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EZB bleibt vorsichtig - aber eine Zinssenkung bis Jahresende wahrscheinlich
04.08.25 09:15
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die vorläufige Schätzung für die Inflation der Eurozone im Juli fiel auf 2,0% p.a. für die Gesamtrate und 2,3% p.a. für die Kernrate, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Damit sei die RBI Einschätzung sowie jene des Marktes erfüllt worden. Es gebe aber ein paar interessante Details. Erstens sähen sehen wir weiterhin einen stetigen Anstieg der Preise für unverarbeitete Lebensmittel, diese sind im Juli um 5,4% p.a. gestiegen, so die Analysten der RBI. Dieser Trend deute darauf hin, dass die Lebensmittelinflation, die derzeit bei 3,3% p.a. liege, in naher Zukunft wahrscheinlich hoch bleiben werde. Zweitens scheine die Dienstleistungsinflation mit 3,1% p.a. endlich in den Zielbereich der EZB gekommen zu sein. Die jüngste Entscheidung der US-Regierung über Zölle auf EU-Waren dürfte die Inflationsaussichten nicht wesentlich verändern. Die endgültigen Auswirkungen würden jedoch davon abhängen, welche Zölle auf Produkte anderer globaler Märkte erhoben würden.
Bereits zuvor habe die FED die Leitzinsen bei 4,25% bis 4,5% belassen. Die abwartende Haltung werde aber nicht mehr von allen Mitgliedern des Offenmarktausschusses geteilt, da zwei von neun stimmberechtigten Mitgliedern eine Zinssenkung bevorzugt hätten. Abgesehen von der Ergänzung, dass sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt habe, habe sich die Einschätzung der FED zur Wirtschaftslage nicht wesentlich verändert. Solange der Arbeitsmarkt stabil bleibe, liege der Fokus weiterhin auf der (Zoll-)Inflation. Powell gelinge es nach wie vor, einen nicht politisch beeinflussten, datenabhängigen Eindruck hinsichtlich der US-Geldpolitik zu vermitteln. Dies bestärkt uns in der Ansicht, dass die FED erst im vierten Quartal mit Zinssenkungen beginnen werde, und die Märkte scheinen an dieser Idee, zumindest vor der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts, Gefallen zu finden, so die Analysten der RBI.
Die bevorstehende Veröffentlichung der Verbraucherpreisinflation werde für die Marktstimmung entscheidend sein. Im Mittelpunkt werde stehen, ob die Juli-Zahlen der CPI-Inflation dem Juni folgen würden, indem Zolleffekte stärker widergespiegelt würden. Die Zollinflation dürfte am deutlichsten bei den Kern-Gütern zu spüren sein. Überraschungen in dieser Kategorie könnten daher zu einer hawkischen Marktreaktion führen. Das gelte aber nur, solange die Voraussetzung eines stabilen Arbeitsmarktes gegeben sei.
Auch bei der EZB bewerte der Markt die Lage nun hawkischer. Im Juli habe die EZB beschlossen, die Leitzinsen unverändert bei einem Einlagensatz von 2% zu belassen. Die Wetten auf weitere Zinssenkungen im Laufe des Jahres hätten keinen zusätzlichen Auftrieb bekommen, obwohl die EZB die Inflationsrisiken nun direkter berücksichtigen wolle. Lagarde habe sich bei der Pressekonferenz abwartend in Hinblick auf Zinssenkungen gezeigt. Zumindest ein Teil des EZB-Rats möchte wohl abwarten, wie sich das Zollabkommen auf die Wirtschaft auswirke. Sollte sich die Inflation aufgrund einer schwächeren Kerninflation und eines verlangsamten Lohnwachstums abschwächen, würden die Analysten der RBI davon ausgehen, dass die EZB zu einer weiteren Leitzinssenkung neigen werde. Ob dies bereits im September der Fall sein werde, bleibe abzuwarten, doch die Analysten der RBI würden an ihrer Einschätzung festhalaten, dass der Einlagensatz der EZB zum Jahresende bei 1,75% liegen werde. (Ausgabe vom 01.08.2025) (04.08.2025/alc/a/a)
Damit sei die RBI Einschätzung sowie jene des Marktes erfüllt worden. Es gebe aber ein paar interessante Details. Erstens sähen sehen wir weiterhin einen stetigen Anstieg der Preise für unverarbeitete Lebensmittel, diese sind im Juli um 5,4% p.a. gestiegen, so die Analysten der RBI. Dieser Trend deute darauf hin, dass die Lebensmittelinflation, die derzeit bei 3,3% p.a. liege, in naher Zukunft wahrscheinlich hoch bleiben werde. Zweitens scheine die Dienstleistungsinflation mit 3,1% p.a. endlich in den Zielbereich der EZB gekommen zu sein. Die jüngste Entscheidung der US-Regierung über Zölle auf EU-Waren dürfte die Inflationsaussichten nicht wesentlich verändern. Die endgültigen Auswirkungen würden jedoch davon abhängen, welche Zölle auf Produkte anderer globaler Märkte erhoben würden.
Die bevorstehende Veröffentlichung der Verbraucherpreisinflation werde für die Marktstimmung entscheidend sein. Im Mittelpunkt werde stehen, ob die Juli-Zahlen der CPI-Inflation dem Juni folgen würden, indem Zolleffekte stärker widergespiegelt würden. Die Zollinflation dürfte am deutlichsten bei den Kern-Gütern zu spüren sein. Überraschungen in dieser Kategorie könnten daher zu einer hawkischen Marktreaktion führen. Das gelte aber nur, solange die Voraussetzung eines stabilen Arbeitsmarktes gegeben sei.
Auch bei der EZB bewerte der Markt die Lage nun hawkischer. Im Juli habe die EZB beschlossen, die Leitzinsen unverändert bei einem Einlagensatz von 2% zu belassen. Die Wetten auf weitere Zinssenkungen im Laufe des Jahres hätten keinen zusätzlichen Auftrieb bekommen, obwohl die EZB die Inflationsrisiken nun direkter berücksichtigen wolle. Lagarde habe sich bei der Pressekonferenz abwartend in Hinblick auf Zinssenkungen gezeigt. Zumindest ein Teil des EZB-Rats möchte wohl abwarten, wie sich das Zollabkommen auf die Wirtschaft auswirke. Sollte sich die Inflation aufgrund einer schwächeren Kerninflation und eines verlangsamten Lohnwachstums abschwächen, würden die Analysten der RBI davon ausgehen, dass die EZB zu einer weiteren Leitzinssenkung neigen werde. Ob dies bereits im September der Fall sein werde, bleibe abzuwarten, doch die Analysten der RBI würden an ihrer Einschätzung festhalaten, dass der Einlagensatz der EZB zum Jahresende bei 1,75% liegen werde. (Ausgabe vom 01.08.2025) (04.08.2025/alc/a/a)


