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EZB: Zinssenkungs-Konzert nimmt ein Ende - Zugabe ja/nein?
06.06.25 10:00
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat entschied die Leitzinsen abermals zu senken, nun bereits zum achten Mal in diesem Zinssenkungszyklus, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Ab Mitte nächster Woche würden die drei EZB-Leitzinssätze somit 2%, 2,15% und 2,4% betragen (Einlagesatz, Hauptrefinanzierungssatz und Spitzenrefinanzierungssatz).
Im geldpolitischen Beschluss sei betont worden, dass sich die Inflation am mittelfristigen Inflationsziel von 2% befinde - im Mai habe diese 1,9% p.a. erreicht. Trotz Schwankungen aufgrund der Saisonalität von Ostern habe sich vor allem die Disinflation bei den Dienstleistungspreisen fortgesetzt. Das Vertrauen des EZB-Rats, das Inflationsziel von 2% nachhaltig zu erreichen, sei dadurch weiter gestiegen. Das spiegele sich auch in den aktualisierten Prognosen der EZB wider. Von Inflationsrisiken sei hier wenig zu verspüren. Die Inflationsprognose für das Jahr 2025 sei auf 2,0% gesenkt worden, jene für das Jahr 2026 auf 1,6% (Revision von -0,3%-Punkten). Als Gründe für die Abwärtsrevision seien die niedrigeren Energiepreise und der stärkere Euro genannt worden. Die Revisionen bei der Kerninflation seien dementsprechend geringer ausgefallen. Ebenso seien Revisionen beim BIP-Wachstum gering gewesen, da negative Effekte durch das Zollregime gegen positive Effekte durch fiskalische Maßnahmen aufgewogen worden seien.
Über das weitere Vorgehen habe sich die EZB bedeckt gehalten, wenn auch weniger bedeckt als erwartet. Entscheidungen würden datengetrieben und von Sitzung zu Sitzung getroffen. Auf eine Forward Guidance werde bewusst verzichtet. Mit der heutigen Zinssenkung liege der Einlagesatz genau in der Mitte des von der EZB ausgewiesenen Bereichs einer neutralen Geldpolitik (1,75 - 2,25%). Es stelle sich somit die Frage, ob die EZB am Ende des Zinssenkungszyklus angelangt sei. Die Analysten möchten zwei Faktoren hervorheben, welche ihrer Meinung eher für als gegen ein letztes Fine-Tuning bei den Leitzinsen sprechen würden. Erstens liege die Inflationsprognose für 2026 doch deutlich unter dem 2%-Ziel, weswegen die Risiko-Beurteilung für eine weitere Zinssenkung sprechen sollte. Zweitens lägen den Inflationsprognosen Annahmen über den Leitzinspfad zugrunde. Diese würden über Markterwartungen ermittelt, welche zum Zeitpunkt der Prognoseerstellung eine weitere Leitzinssenkung widerspiegeln würden.
Nichtsdestotrotz zeige sich die EZB aktuell als "gut positioniert", was Präsidentin Lagarde während der Pressekonferenz betont habe. Von einer Zinssenkung auf der nächsten Zinssitzung im Juli sei nicht auszugehen. Ob im September eine Zinssenkung erfolge, werde nicht unwesentlich von den politischen Ereignissen der nächsten Wochen abhängen. Am 9. Juli ende die Pause der Trump-Zölle. Würden keine wesentlichen Verhandlungsergebnisse erreicht, sollte dies für weitere Zinssenkungen sprechen, da ein Zoll-Eskalations-Szenario der EZB auf niedrigere Wachstums- und Inflationsprognosen verweise.
Am Finanzmarkt sei die heutige Zinsentscheidung als hawkish bewertet worden. Bund-Renditen seien entlang der Kurve gestiegen, und auch der Euro habe gegenüber dem Dollar weiter aufwerten können. Eine Zinssenkung im Juli werde nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 20% gepreist, einer Zinssenkung im September werde eine Wahrscheinlichkeit von 50% zugeschrieben. (Ausgabe vom 05.06.2025) (06.06.2025/alc/a/a)
Ab Mitte nächster Woche würden die drei EZB-Leitzinssätze somit 2%, 2,15% und 2,4% betragen (Einlagesatz, Hauptrefinanzierungssatz und Spitzenrefinanzierungssatz).
Über das weitere Vorgehen habe sich die EZB bedeckt gehalten, wenn auch weniger bedeckt als erwartet. Entscheidungen würden datengetrieben und von Sitzung zu Sitzung getroffen. Auf eine Forward Guidance werde bewusst verzichtet. Mit der heutigen Zinssenkung liege der Einlagesatz genau in der Mitte des von der EZB ausgewiesenen Bereichs einer neutralen Geldpolitik (1,75 - 2,25%). Es stelle sich somit die Frage, ob die EZB am Ende des Zinssenkungszyklus angelangt sei. Die Analysten möchten zwei Faktoren hervorheben, welche ihrer Meinung eher für als gegen ein letztes Fine-Tuning bei den Leitzinsen sprechen würden. Erstens liege die Inflationsprognose für 2026 doch deutlich unter dem 2%-Ziel, weswegen die Risiko-Beurteilung für eine weitere Zinssenkung sprechen sollte. Zweitens lägen den Inflationsprognosen Annahmen über den Leitzinspfad zugrunde. Diese würden über Markterwartungen ermittelt, welche zum Zeitpunkt der Prognoseerstellung eine weitere Leitzinssenkung widerspiegeln würden.
Nichtsdestotrotz zeige sich die EZB aktuell als "gut positioniert", was Präsidentin Lagarde während der Pressekonferenz betont habe. Von einer Zinssenkung auf der nächsten Zinssitzung im Juli sei nicht auszugehen. Ob im September eine Zinssenkung erfolge, werde nicht unwesentlich von den politischen Ereignissen der nächsten Wochen abhängen. Am 9. Juli ende die Pause der Trump-Zölle. Würden keine wesentlichen Verhandlungsergebnisse erreicht, sollte dies für weitere Zinssenkungen sprechen, da ein Zoll-Eskalations-Szenario der EZB auf niedrigere Wachstums- und Inflationsprognosen verweise.
Am Finanzmarkt sei die heutige Zinsentscheidung als hawkish bewertet worden. Bund-Renditen seien entlang der Kurve gestiegen, und auch der Euro habe gegenüber dem Dollar weiter aufwerten können. Eine Zinssenkung im Juli werde nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 20% gepreist, einer Zinssenkung im September werde eine Wahrscheinlichkeit von 50% zugeschrieben. (Ausgabe vom 05.06.2025) (06.06.2025/alc/a/a)


