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EZB bleibt auf Zinssenkungskurs - FED-Sitzung in zwei Wochen im Fokus


28.04.25 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Hinsichtlich der in der laufenden Woche erscheinenden April-HVPI-Schnellschätzung für den Euroraum erwarten wir kaum eine Veränderung der jährlichen Dynamik im Vergleich zu den März-Werten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Gesamtinflation sollte mit 2,1% p.a. etwas niedriger ausfallen, die Kerninflation mit 2,5% p.a. etwas höher. Der Rückgang der Rohölpreise und damit auch der Kraftstoffpreise drücke die Energieinflation weiter in den negativen Bereich. Die Lebensmittelinflation dürfte dagegen mit 3,0% p.a. recht hoch bleiben. In diesem Jahr sei Ostern in den April gefallen, anders als im letzten Jahr in den März, was die monatlichen Zahlen aufgrund der Feiertagsausgaben in die Höhe treiben sollte. Dennoch dürfte die Inflationsrate der Dienstleistungen dank bestehender dämpfender Faktoren im März bei 3,5% p.a. verharren. Für Mai werde ein Rückgang der Dienstleistungsinflation auf 3% p.a. erwartet, was den Weg der EZB in Richtung weiterer Zinssenkungen ebnen könnte.

Nach hektischen Wochen sei am Zinsmarkt etwas Ruhe zurückgekehrt - die Volatilität an den Zinsmärkten sei gesunken. Verbale Attacken Trumps gegen FED-Präsident Powell hätten nur zu vorübergehenden Schwankungen zu Beginn dieser Woche geführt. Es sei aber wichtig zu betonen, dass trotz der jüngsten Stabilisierung die Zoll-Ankündigung von Anfang April immer noch spürbar sei. Benchmark-Renditen seien aufgrund von dovisheren Notenbank-Erwartungen am kurzen Ende der Kurve gesunken, Rendite-Kurven seien steiler geworden (insbesondere in den USA) und der US-Dollar habe deutlich abgewertet.

Die EZB habe auf der jüngsten Zinssitzung eine dovishere Haltung eingenommen, welche die Analysten der RBI auch durch Äußerungen einiger EZB-Ratsmitglieder im Zuge der IWF-Tagung in Washington unterstützt sähen. Die nächste Zinssitzung der US-Notenbank FED finde in zwei Wochen statt. Neben einer Einschätzung der aktuellen zollpolitischen Unsicherheit würden auch jüngste Entwicklungen am Arbeitsmarkt und bei der Inflation wichtig sein. Sowohl zum US-Arbeitsmarkt als auch zur PCE-Inflation stünden diese Woche wichtige Datenveröffentlichungen an.

Die Diskussion rund um Negativzinsen in der Schweiz sei zurück. Nach nur wenigen Wochen des Aufatmens befinde sich die schweizerische Nationalbank (SNB) wieder in einer schwierigen Situation. Die Schweiz sehe sich einer sehr niedrigen Inflation gegenüber (März: 0,3% p.a.), die durch die starke heimische Währung noch zusätzlich gedämpft werde. Zu den Deflationsrisiken geselle sich noch eine schwierige geopolitische Lage, die die Wachstumsaussichten trübe und ein US-Präsident, der am Image des Dollar als sicherer Hafen kratze. Das zusammen habe EUR/CHF auf Talfahrt geschickt. Zwar habe sich der Wechselkurs wieder etwas erholt, doch das Aufwertungsrisiko bleibe bestehen. Die Analysten der RBI sähen dadurch mehr Handlungsbedarf seitens der SNB, um die Preisstabilität zu wahren, und würden nun wieder einen Zinsschritt im Juni prognostizieren, wonach sie dann eine Pause sähen. Damit würden die Analysten der RBI auch berücksichtigen, dass die SNB den Zinssatz als primäres Mittel sehe und weniger an den Devisenmärkten aktiv sei. Die Risiken ihrer Prognose sähen die Analysten der RBI derzeit nach unten gerichtet. (Ausgabe vom 25.04.2025) (28.04.2025/alc/a/a)