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EZB: Viel Lärm um nichts
13.12.24 10:12
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die EZB bleibt den 25 Basispunkten treu und entschied sich gegen eine größere Senkung der Leitzinsen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Der Inflationsausblick sei bestätigt worden, wenngleich der Wachstumsausblick nach unten revidiert worden sei. Eine Rezession sehe die EZB jedoch nicht, und so wolle man die Leitzinsen graduell auf ein neutrales Niveau führen. Dies solle nach Meinung der Analysten im ersten Halbjahr 2025 gelingen.
Der EZB-Rat habe sich für die vorsichtigere Variante entschieden und die drei EZB-Leitzinsen um 25 Basispunkte reduziert. Der Einlagesatz liege nun bei 3% und der Hauptrefinanzierungssatz bei 3,15%. Insbesondere aufgrund der sich abschwächenden Konjunktur-Vorlaufindikatoren hätten einige Mitglieder des EZB-Rats mit einem größeren Zinsschritt um 50 Basispunkte geliebäugelt. Auch am Finanzmarkt sei ein größerer Zinsschritt zuletzt debattiert worden. Die Entscheidung vom 12. Dezember 2024 sei aber schlussendlich einstimmig getroffen worden.
Im geldpolitischen Beschluss falle eine Änderung auf. Der Satz, dass "die Leitzinsen so lange wie erforderlich ausreichend restriktiv gehalten" würden, sei aus dem geldpolitischen Beschluss entfernt worden. Könnte das bedeuten, dass man ein neutrales Zinsniveau nun doch rascher mit Zinssenkungen um 50 Basispunkte erreichen wolle? Das glaube man nicht. Im Zuge der Pressekonferenz habe Lagarde betont, dass dies den bereits erfolgten Zinssenkungen und den geänderten Rahmenbedingungen geschuldet sei. Der Inflationsausblick sei nicht mehr mit einseitigen Risiken behaftet, sondern werde als ausgeglichen angesehen.
Es scheine, dass Lagarde von Zinssenkungen um 50 Basispunkte Abstand nehme. Auch wenn das neutrale Zinsniveau in dieser Zinssitzung nicht diskutiert worden sei, habe Lagarde schlussendlich doch eine Bandbreite bekannt gegeben: 1,75 - 2,5%. Wenn man am aktuellen Tempo des Zinssenkungspfads festhalte, werde man im März den oberen Rand dieser Bandbreite erreichen. Ein rascheres Vorgehen sei nach Meinung der Analysten nur dann gerechtfertigt, wenn sich Rezessionsrisiken - und damit einhergehende Disinflationsrisiken - manifestieren würden. Eine "nur" neutrale Geldpolitik würde den konjunkturellen Rahmenbedingungen dann nicht mehr gerecht werden.
Eine Rezession erwarte die EZB aber eben nicht, auch wenn der Ausblick für das BIP-Wachstum etwas nach unten revidiert worden sei. Im vierten Quartal 2024 erwarte die EZB eine Verlangsamung des Wachstums, was ein BIP-Wachstum von 0,7% für das Gesamtjahr 2024 impliziere. Für 2025 erwarte die EZB ein Wirtschaftswachstum von 1,1% (zuvor 1,3%). Beim Inflationsausblick habe es fast keine Änderungen gegeben. Die Gesamtrate sei für 2024 und 2025 auf 2,4% und 2,1% um 0,1%-Punkte reduziert worden. Die Kernrate sei für diese Jahre unverändert bei 2,9% und 2,3% geblieben. Man zeige sich erfreut, dass die bereits sechste Prognoserunde ein Erreichen des Inflationsziels im Jahr 2025 zeige.
Die Zuversicht, das Inflationsziel zu erreichen, habe somit stetig zugenommen. Nichtsdestotrotz habe Lagarde in der Pressekonferenz betont, dass man noch nicht am Ende des Weges angelangt sei. Insbesondere die heimische Inflation, die vor allem auf Dienstleistungspreise beruhe, sei mit 4,2% p.a. nach wie vor erhöht, was auch für das Lohnwachstum gelte. Die eingeschlagene Richtung stimme die EZB jedoch zuversichtlich.
Für den Finanzmarkt sei der gewählte Fokus schlussendlich eine hawkische Überraschung gewesen. Die gepreisten Inflationserwartungen hätten sehr klar Abwärtsrisiken für die Inflation betont, worauf Lagarde nur wenig eingegangen sei. Somit seien die Renditen nach einer kurzen Phase des Rückgangs leicht nach oben tendiert.
