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EZB: Zoll-Schock führt zu Zinssenkung
22.04.25 10:15
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat hat sich auf der heutigen Zinssitzung einstimmig für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte entschieden, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Der Einlagesatz liege damit bei 2,25% und der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,4%. Eine Senkung der Leitzinsen habe im Vorfeld der Zinssitzung als sehr wahrscheinlich gegolten. Grund dafür seien die Ereignisse seit der Zollankündigung Trumps Anfang April gewesen. Die EZB verweise in ihrem geldpolitischen Beschluss auf "zunehmende Handelsspannungen" und erhöhte Unsicherheit.
Interessant sei, dass sich die EZB noch zu keiner Einschätzung des Zoll-Schocks auf den Inflationsausblick habe durchringen können. Zwar sei erwähnt worden, dass eine schwächere Nachfrage, geringere Energiepreise und ein stärkerer Euro die Inflation dämpfen könnten, jedoch sei auch darauf hingewiesen worden, dass eine Neuausrichtung globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten inflationär wirken könnte. Der Netto-Effekt bleibe also unsicher, so die EZB. In den Überlegungen der Analysten sei der Zoll-Schock für die Eurozone klar disinflationär und auch am Finanzmarkt sehe man die Situation ähnlich. Bei den konjunkturellen Auswirkungen würden die Analysten hingegen mit der EZB übereinstimmen, dass die eingeführten Handelsbeschränkungen das Wirtschaftswachstum der Eurozone dämpfen würden. Eine Quantifizierung der Effekte werde es seitens der EZB erst im Juni geben, wenn die Notenbank aktualisierte Konjunkturprognosen zur Verfügung stellen werde.
Auf der nächsten Zinssitzung im Juni würden sich die Analysten eine abermalige Zinssenkung um 25 Basispunkte erwarten. Denn neben den Implikationen des neuen globalen Protektionismus sei bereits jetzt die Inflation rückläufig. Die Inflation sei im März erneut zurückgegangen. Vor allem der deutliche Rückgang der Dienstleistungspreisinflation der letzten Monate sollte den EZB-Rat zuversichtlich stimmen. Die Tatsache, dass der Hinweis auf eine "erhöhte heimische Inflation" im geldpolitischen Beschluss keinen Platz mehr gefunden habe, unterstütze diese Einschätzung. Die Dynamik der zugrundeliegenden Inflation - eines von drei Kriterien der EZB - lasse also weitere Zinssenkungen zu.
Ein weiteres Kriterium - der Inflationsausblick - sähen die Analysten ebenso als unterstützend, sollte die Inflationsprognosen im Juni doch nach unten revidiert werden. Und auch die Stärke der geldpolitischen Transmission - das dritte Kriterium, welches über Leitzinsänderungen entscheide - habe den Spielraum für weitere Leitzinssenkungen zuletzt erhöht. Die Marktreaktion von fallenden Aktienpreisen, weitere Credit-Spreads und einer Aufwertung des Euros würden restriktiv auf Finanzierungsbedingungen in der Eurozone wirken. Leitzinssenkungen könnten dem zumindest teilweise entgegenwirken. Und auch die heutige Zinssenkung habe unter diesem Stern gestanden.
Stichwort Finanzierungsbedingungen: Die EZB habe den Passus einer spürbar weniger restriktiven Geldpolitik aus dem geldpolitischen Beschluss entfernt. Laut Präsidentin Lagarde sei eine Beurteilung, ob Geldpolitik restriktiv sei, nur in einem Umfeld ohne externen Schocks möglich. Dieses Urteil würden die Analysten nicht teilen. Es könnte aber darauf hinweisen, dass der EZB-Rat aktuell kein Ziel-Niveau der Leitzinsen anvisiere. Dies mache Zinssenkungen im zweiten Halbjahr unter einen Einlagesatz von 2% möglich, weswegen die Analysten ihre Prognose leicht nach unten anpassen und nun ein finales Leitzinsniveau von 1,75% (Einlagesatz) im September erwarten würden.
