Entwicklung auf den Kapitalmärkten: Inflation belastet Wachstum weiterhin


27.06.24 12:56
Bankhaus Carl Spängler & Co

Salzburg (www.anleihencheck.de) - Die globalen Konjunkturdaten waren zuletzt gemischt: Während die Eurozone die Talsohle durchschritten hat und sich leicht erholt, sind in den USA Bremsspuren zu erkennen, so die Experten vom Bankhaus Carl Spängler & Co.

Das Salzburger Bankhaus Spängler gehe von einem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft aus. Aufgrund der Hartnäckigkeit der Inflation dürften die erwarteten Zinssenkungen verhaltener ausfallen. "Auch sind verschiedene Risiken zu beachten, vor allem in den Bereichen Geopolitik und Staatsverschuldung. Dennoch: Der Optimismus bleibt", würden die Experten der ältesten Privatbank Österreichs in ihrem aktuellen Kapitalmarktausblick erklären.

Die Aussichten würden derzeit sowohl in den USA als auch in Europa durch den Mangel an Arbeitskräften, insbesondere in der Industrie, belastet. "Gleichzeitig ist das Lohnwachstum in beiden Regionen hoch, was wiederum die Inflation anheizt", sage Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler. "Diese ist zwar insgesamt rückläufig, doch hat sich dieser Trend zuletzt verlangsamt. Das Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbanken scheint schwierig zu erreichen zu sein."

Ein Problem für die EZB sei auch die Heterogenität der Inflationsentwicklungen in den Euroländern. So würden die Preise in Österreich weiter sinken, während sie in Spanien bereits wieder leicht steigen würden. Zuletzt habe die Europäische Zentralbank die Zinsen erstmals seit 2022 leicht gesenkt, gleichzeitig ihre Inflationsprognose aber etwas überraschend wieder angehoben. Das alles zeige: "Der Kampf gegen die Inflation wird uns wohl noch länger beschäftigen", so Dürnberger. Die Marktteilnehmer:innen würden in diesem Jahr jedenfalls nur noch ein bis zwei Zinssenkungen für EZB und FED erwarten.

Aus geldpolitischer Sicht interessant sei auch ein Blick auf die Anleihekaufprogramme der Zentralbanken. Sowohl die EZB als auch die FED hätten in den letzten Jahren versucht, diese Programme zurückzufahren und damit ihre Bilanzen zu reduzieren, dennoch würden sie sich immer noch auf einem sehr hohen Niveau befinden. "Und das bereitet den Kapitalmärkten Sorgen, denn im Falle einer erneuten Staatsschuldenkrise wäre nicht mehr viel Pulver trocken, um diese Krise zu bekämpfen", sage Nils Kottke, Mitglied des Vorstandes im Bankhaus Spängler.

Die Lage an den Aktienmärkten zeige, dass sich diese in diesem Jahr bisher gut geschlagen und mehrfach Rekordstände erreicht hätten. In den USA würden sich die Big Player Apple, NVIDIA und Microsoft ein "Elefantenrennen" um den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt liefern. "In Europa sorgte die EU-Wahl für deutliche Unruhe, zumindest kurzfristig gaben die Indices nach. Aktuell ist aber bereits wieder ein leichter Aufwärtstrend zu beobachten", so Asset Manager Dürnberger. "Fest steht: Es bleibt spannend, insbesondere mit Blick auf die von Präsident Emmanuel Macron ausgerufenen Parlamentswahlen in Frankreich in den kommenden Wochen." (27.06.2024/alc/a/a)