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FED-Sitzung als eine falkenhafte Überraschung
19.06.23 10:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die abgelaufene Woche stand ganz im Zeichen von Notenbanksitzungen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Federal Reserve habe die Leitzinsen konstant bei 5% bis 5,25% belassen. Sei dies das Ende des Zinserhöhungszyklus? Aktualisierte Prognosen würden nicht darauf hindeuten, da die Erwartung zur Terminal Rate um 50 Basispunkte nach oben angepasst worden sei. Ohne disinflationäre Überraschungen könnte die FED somit nach einer kurzen Verschnaufpause weiter anheben. Auch wenn die Analysten der RBI skeptisch gewesen seien, dass die FED nach einer Pause im Juni den Zinsanhebungszyklus im Juli fortsetze, müssten sie zugeben, dass dies nun die plausibelste Option darstelle. Die FED wolle einen datenabhängigen Ansatz beibehalten. Dabei solle die nächste Zinsentscheidung auf den Informationen seit Mai beruhen, womit ein guter Teil der Entscheidungsgrundlage schon bekannt sei. Immerhin sei die nächste Zinssitzung nur einen Monat entfernt.
In Summe spreche nunmehr viel für eine zunächst falkenhafte Ausrichtung der FED und eine Zinsanhebung im Juli. Da wir aber bei der US-Kerninflation - bis auf spezifische Kategorien (Mieten und Gebrauchtwagen) - disinflationäre Tendenzen erkennen können, gehen wir noch immer davon aus, dass sich der US-Zinserhöhungszyklus seinem Ende nähert, so die Analysten der RBI. Eine Zinserhöhung im September sei daher weniger sicher, als dies die Prognosen der FED vermuten lassen würden. Die FED möchte möglicherweise eine Lockerung des geldpolitischen Kurses über den Erwartungskanal zunächst vermeiden, bis sie mehr Sicherheit bezüglich der Nachhaltigkeit disinflationärer Kräfte habe. Vorerst würden die Analysten der RBI ihre Prognosen für US-Zinsen unter Revision stellen, würden diese aber bis spätestens Ende Juni aktualisieren.
In Frankfurt habe die EZB beschlossen, die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte anzuheben; der Einlagesatz liege nun bei 3,5%. Auch bei der Bilanz seien die Schrauben angezogen worden, da APP-Abreifungen ab Juli 2023 nicht mehr reinvestiert würden. Weitere Anpassungen der Bilanzpolitik seien nicht signalisiert worden. Die neuen Wirtschaftsprognosen würden auf einen persistenten Inflationsdruck bei geringerem Wirtschaftswachstum hindeuten. Die EZB erwarte ein BIP-Wachstum von 0,9% im Jahr 2023. Die Kerninflation sei auf 5,1% im Jahr 2023 und 3,0% im Jahr 2024 (jeweils +0,5%-Punkte) nach oben korrigiert worden. Dies sei ein Umfeld, in dem die EZB die geldpolitische Straffung fortsetzen werde, wenn auch mit Bedacht.
Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der nächsten Zinssitzung im Juli sei so gut wie gesetzt. Präsidentin Lagarde sei auf der Pressekonferenz sogar überraschend deutlich gewesen: Wenn sich die makroökonomischen Aussichten nicht wesentlich ändern würden, werde die EZB die Leitzinsen auf der nächsten Sitzung weiter anheben. Dies sei zwar am Markt längst gepreist, dennoch habe diese entschlossene Kommunikation eine falkenhafte Wirkung. Immerhin stelle sich die Frage, was die Notenbank davon abhalten sollte, im September die Leitzinsen erneut zu erhöhen. Entscheidend würden dann die neuen Prognosen sein - werde die Inflation dann nach wie vor als zu hoch für zu lange ausgewiesen? Und: Würden die Daten bis dorthin weitere Anzeichen einer abnehmenden zugrunde liegenden Inflationsdynamik zeigen? Es werde aus Sicht der Analysten der RBI ein knappes Rennen (mit wohl heftiger Diskussion innerhalb des EZB-Rates).
