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FED: Debatte um Tapering steht im Mittelpunkt
20.09.21 09:20
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen steht der Datenkalender ganz im Zeichen von Umfrageindikatoren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Ausbreitung der Delta-Variante habe zuletzt in den USA die Wirtschaftsdaten negativ beeinflusst und auch in Europa würden in vielen Ländern neuerliche Einschränkungen zumindest angedacht. Doch auch ohne Restriktionen würden die Analysten in den kommenden Monaten einen nach unten gerichteten Trend bei den Stimmungsindikatoren erwarten. Man dürfe nicht übersehen, dass viele Umfragen darauf abzielen würden, wie sich ein gewisser Aspekt (Zukunftsaussichten, Lage, Aufträge, Beschäftigung, Preise, etc.) verändert habe (verbessert, unverändert, verringert). Sobald der stärkste Impuls aus dem Hochfahren der Geschäftsaktivität abflaue, sei es nur natürlich, dass sich der Anteil an positiven Antworten verringere und sich somit die Indikatoren zurückbilden würden.
Nach Meinung der Analysten werde es zunächst nicht eindeutig zu beantworten sein, ob und wie stark die beschriebene Logik die allgemein erwartete Eintrübung der Stimmungsindikatoren treibe oder die Delta-Variante die wirtschaftliche Entwicklung hemme. Nach Meinung der Analysten werde sich der Konjunkturaufschwung zwar abkühlen, aber werde durch Delta nicht abgewürgt. Neben den Gesamtergebnissen stünden bei den anstehenden Umfragen auch die Details im Fokus. Die Indikatoren für Lieferzeiten und Inputpreise seien auf ein Allzeithoch emporgeschossen und hätten zuletzt ein wenig nachgegeben.
Viele würden in den hohen Umfragewerten ein Zeichen sehen, dass sich die hohe Inflation noch länger halten werde. Dieses Risiko sei in den USA sicher stärker gegeben als in der Eurozone. Letztlich werde dort wie da entscheidend sein, ob die höheren Preisanhebungen eher einmalig auftreten würden (Wiederöffnung), oder auch eine zweite und dritte Runde mit stärkeren Preisanpassungen nach oben zu beobachten sei (Verfestigung in eine höhere Inflation).
Auf der zweitägigen Zinssitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Federal Reserve stehe die Debatte um das Tapering im Mittelpunkt. Nachdem sich FED Präsident Powell in Jackson Hole zu dem Thema eher bedeckt gehalten habe, sei die September Zinssitzung in den Fokus gerückt. Powell habe sowohl auf den starken Arbeitsmarktbericht im Juli als auch auf die Risiken der Delta-Variante verwiesen. Seit Jackson Hole seien vor allem die sich manifestierenden Delta-Risiken bestimmend gewesen. Ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht im August (235 Tsd. neue Stellen vs. 728 Tsd. erwartet) und ein schwächer als erwarteter Anstieg der Verbraucherpreise (Kernrate: +0,1 % p.m.) hätten die Wahrscheinlichkeit einer Tapering-Ankündigung auf der Zinssitzung im September verringert.
Auch wenn ein klares Signal der US-Notenbank nun nicht mehr erwartet werde, würden die Analysten nicht denken, dass die Delta-Risiken den mittelfristigen Ausblick substantiell ändern würden. Die Federal Reserve werde im Jahr 2022 die monatlichen Anleihekäufe auf null (netto, also exklusive Reinvestitionen) reduzieren. Für das Timing und die Markterwartungen einer ersten Leitzinserhöhung würden die sich stärker manifestierenden Delta-Risiken jedoch eine Rolle spielen.
Je später und gradueller das Tapering ausfallen werde, desto unwahrscheinlicher werde auch eine erste Zinserhöhung 2022 (die Analysten würden den ersten Zinsschritt 2023 erwarten). In diesem Hinblick seien wohl auch die zur Veröffentlichung anstehenden Prognosen der Notenbank zu beachten. Zuletzt, im Juni, hätten diese erstmals die Möglichkeit eines ersten Zinsschritts 2023 gezeigt. Würde dies nun bereits für das Jahr 2022 angedeutet werden, wovon die Analysten nicht ausgehen würden, könnte dies einen prononcierteren Anstieg der Treasury Renditen und eine Aufwertung des US-Dollar mit sich ziehen.
