EZB senkt die Leitzinsen erneut - Trumps Zoll-Schock trägt wesentlich dazu bei


22.04.25 09:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Unseren Erwartungen zufolge sollte die nächste Woche abermals verdeutlichen, dass sich die jüngste Unsicherheit bezüglich der US-Zölle bereits auf die allgemeine Stimmungslage durchschlägt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Nachdem mit dem Sentix und dem ZEW bereits zwei Stimmungsindikatoren mit Finanzmarktbezug deutliche Einbußen hätten hinnehmen müssen, stünden nächste Woche Veröffentlichungen betreffend die Stimmungslage unter Unternehmen sowie Konsumentinnen und Konsumenten an. Das Highlight würden dabei die PMI-Schnellschätzungen für April markieren. Man prognostiziere für die Industriekomponenten der PMIs in der Eurozone, Deutschland und Frankreich klare Rückgänge. Nach der positiven Entwicklung der letzten Monate, welche wohl auch von Vorzieheffekten angesichts drohender US-Zölle begünstigt worden sei, lege sich die Stimmungslage aufgrund der erratischen Vorgehensweise Donald Trumps nun also wieder deutlich eintrüben, insbesondere die (Export-)Neuaufträge könnten einen empfindlichen Rückschlag erfahren. Die Dienstleistungs-PMIs sollten ebenso die gestiegene globale Unsicherheit reflektieren, obgleich der Rückgang hier schwächer ausfallen dürfte. In den US-PMIs manifestiere sich ein ähnliches Bild. Auch der deutsche ifo-Index deute wohl auf eine Verschlechterung der Zukunftsaussichten hin, man veranschlage einen Rückgang der Zukunftserwartungen von 87,7 auf 82,3 Punkte, während die Komponente zur aktuellen Lage bei 85,7 Punkten stagnieren sollte. Der Geschäftsklimaindex lege vor diesem Hintergrund von 86,7 auf 84 Punkte fallen. Hinsichtlich des Konsumentenvertrauens in der Eurozone erwarte man sich ebenfalls einen Rückgang (von -14,5 auf -16 Punkte). Die angesprochenen Stimmungsindikatoren würden also weitere Warnhinweise bezüglich der Konjunkturentwicklung geben. Ob sich diese auch in einer tatsächlichen Verschlechterung der realwirtschaftlichen Daten niederschlagen würden, werde erst in den kommenden Monaten ersichtlich werden.

Die EZB habe die Leitzinsen erneut gesenkt. Der Einlagesatz befinde sich nun bei 2,25%. Trumps Zoll-Schock habe wesentlich dazu beigetragen. Auch wenn EZB-Präsidentin Lagarde die Auswirkungen des Schocks auf die Inflation der Eurozone noch nicht habe bewerten wollen, seien die Verwerfungen an den Finanzmärkten ausreichend gewesen, um den EZB-Rat von einer Zinssenkung zu überzeugen. Die EZB halte sich hinsichtlich des weiteren Vorgehens noch bedeckt, für uns sei die Richtung aber klar: es gehe noch weiter! Details zur EZB-Zinssitzung seien hier zu entnehmen: Blickpunkt EZB: Zoll-Schock führe zu Zinssenkung.

Im Zuge der veränderten globalen Rahmenbedingungen rund um die US-Zollpolitik habe man seine Zinsprognosen für die Eurozone und die USA überarbeitet. Im Unterschied zum EZB-Rat sei man zuversichtlicher, dass der Zoll-Schock für die Eurozone disinflationär wirken werde. Die Wahrscheinlichkeit für weitere Zinssenkungen habe sich erhöht, auch weil mittelfristige inflationäre Auswirkungen der lockereren europäischen Fiskalpolitik in der aktuellen Situation an Bedeutung verlören. Als Konsequenz habe man die Prognose für den finalen EZB-Leitzinssatz für Jahresende auf 1,75 % reduziert – Zinssenkungen im Juni und September. Dies lege dämpfend auf die Prognosen der Bund-Renditen. Auswirkungen des deutschen Fiskal-Schocks seien aber am Bund-Markt nach wie vor spürbar. Die Bund-Kurve bleibe auch in den neuen Prognosen steil, um das größere Angebot an deutschen Staatsanleihen in den kommenden Jahren zu reflektieren. In einem Umfeld, wo der Sichere-Hafen-Status des US-Dollars angezweifelt werde, denke man aber, dass die internationale Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen groß bleiben dürfte. Letzteres sehe man vor allem in den nächsten Monaten als prägend für den Zinsmarkt, wo auch die politische Unsicherheit erhöht bleiben könnte, nachdem im Jahresverlauf 2026 die Angebotseffekte Deutschlands renditeerhöhend wirken würden.

Im Vergleich zur EZB befinde sich die Fed in einer unkomfortableren Situation. Stagflations-Szenarien – weniger Wachstum aber mehr Inflation – seien für Notenbanken immer schwierig zu navigieren. Auch aufgrund der Inflationserfahrung in den letzten Jahren, wo der Inflationsschock in seinen Anfängen fälschlicherweise als vorübergehend eingeschätzt worden sei, denke man, dass die Fed mit dieser Einschätzung in der aktuellen Situation vorsichtiger umgehen werde als 2021. Auch deshalb gehe man auf Sicht der nächsten Monate von einer weniger dovishen Fed aus als aktuell am Markt gepreist. Zinssenkungen könnten aber im zweiten Halbjahr beginnen, man prognostiziere eine Zinssenkung gegen Jahresende, würde aber zwei Zinssenkungen ebenfalls nicht ausschließen. Der Zinssenkungszyklus lege unserer Meinung nach vor allem 2026 stärker Fahrt aufnehmen. Treasury-Renditen könnten somit kurzfristig etwas steigen, bevor sie mittelfristig fallen. Dies solle vor allem für kürzere Laufzeiten gelten, da Durationsrisikoprämien am langen Ende der Treasury-Kurve erhöht bleiben sollten. Man prognostiziere eine steilere Treasury-Kurve.

Bei EUR/USD sehe man in der kurzen Frist angesichts des aktuell stark negativen Sentiments gegenüber dem US-Dollar und der daraus resultierenden sehr bullishen EUR/USD-Marktpositionierung noch Potenzial für Rücksetzer, sobald sich die Stimmungslage wieder etwas normalisiere (Q2: 1,11). Darüber hinaus solle der Euro aber weiterhin gegenüber dem Greenback zulegen können, erwarte man doch in der zweiten Jahreshälfte eine Wiederaufnahme der Zinssenkungen durch die Fed, während die EZB ihren Senkungszyklus beenden sollte. Man halte Jahresendwerte von 1,17 für realistisch. Im Jahr 2026 könne EUR/USD sogar streckenweise bei 1,20 notieren, bevor sich das Währungspaar bei 1,18 einpendele. Die aktuelle Skepsis gegenüber des Safe-Haven-Status des US-Dollars könne auch in der Zukunft Bestand haben, allerdings erwarte man in seinem Basisszenario keine drastische Verschlechterung des Vertrauens in die Leitwährung. (Ausgabe vom 17.04.2025) (22.04.2025/alc/a/a)






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