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FED-Sitzung im Fokus


16.09.24 09:50
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Während in den USA harte Konjunkturdaten (Industrieprodiktion, Einzelhandelsumsatz) im Vordergrund stehen, dominieren in der Eurozone sogenannte weiche Indikatoren (Stimmungsumfragen), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Schnellschätzung des Konsumentenvertrauens sei dabei von höherem Interesse als üblich. Immerhin habe in der jüngsten Vergangenheit die Konsumentwicklung in vielen Ländern der Währungsunion enttäuscht. Dies habe sich besonders deutlich in den BIP-Daten von Deutschland und Österreich niedergeschlagen und sei auch auf der dieswöchigen EZB-Sitzung ein diskutiertes Thema gewesen. Problem sei dabei weniger die Einkommensentwicklung, Konsumenten hätten zuletzt klar mehr in der Tasche gehabt - auch in realer Rechnung! Vielmehr sei die Kauflaune nicht gegeben gewesen und die Sparquoten hätten sich in den meisten Ländern der Eurozone erhöht.

Für den weiteren Konsum- und Konjunkturausblick sei also die Stimmung der Verbraucher von Relevanz. Zwar habe sich diese in der Währungsunion seit Jahresbeginn verbessert, im August sei aber eine Eintrübung gegeben gewesen. Umfragen von IPSOS würden für September sehr deutliche Verbesserungen in Deutschland und Frankreich ausweisen. Die Analysten würden daher bei der anstehenden Umfrage der EU-Kommission auf eine Aufhellung setzen, womit der zugrundeliegende Aufwärtstrend intakt wäre.

Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte und eine Verringerung des Leitzinskorridors hätten die Highlights der September Zinssitzung des EZB-Rats gebildet. Letzteres sollte nicht als geldpolitisches Signal gedeutet werden. So lange die Überschussliquidität in der Eurozone nicht in niedrigere Sphären vordringe, seien die Implikationen auf die Geldmarktsätze marginal. Signale für das weitere Vorgehen seien wie erwartet ausgeblieben.

Die Kombination aus anhaltender Konjunktur-Schwäche und persistenter Dienstleistungspreisinflation stelle die EZB vor keine leichte Aufgabe. Die Prognose zum BIP-Wachstum sei von der EZB etwas nach unten revidiert worden, während jene für die Kern-Inflation nun höher angesetzt werde. Die Analysten würden der Zinssitzung keine Signale entnehmen, um an ihrer Erwartung einer Zinssenkung im Dezember - und keiner im Oktober - etwas zu ändern.

Spannender als die EZB-Sitzung vergangene Woche werde wohl die FED-Sitzung diese Woche. Eine Zinssenkung sei vorprogrammiert, das Ausmaß - 25 oder 50 Basispunkte - werde am Finanzmarkt aber heftig debattiert. Aktuell werde einer Zinssenkung um 25 Basispunkte eine etwas größere Wahrscheinlichkeit beigemessen. Dies spiegele auch die Erwartung der Analysten wider. Klar sei aber, dass obgleich des Ausmaßes eine Marktreaktion, in die eine oder andere Richtung, anstehe.

Nach wie vor preise der Zinsmarkt mehr als 100 Basispunkte an Zinssenkungen bis Jahresende, was zumindest eine Zinssenkung um 50 Basispunkte impliziere. Die Analysten würden eher Enttäuschungspotenzial sehen. Dass sich die FED diese Woche aktiv gegen das aktuelle Marktpricing stelle, würden die Analysten aber als unwahrscheinlich erachten. Vielmehr werde der datengetriebene Ansatz betont werden. Aufgrund der neuen Wirtschaftsprognosen, die auch eine Einschätzung zu den Leitzinsen enthalte, könne sich die FED der Diskussion aber nicht ganz entziehen.

Solange sich der Arbeitsmarkt in einer kontrollierten Art und Weise abkühle und sich das Inflations-Momentum auf dem aktuellen Niveau einpendele, was es im August getan habe, seien die Analysten der Meinung, dass Zinssenkungen von je 25 Basispunkte auf jeder der bevorstehenden Sitzungen den Median des Dot-Plots für 2024 bilden könnte. Neben den Prognosen werde der Fokus auch auf der Pressekonferenz liegen, um zu sehen wie besorgt sich FED Präsident Powell um den Arbeitsmarkt (und die Konjunktur) zeige. (Ausgabe vom 13.09.2024) (16.09.2024/alc/a/a)