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EZB belässt Zinsen unverändert - Lagarde bleibt vorsichtig


31.10.25 08:52
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet beließ die EZB die Zinsen auch beim heutigen Meeting unverändert, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Inflation liege weiterhin in der Nähe des mittelfristigen Zielwerts von 2% und die Wirtschaft habe trotz eines schwierigen globalen Umfelds weiter zulegen können. Hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise habe man keine nennenswerten Details durchblicken lassen. Dennoch verfestigt sich der Eindruck, dass uns die aktuellen Zinsniveaus noch länger begleiten können, so die Analysten der RBI.

Der EZB-Rat habe auf der gestrigen Sitzung beschlossen, die Leitzinsen wie schon im September und im Juli unverändert auf dem aktuellen Niveau zu belassen. Somit würden der Einlagesatz und der Hauptrefinanzierungssatz bei 2% bzw. 2,15% verweilen. Die begleitende Presseaussendung betone den Umstand, dass die Inflation weiterhin in der Nähe des mittelfristigen Zielwerts von 2% liege, und dass die Beurteilung der Inflationsaussichten durch den EZB-Rat weitgehend unverändert ausfalle. Neu sei die Feststellung, dass die Wirtschaft trotz des schwierigen globalen Umfelds weiterhin gewachsen sei, und dass dies unter anderem durch einen robusten Arbeitsmarkt, solide Bilanzen im privaten Sektor und die vergangenen Leitzinssenkungen des EZB-Rats unterstützt worden sei. Den Ausblick bewerte der EZB-Rat angesichts anhaltender globaler Handelskonflikte und geopolitischer Spannungen abermals als unsicher.

Bei der Pressekonferenz habe sich EZB-Vorsitzende Christine Lagarde bemüht, sich hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise nicht allzu sehr in die Karten blicken zu lassen. Lagarde sehe die EZB in geldpolitischer Hinsicht weiterhin gut positioniert. Sie habe sich zu keiner Einschätzung hinreißen lassen, ob eine mögliche zukünftige Zinssenkung ähnlich wahrscheinlich sei wie eine zukünftige Zinsanhebung. Hinsichtlich der Risikobalance betone sie, dass einige Abwärtsrisiken bezüglich des Wachstumsausblicks zuletzt abgenommen hätten (Handelsdeal zwischen den USA und Europa, Waffenstillstand im Nahen Osten, Fortschritte im Handelskonflikt zwischen den USA und China), aber dass die Unsicherheit weiterhin erhöht bleibe. Die Inflationsrisiken sehe man in der EZB aktuell als einigermaßen ausgewogen an. Jedenfalls werde die weitere Vorgehensweise wie gehabt auf der vorliegenden Datenlage basieren und von Meeting zu Meeting festgelegt werden.

Auf den Finanzmärkten habe die (erwartete) Vorgehensweise der EZB zu keiner nennenswerten Reaktion geführt. Die Renditen deutscher Bundesanleihen hätten sich kaum vom Fleck bewegt und auch EUR/USD habe durch die Ankündigung keinen nennenswerten Impuls erfahren. Die Märkte würden auf absehbare Zeit keine weiteren Zinssenkungen erwarten. Dies entspreche auch der Prognose, welche durch den geldpolitischen Beschluss und die folgende Pressekonferenz weiter gestützt werde. Der Einlagesatz könne also für längere Zeit bei 2% verweilen, sofern die Inflationsentwicklung in etwa den EZB-Annahmen entspreche. Ein Übersteuern der EZB bei geringfügigen Abweichungen von den Inflationsprognosen würden die Analysten der RBI nicht erwarten. (Ausgabe vom 30.10.2025) (31.10.2025/alc/a/a)