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FED will ihre geldpolitischen Entscheidungen weiterhin "von Sitzung zu Sitzung" treffen


15.10.25 09:06
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach der kurzen Erholung am Montag war die Stimmung an den Finanzmärkten am Dienstag schon wieder gekippt - sowohl an der Wall Street als auch in Europa, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der Grund: eine Mischung aus geopolitischen Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und geldpolitischen Signalen, die derzeit eng miteinander verwoben seien und die Märkte empfindlich beeinflussen würden.

Im Zentrum habe erneut der Handelskonflikt zwischen den USA und China gestanden. Trotz versöhnlicher Töne von Präsident Trump sei die Lage angespannt geblieben. Ein geplantes Treffen mit Chinas Präsident Xi Ende Oktober in Südkorea solle zwar stattfinden, doch neue Exportkontrollen für Seltene Erden und gegenseitige Hafenabgaben würden zeigen, wie tief die Konflikte reichen würden. China sanktioniere sogar südkoreanische Firmen, die mit den USA kooperieren würden, während Washington versuche, Chinas Vormachtstellung im Schiffbau zu brechen. Zusätzlich drohe Trump mit einem Ende bestimmter Handelsbeziehungen - etwa im Bereich Speiseöl -, nachdem China seine Sojaimporte aus den USA drastisch reduziert und stattdessen auf Brasilien und Argentinien setze.

Auch in Europa brodele es: Frankreich stecke in einer politischen Dauerkrise. Premierminister Lecornu habe die umstrittene Rentenreform auf Eis legen müssen, um die Unterstützung der Sozialisten für den Haushalt zu sichern. Die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters auf 64 Jahre werde vorerst verschoben - ein Zeichen dafür, wie fragil politische Stabilität in Europa derzeit sei und wie schwierig notwendige Reformen durchzusetzen seien. Aus Deutschland seien derweil verhaltene Konjunktursignale gekommen: Das ZEW-Stimmungsbarometer der Konjunkturerwartungen sei zwar leicht gestiegen, aber hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Einschätzung der aktuellen Lage habe sich hingegen weiter eingetrübt.

Unterstützung sei hingegen von der gestern gestarteten Berichtssaison gekommen, wo die US-Großbanken mit starken Quartalszahlen überzeugt hätten. JPMorgan, Goldman Sachs, Wells Fargo und Citigroup hätten die Erwartungen übertroffen, vor allem dank guter Ergebnisse im Investmentbanking und einer positiven Marktstimmung, die durch Deregulierung begünstigt worden sei. Dennoch seien die Ausblicke angesichts der globalen Unsicherheiten vorsichtig geblieben. Und zu guter Letzt habe auch noch US-Notenbank-Chef Powell für ein wenig Rückenwind gesorgt: Bei seiner Rede in Philadelphia habe er betont, dass die US-Notenbank ihre geldpolitischen Entscheidungen weiterhin "von Sitzung zu Sitzung" treffen werde. Er habe betont, dass sich der Ausblick für Beschäftigung und Inflation seit der letzten Zinssenkung im September kaum verändert habe. Die Inflation sei teilweise durch höhere Güterpreise getrieben, die wiederum vor allem auf Zölle zurückzuführen seien - weniger auf breit angelegte Preisdynamiken. Powells Aussagen könnten als Vorbereitung auf weitere Zinssenkungen interpretiert werden - allerdings nicht zwingend in einem festen Rhythmus. Eine Senkung um 25 Basispunkte Ende Oktober gelte als wahrscheinlich, danach dürfte die FED erneut bewerten.

Nach den Gewinnen des Vortages hätten sich die Anleger gestern wieder risikoscheuer gezeigt. Zwar hätten die europäischen Indices im zweiten Sitzungsteil die Verluste etwas einzugrenzen vermocht, was aber das negative Vorzeichen vor der Prozentzahl nicht mehr habe drehen können. Während sowohl der deutsche DAX als auch der österreichische ATX zur Schlussglocke mit einem Minus in Höhe von 0,62% sowie 0,68% über die Ziellinie gekommen seien, hätten das europäische Pendant EURO STOXX 50 den Handelstag mit -0,29% etwas moderater beendet. Wenig Rückenwind sei anfänglich auch von den US-Börsen gekommen, die allesamt im deutlich negativen Terrain gestartet seien. Im Verlauf hätten sie sich von den Tagestiefstständen wieder etwas erholen können, wobei der Dow Jones sogar in die Gewinnzone vorgestoßen sei. So habe der mehrheitlich mit Standardwerten bestückte Dow Jones den Tag mit einem Zugewinn in Höhe von 0,44% beendet, während der marktbreite S&P 500 mit einem kleinen Minus von 0,16% aus dem Handel gegangen sei. Der technologielastige Auswahlindex NASDAQ 100 habe hingegen mit einem Kursminus von 0,69% klar schwächer tendiert.

Angesichts der steigenden Sorgen im Handelskonflikt würden die Anleger den vermeintlich sicheren Rentenhafen anlaufen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sei in der Folge auf 4,015% gesunken. An den Rohstoffmärkten sei Öl gestern kaum gefragt gewesen. Das schwarze Gold der Sorte Brent notiere heute Morgen bei rund USD 62 je Fass. Gold habe im gestrigen Umfeld hingegen zulegen können und notiere aktuell bei rund USD 4.190 je Feinunze. Der Bitcoin als bekanntester Vertreter der Kryptowährungen habe gestern von der Marktstimmung ebenfalls nicht profitieren können und werde aktuell bei rund USD 112.600 gehandelt.

Was die gestern gestartete Berichtssaison betreffe, so gehe es heute munter weiter. So stünden heute unter anderen mit Bank of America und Morgan Stanley zwei weitere US-Großbanken auf der Agenda, während in Europa ASML seine Bücher öffne.

Die asiatischen Märkte würden sich heute Morgen nahezu geschlossen im positiven Terrain präsentieren. (15.10.2025/alc/a/a)