Abseits der Leitzinsentscheidungen sei auch zu erwähnen, dass die EZB mit Ende des Jahres keine Reinvestitionen ihres Anleihebestands mehr vornehme. Nach dem Ende der Reinvestitionen im APP treffe dies nun auch auf PEPP zu. Der Bilanzabbau der EZB werde somit 2025 wieder mehr an Fahrt aufnehmen, und die Staaten müssten für ihre Anleihe-Emissionen abseits der EZB vermehrt nach Investoren suchen. Bis jetzt sei es zu keinen Verwerfungen auf dem Finanzmarkt gekommen. Nichtsdestotrotz seien die Rendite-Risikoaufschläge auf €STR OIS auch von sicheren Emittenten wie Deutschland zuletzt gestiegen, was zumindest teilweise auf die geringeren EZB-Käufe zurückgeführt werden könnte. (Ausgabe vom 12.12.2024) (13.12.2024/alc/a/a)
Der Inflationsausblick sei bestätigt worden, wenngleich der Wachstumsausblick nach unten revidiert worden sei. Eine Rezession sehe die EZB jedoch nicht, und so wolle man die Leitzinsen graduell auf ein neutrales Niveau führen. Dies solle nach Meinung der Analysten im ersten Halbjahr 2025 gelingen.
Der EZB-Rat habe sich für die vorsichtigere Variante entschieden und die drei EZB-Leitzinsen um 25 Basispunkte reduziert. Der Einlagesatz liege nun bei 3% und der Hauptrefinanzierungssatz bei 3,15%. Insbesondere aufgrund der sich abschwächenden Konjunktur-Vorlaufindikatoren hätten einige Mitglieder des EZB-Rats mit einem größeren Zinsschritt um 50 Basispunkte geliebäugelt. Auch am Finanzmarkt sei ein größerer Zinsschritt zuletzt debattiert worden. Die Entscheidung vom 12. Dezember 2024 sei aber schlussendlich einstimmig getroffen worden.
Im geldpolitischen Beschluss falle eine Änderung auf. Der Satz, dass "die Leitzinsen so lange wie erforderlich ausreichend restriktiv gehalten" würden, sei aus dem geldpolitischen Beschluss entfernt worden. Könnte das bedeuten, dass man ein neutrales Zinsniveau nun doch rascher mit Zinssenkungen um 50 Basispunkte erreichen wolle? Das glaube man nicht. Im Zuge der Pressekonferenz habe Lagarde betont, dass dies den bereits erfolgten Zinssenkungen und den geänderten Rahmenbedingungen geschuldet sei. Der Inflationsausblick sei nicht mehr mit einseitigen Risiken behaftet, sondern werde als ausgeglichen angesehen.
Eine Rezession erwarte die EZB aber eben nicht, auch wenn der Ausblick für das BIP-Wachstum etwas nach unten revidiert worden sei. Im vierten Quartal 2024 erwarte die EZB eine Verlangsamung des Wachstums, was ein BIP-Wachstum von 0,7% für das Gesamtjahr 2024 impliziere. Für 2025 erwarte die EZB ein Wirtschaftswachstum von 1,1% (zuvor 1,3%). Beim Inflationsausblick habe es fast keine Änderungen gegeben. Die Gesamtrate sei für 2024 und 2025 auf 2,4% und 2,1% um 0,1%-Punkte reduziert worden. Die Kernrate sei für diese Jahre unverändert bei 2,9% und 2,3% geblieben. Man zeige sich erfreut, dass die bereits sechste Prognoserunde ein Erreichen des Inflationsziels im Jahr 2025 zeige.
Die Zuversicht, das Inflationsziel zu erreichen, habe somit stetig zugenommen. Nichtsdestotrotz habe Lagarde in der Pressekonferenz betont, dass man noch nicht am Ende des Weges angelangt sei. Insbesondere die heimische Inflation, die vor allem auf Dienstleistungspreise beruhe, sei mit 4,2% p.a. nach wie vor erhöht, was auch für das Lohnwachstum gelte. Die eingeschlagene Richtung stimme die EZB jedoch zuversichtlich.
Für den Finanzmarkt sei der gewählte Fokus schlussendlich eine hawkische Überraschung gewesen. Die gepreisten Inflationserwartungen hätten sehr klar Abwärtsrisiken für die Inflation betont, worauf Lagarde nur wenig eingegangen sei. Somit seien die Renditen nach einer kurzen Phase des Rückgangs leicht nach oben tendiert.
Abseits der Leitzinsentscheidungen sei auch zu erwähnen, dass die EZB mit Ende des Jahres keine Reinvestitionen ihres Anleihebestands mehr vornehme. Nach dem Ende der Reinvestitionen im APP treffe dies nun auch auf PEPP zu. Der Bilanzabbau der EZB werde somit 2025 wieder mehr an Fahrt aufnehmen, und die Staaten müssten für ihre Anleihe-Emissionen abseits der EZB vermehrt nach Investoren suchen. Bis jetzt sei es zu keinen Verwerfungen auf dem Finanzmarkt gekommen. Nichtsdestotrotz seien die Rendite-Risikoaufschläge auf €STR OIS auch von sicheren Emittenten wie Deutschland zuletzt gestiegen, was zumindest teilweise auf die geringeren EZB-Käufe zurückgeführt werden könnte. (Ausgabe vom 12.12.2024) (13.12.2024/alc/a/a)