An den Finanzmärkten sei die FED-Sitzung als eine falkenhafte Überraschung wahrgenommen worden, was die Analysten der RBI auch so sähen. US-Treasury-Renditen seien gestiegen, insbesondere am kurzen Ende der Renditekurve. Die zweijährige Rendite werde nun zwischen 4,7% und 4,8% gehandelt, während sie in der vergangenen Woche bei etwa 4,5% gelegen habe (ein gewisser Aufwärtsdruck sei bereits in den Tagen vor der Zinssitzung entstanden). Die Renditen seien über die gesamte Kurve hinweg gestiegen, aber die FED-Sitzung habe zu einer Verstärkung der Inversion geführt. Der Spread zwischen 10-jährigen und 2-jährigen Renditen liege unter -90 Basispunkten. Dennoch handle es sich nicht um eine überzogene Reaktion. Der Markt preise nur im Juli die Zinserhöhung voll ein und sei sich uneins darüber, was danach passieren werde. Es sei also alles angerichtet für volatile Märkte, die den Datenkalender genau im Blick halten würden.
Für die EUR-Zinsmärkte habe die Zinssitzung der EZB erhöhte Volatilität, aber keine Richtungsänderungen bewirkt. Der Aufwärtsdrift sei vor allem am kurzen Ende der Zinskurve (bzw. dt. Staatsanleiherenditekurve) befeuert worden. Zudem liebäugele der Markt wieder mit der Idee, dass die Terminal Rate (Einlagesatz) doch über der 3,75% Marke liegen könnte. Die Wahrscheinlichkeit sei sicher gestiegen.
Am Datenkalender dieser Woche stünden abermals vor allem Sentimentindikatoren auf der Agenda. Zum Ersten seien hier die Juni-PMIs für die Eurozone und die USA zu nennen. Wie bereits in den letzten Monaten stelle sich hier neuerlich die Frage, wie sich die derzeit in beiden Wirtschaftsräumen vorherrschende Divergenz zwischen dem Dienstleistungssektor und der Industrie weiter entwickeln werde. Während der Dienstleistungssektor beispielsweise in der Eurozone mit 55,1 Punkten zuletzt deutlich über der entscheidenden 50-Punkte Linie gelegen habe, habe die Industrie lediglich ein Niveau von 44,8 Punkten für sich verbuchen können. Auch in den USA habe der Index für die Dienstleistungen auf einem Level über 50 Punkten (54,9 Punkte) gelegen, während sich die Industrieaktivität im Vergleich zum Vormonat abgeschwächt habe (48,4 Punkte). Basierend auf ihren Modellen, würden Analysten der RBI hinsichtlich der Eurozone eine leichte Abnahme des Indikators für die Industrie auf 44,5 Punkte und eine stärkere Verringerung des Index für die Dienstleistungen auf 54,5 Punkte für realistisch halten.
Zum Zweiten würden auch die Juni-Zahlen zum Konsumentenvertrauen in der Eurozone erscheinen. Die RBI-Prognosen würden für diesen Indikator auf eine marginale Verschlechterung auf -17,6 Punkte (Mai: -17,4) hinweisen. Das Stimmungsbild der westlichen Wirtschaftsräume bleibe insgesamt also verhalten. (Ausgabe vom 16.06.2023) (19.06.2023/alc/a/a)
Die Federal Reserve habe die Leitzinsen konstant bei 5% bis 5,25% belassen. Sei dies das Ende des Zinserhöhungszyklus? Aktualisierte Prognosen würden nicht darauf hindeuten, da die Erwartung zur Terminal Rate um 50 Basispunkte nach oben angepasst worden sei. Ohne disinflationäre Überraschungen könnte die FED somit nach einer kurzen Verschnaufpause weiter anheben. Auch wenn die Analysten der RBI skeptisch gewesen seien, dass die FED nach einer Pause im Juni den Zinsanhebungszyklus im Juli fortsetze, müssten sie zugeben, dass dies nun die plausibelste Option darstelle. Die FED wolle einen datenabhängigen Ansatz beibehalten. Dabei solle die nächste Zinsentscheidung auf den Informationen seit Mai beruhen, womit ein guter Teil der Entscheidungsgrundlage schon bekannt sei. Immerhin sei die nächste Zinssitzung nur einen Monat entfernt.
In Summe spreche nunmehr viel für eine zunächst falkenhafte Ausrichtung der FED und eine Zinsanhebung im Juli. Da wir aber bei der US-Kerninflation - bis auf spezifische Kategorien (Mieten und Gebrauchtwagen) - disinflationäre Tendenzen erkennen können, gehen wir noch immer davon aus, dass sich der US-Zinserhöhungszyklus seinem Ende nähert, so die Analysten der RBI. Eine Zinserhöhung im September sei daher weniger sicher, als dies die Prognosen der FED vermuten lassen würden. Die FED möchte möglicherweise eine Lockerung des geldpolitischen Kurses über den Erwartungskanal zunächst vermeiden, bis sie mehr Sicherheit bezüglich der Nachhaltigkeit disinflationärer Kräfte habe. Vorerst würden die Analysten der RBI ihre Prognosen für US-Zinsen unter Revision stellen, würden diese aber bis spätestens Ende Juni aktualisieren.
