitsmarktbericht habe mit einem deutlichen Anstieg positiv überrascht - das Beschäftigungswachstum habe bei 228.000 gelegen.

Was die Inflation betreffe, dürfte die PCE-Inflation für März einen gedämpften Inflationsdruck von 0,1% p.m. für die PCE-Kerninflation widerspiegeln. Damit würde die PCE-Kerninflation auf 2,6% p.a. sinken. Es bleibe jedoch abzuwarten, wie aussagekräftig die schwächeren Inflationszahlen für den mittelfristigen Trend sein würden. Die Fed könnte diese Veröffentlichung daher eher mit Vorsicht genießen. (Ausgabe vom 30.04.2025) (02.05.2025/alc/a/a)