Neben den Leitzinsen werde man auch der Inflationsprognose Beachtung schenken. Dass es bei der Inflationsprognose für das Jahr 2021 einer Aufwärtsrevision bedürfe, stehe außer Frage. Interessant werde vielmehr sein, wie deutlich eine mögliche Aufwärtsrevision für die Folgejahre ausfallen werde. Auch aufgrund der zuletzt schwächer als erwartete Preisdynamik werde man aber wohl kaum von der Einschätzung von großteils vorübergehenden Inflationsanstiegen abweichen. Anzeichen eines nachhaltigeren Inflationsdrucks würden als hawkishes Signal betrachtet werden. (Ausgabe vom 17.09.2021) (20.09.2021/alc/a/a)
Die Ausbreitung der Delta-Variante habe zuletzt in den USA die Wirtschaftsdaten negativ beeinflusst und auch in Europa würden in vielen Ländern neuerliche Einschränkungen zumindest angedacht. Doch auch ohne Restriktionen würden die Analysten in den kommenden Monaten einen nach unten gerichteten Trend bei den Stimmungsindikatoren erwarten. Man dürfe nicht übersehen, dass viele Umfragen darauf abzielen würden, wie sich ein gewisser Aspekt (Zukunftsaussichten, Lage, Aufträge, Beschäftigung, Preise, etc.) verändert habe (verbessert, unverändert, verringert). Sobald der stärkste Impuls aus dem Hochfahren der Geschäftsaktivität abflaue, sei es nur natürlich, dass sich der Anteil an positiven Antworten verringere und sich somit die Indikatoren zurückbilden würden.
Nach Meinung der Analysten werde es zunächst nicht eindeutig zu beantworten sein, ob und wie stark die beschriebene Logik die allgemein erwartete Eintrübung der Stimmungsindikatoren treibe oder die Delta-Variante die wirtschaftliche Entwicklung hemme. Nach Meinung der Analysten werde sich der Konjunkturaufschwung zwar abkühlen, aber werde durch Delta nicht abgewürgt. Neben den Gesamtergebnissen stünden bei den anstehenden Umfragen auch die Details im Fokus. Die Indikatoren für Lieferzeiten und Inputpreise seien auf ein Allzeithoch emporgeschossen und hätten zuletzt ein wenig nachgegeben.
Auf der zweitägigen Zinssitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Federal Reserve stehe die Debatte um das Tapering im Mittelpunkt. Nachdem sich FED Präsident Powell in Jackson Hole zu dem Thema eher bedeckt gehalten habe, sei die September Zinssitzung in den Fokus gerückt. Powell habe sowohl auf den starken Arbeitsmarktbericht im Juli als auch auf die Risiken der Delta-Variante verwiesen. Seit Jackson Hole seien vor allem die sich manifestierenden Delta-Risiken bestimmend gewesen. Ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht im August (235 Tsd. neue Stellen vs. 728 Tsd. erwartet) und ein schwächer als erwarteter Anstieg der Verbraucherpreise (Kernrate: +0,1 % p.m.) hätten die Wahrscheinlichkeit einer Tapering-Ankündigung auf der Zinssitzung im September verringert.
Auch wenn ein klares Signal der US-Notenbank nun nicht mehr erwartet werde, würden die Analysten nicht denken, dass die Delta-Risiken den mittelfristigen Ausblick substantiell ändern würden. Die Federal Reserve werde im Jahr 2022 die monatlichen Anleihekäufe auf null (netto, also exklusive Reinvestitionen) reduzieren. Für das Timing und die Markterwartungen einer ersten Leitzinserhöhung würden die sich stärker manifestierenden Delta-Risiken jedoch eine Rolle spielen.
Je später und gradueller das Tapering ausfallen werde, desto unwahrscheinlicher werde auch eine erste Zinserhöhung 2022 (die Analysten würden den ersten Zinsschritt 2023 erwarten). In diesem Hinblick seien wohl auch die zur Veröffentlichung anstehenden Prognosen der Notenbank zu beachten. Zuletzt, im Juni, hätten diese erstmals die Möglichkeit eines ersten Zinsschritts 2023 gezeigt. Würde dies nun bereits für das Jahr 2022 angedeutet werden, wovon die Analysten nicht ausgehen würden, könnte dies einen prononcierteren Anstieg der Treasury Renditen und eine Aufwertung des US-Dollar mit sich ziehen.
Neben den Leitzinsen werde man auch der Inflationsprognose Beachtung schenken. Dass es bei der Inflationsprognose für das Jahr 2021 einer Aufwärtsrevision bedürfe, stehe außer Frage. Interessant werde vielmehr sein, wie deutlich eine mögliche Aufwärtsrevision für die Folgejahre ausfallen werde. Auch aufgrund der zuletzt schwächer als erwartete Preisdynamik werde man aber wohl kaum von der Einschätzung von großteils vorübergehenden Inflationsanstiegen abweichen. Anzeichen eines nachhaltigeren Inflationsdrucks würden als hawkishes Signal betrachtet werden. (Ausgabe vom 17.09.2021) (20.09.2021/alc/a/a)