In Frankfurt habe die EZB beschlossen, die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte anzuheben; der Einlagesatz liege nun bei 3,5%. Auch bei der Bilanz seien die Schrauben angezogen worden, da APP-Abreifungen ab Juli 2023 nicht mehr reinvestiert würden. Weitere Anpassungen der Bilanzpolitik seien nicht signalisiert worden. Die neuen Wirtschaftsprognosen würden auf einen persistenten Inflationsdruck bei geringerem Wirtschaftswachstum hindeuten. Die EZB erwarte ein BIP-Wachstum von 0,9% im Jahr 2023. Die Kerninflation sei auf 5,1% im Jahr 2023 und 3,0% im Jahr 2024 (jeweils +0,5%-Punkte) nach oben korrigiert worden. Dies sei ein Umfeld, in dem die EZB die geldpolitische Straffung fortsetzen werde, wenn auch mit Bedacht.
An den Finanzmärkten sei die FED-Sitzung als eine falkenhafte Überraschung wahrgenommen worden, was die Analysten der RBI auch so sähen. US-Treasury-Renditen seien gestiegen, insbesondere am kurzen Ende der Renditekurve. Die zweijährige Rendite werde nun zwischen 4,7% und 4,8% gehandelt, während sie in der vergangenen Woche bei etwa 4,5% gelegen habe (ein gewisser Aufwärtsdruck sei bereits in den Tagen vor der Zinssitzung entstanden). Die Renditen seien über die gesamte Kurve hinweg gestiegen, aber die FED-Sitzung habe zu einer Verstärkung der Inversion geführt. Der Spread zwischen 10-jährigen und 2-jährigen Renditen liege unter -90 Basispunkten. Dennoch handle es sich nicht um eine überzogene Reaktion. Der Markt preise nur im Juli die Zinserhöhung voll ein und sei sich uneins darüber, was danach passieren werde. Es sei also alles angerichtet für volatile Märkte, die den Datenkalender genau im Blick halten würden.
Für die EUR-Zinsmärkte habe die Zinssitzung der EZB erhöhte Volatilität, aber keine Richtungsänderungen bewirkt. Der Aufwärtsdrift sei vor allem am kurzen Ende der Zinskurve (bzw. dt. Staatsanleiherenditekurve) befeuert worden. Zudem liebäugele der Markt wieder mit der Idee, dass die Terminal Rate (Einlagesatz) doch über der 3,75% Marke liegen könnte. Die Wahrscheinlichkeit sei sicher gestiegen.
Am Datenkalender dieser Woche stünden abermals vor allem Sentimentindikatoren auf der Agenda. Zum Ersten seien hier die Juni-PMIs für die Eurozone und die USA zu nennen. Wie bereits in den letzten Monaten stelle sich hier neuerlich die Frage, wie sich die derzeit in beiden Wirtschaftsräumen vorherrschende Divergenz zwischen dem Dienstleistungssektor und der Industrie weiter entwickeln werde. Während der Dienstleistungssektor beispielsweise in der Eurozone mit 55,1 Punkten zuletzt deutlich über der entscheidenden 50-Punkte Linie gelegen habe, habe die Industrie lediglich ein Niveau von 44,8 Punkten für sich verbuchen können. Auch in den USA habe der Index für die Dienstleistungen auf einem Level über 50 Punkten (54,9 Punkte) gelegen, während sich die Industrieaktivität im Vergleich zum Vormonat abgeschwächt habe (48,4 Punkte). Basierend auf ihren Modellen, würden Analysten der RBI hinsichtlich der Eurozone eine leichte Abnahme des Indikators für die Industrie auf 44,5 Punkte und eine stärkere Verringerung des Index für die Dienstleistungen auf 54,5 Punkte für realistisch halten.
Zum Zweiten würden auch die Juni-Zahlen zum Konsumentenvertrauen in der Eurozone erscheinen. Die RBI-Prognosen würden für diesen Indikator auf eine marginale Verschlechterung auf -17,6 Punkte (Mai: -17,4) hinweisen. Das Stimmungsbild der westlichen Wirtschaftsräume bleibe insgesamt also verhalten. (Ausgabe vom 16.06.2023) (19.06.2023/alc/a/a)