Am Finanzmarkt werde bereits darüber spekuliert, ob die EZB die Leitzinsen sogar an 1,5% heranrücken könnte. Deutsche Bund-Renditen und Zinsswaps hätten im Zuge der EZB-Zinssitzung nachgegeben. EUR/USD habe sich hingegen nur wenig bewegt. Die Zinssitzung könne somit als dovish gewertet werden, auch wenn die EZB bemüht gewesen sei, keine Vorfestlegung über das weitere Vorgehen zu geben. (Ausgabe vom 17.04.2025) (22.04.2025/alc/a/a)
Der Einlagesatz liege damit bei 2,25% und der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,4%. Eine Senkung der Leitzinsen habe im Vorfeld der Zinssitzung als sehr wahrscheinlich gegolten. Grund dafür seien die Ereignisse seit der Zollankündigung Trumps Anfang April gewesen. Die EZB verweise in ihrem geldpolitischen Beschluss auf "zunehmende Handelsspannungen" und erhöhte Unsicherheit.
Interessant sei, dass sich die EZB noch zu keiner Einschätzung des Zoll-Schocks auf den Inflationsausblick habe durchringen können. Zwar sei erwähnt worden, dass eine schwächere Nachfrage, geringere Energiepreise und ein stärkerer Euro die Inflation dämpfen könnten, jedoch sei auch darauf hingewiesen worden, dass eine Neuausrichtung globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten inflationär wirken könnte. Der Netto-Effekt bleibe also unsicher, so die EZB. In den Überlegungen der Analysten sei der Zoll-Schock für die Eurozone klar disinflationär und auch am Finanzmarkt sehe man die Situation ähnlich. Bei den konjunkturellen Auswirkungen würden die Analysten hingegen mit der EZB übereinstimmen, dass die eingeführten Handelsbeschränkungen das Wirtschaftswachstum der Eurozone dämpfen würden. Eine Quantifizierung der Effekte werde es seitens der EZB erst im Juni geben, wenn die Notenbank aktualisierte Konjunkturprognosen zur Verfügung stellen werde.
Ein weiteres Kriterium - der Inflationsausblick - sähen die Analysten ebenso als unterstützend, sollte die Inflationsprognosen im Juni doch nach unten revidiert werden. Und auch die Stärke der geldpolitischen Transmission - das dritte Kriterium, welches über Leitzinsänderungen entscheide - habe den Spielraum für weitere Leitzinssenkungen zuletzt erhöht. Die Marktreaktion von fallenden Aktienpreisen, weitere Credit-Spreads und einer Aufwertung des Euros würden restriktiv auf Finanzierungsbedingungen in der Eurozone wirken. Leitzinssenkungen könnten dem zumindest teilweise entgegenwirken. Und auch die heutige Zinssenkung habe unter diesem Stern gestanden.
Stichwort Finanzierungsbedingungen: Die EZB habe den Passus einer spürbar weniger restriktiven Geldpolitik aus dem geldpolitischen Beschluss entfernt. Laut Präsidentin Lagarde sei eine Beurteilung, ob Geldpolitik restriktiv sei, nur in einem Umfeld ohne externen Schocks möglich. Dieses Urteil würden die Analysten nicht teilen. Es könnte aber darauf hinweisen, dass der EZB-Rat aktuell kein Ziel-Niveau der Leitzinsen anvisiere. Dies mache Zinssenkungen im zweiten Halbjahr unter einen Einlagesatz von 2% möglich, weswegen die Analysten ihre Prognose leicht nach unten anpassen und nun ein finales Leitzinsniveau von 1,75% (Einlagesatz) im September erwarten würden.
Am Finanzmarkt werde bereits darüber spekuliert, ob die EZB die Leitzinsen sogar an 1,5% heranrücken könnte. Deutsche Bund-Renditen und Zinsswaps hätten im Zuge der EZB-Zinssitzung nachgegeben. EUR/USD habe sich hingegen nur wenig bewegt. Die Zinssitzung könne somit als dovish gewertet werden, auch wenn die EZB bemüht gewesen sei, keine Vorfestlegung über das weitere Vorgehen zu geben. (Ausgabe vom 17.04.2025) (22.04.2025/alc/a/a)


