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FED-Sitzung als Highlight der Woche


08.12.25 09:05
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Letzte Woche standen die Inflationszahlen des Euroraums im Fokus, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Inflation habe im November bei 2,3% p.a. gelegen, die Kerninflation bei 2,5% p.a. - beides im Rahmen der Erwartungen. Das sei ein leichter Anstieg gegenüber den 2,1% im Oktober, hauptsächlich, weil die Energiepreise weniger stark dämpfend gewirkt hätten (-0,4% p.a. gegenüber -0,9% im Oktober). Entscheidend sei, dass die Kerninflation den dritten Monat in Folge relativ stabil bei 2,4% p.a. gelegen habe. Die Inflation im Dienstleistungssektor habe 3,5% erreicht und steige seit August allmählich an. RBI sehe das zwar nicht als Problem für die EZB, aber als Bestätigung ihrer Einschätzung, dass der Preisdruck im Dienstleistungssektor strukturell höher bleibe.
In dieser Woche falle der Datenkalender in der Eurozone relativ ruhig aus. Mit dem Sentix werde der erste Vorlaufindikator für Dezember erscheinen. Allerdings würden uns keine maßgebliche Veränderung erwarten, vielmehr dürfte die Maßzahl für die Stimmungslage auf den Finanzmärkten mit -7,7 Punkten ähnlich verhalten ausfallen, wie schon im Vormonat (-7,4). Nach einem deutlichen Anstieg während der Sommermonate sehe RBI also kein Potenzial für einen Stimmungsaufschwung vor dem Jahreswechsel. Darüber hinaus würden weitere nationale Zahlen zur Industrieproduktion das Bild zur Industrieentwicklung im Oktober komplettieren, bevor übernächste Woche die Daten zum Eurozonen-Aggregat veröffentlicht würden.

In den USA stünden weiterhin insbesondere alternative Kennzahlen zur aktuellen Lage der Wirtschaft im Fokus. Die diese Woche erschienenen ISM-Indizes würden dabei zwar ein verhaltenes, aber definitiv kein katastrophales Bild zeichnen. Der ISM für das verarbeitende Gewerbe habe unerwartet von 48,7 auf 48,2 Punkte abgenommen, der ISM für das nicht-verarbeitende Gewerbe marginal von 52,4 auf 52,6 Punkte zugelegt. Auch die ADP-Zahlen für November seien unter den Erwartungen zu liegen gekommen, die Beschäftigung im privaten Sektor habe der Veröffentlichung zufolge um 32 Tsd. Stellen abgenommen, erwartet worden sei ein Anstieg um 10 Tsd. Stellen. In dieser Woche würden die JOLTS-Daten für September einen zusätzlichen Rückblick auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes während der letzten Monate erlauben, der Arbeitsmarktbericht für November stehe hingegen erst am 16. Dezember am Veröffentlichungskalender des Bureau of Labor Statistics. Somit müsse die Federal Reserve auf ihrer Zinssitzung nächste Woche ohne die aktuellsten Daten auskommen, würden doch der November-Arbeitsmarktbericht, die November-Verbraucherpreisinflation und das Q3-BIP allesamt erst nach der Sitzung erscheinen.

Marktseitig gelte in dieser Woche zweifelsohne die FED-Sitzung als Highlight. Unter Analysten und am Zinsmarkt werde eine Zinssenkung erwartet. Diese sei keineswegs in Stein gemeißelt - die Meinungen im FOMC würden weit auseinandergehen. Gewichtige Stimmen, wie etwa der Präsidenten der New York FED, hätten jedoch zuletzt eine Präferenz für eine Zinssenkung signalisiert. Zusätzlich hätten US-Daten eher negativ überrascht, was auch für eine Zinssenkung spreche. RBI gehe somit von einer Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte aus. Neben der Zinsentscheidung stünden auch die FED-eigenen Prognosen, insbesondere der Ausblick für 2026, im Fokus. RBI erwarte Aufwärtsrevisionen beim BIP-Wachstum sowie bei der Arbeitslosenquote aber auch Abwärtsrevisionen bei der Inflation. 2026 sollte als Folge auch von einer Abwärtsrevision beim Leitzinsniveau zeigen. Ein Faktor, der auch dafür spreche, aber in den FED-eigenen Prognosen nicht widergespiegelt sein werde, sei der Einfluss eines neuen FED-Präsidenten. Trump habe sich bereits entschieden, gebe den Namen aber nicht preis. Kevin Hassett, Vorsitzender des National Economic Council, gelte als Favorit. Formal erfülle er sicherlich die nötigen Voraussetzungen, wie viel Einfluss das Weiße Haus auf ihn als FED-Vorsitzenden haben werde, sei unklar. Er gelte aber im Vergleich zu anderen Kandidaten als ein Trump-Verbündeter. Politische Einflussnahme könnte für den US-Leitzinsausblick 2026 also durchaus eine Rolle spielen. Dies sollte zu steileren US-Zinskurven und einem schwächeren US-Dollar führen. Beides sei in den RBI-Prognosen abgebildet. (08.12.2025/alc/a/a)