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EZB-Sitzung ist der eindeutige Höhepunkt der Woche
09.09.24 09:33
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - US Arbeitsmarktdaten stehen aktuell besonders im Interesse der Finanzmärkte, seitdem die US Notenbank FED ihre Sorge um eine mögliche Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation bekundete, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Nachdem das Beschäftigungswachstum im Juli auf nahe 100 Tausend zurückgegangen und die Arbeitslosenquote auf 4.3% angestiegen sei, habe man gespannt auf die Arbeitsmarktdaten im August geblickt. Dieser habe das Bild aus dem Juli bestätigt, spiegele aber keine weitere Verschlechterung wider. Die Beschäftigung sei um 142 Tausend gestiegen, was leicht unter den Erwartungen von 160 Tausend zu liegen gekommen sei. Im Verarbeitenden Gewerbe sei die Beschäftigung sogar rückläufig gewesen, was zum allgemeinen Stimmungsbild einer schwächelnden Industrie passe.
Nichtsdestotrotz sei die Arbeitslosenquote leicht auf 4,2% von 4,3% im Vormonat gesunken. Dies habe den Erwartungen entsprochen. Weiterhin sei zu bemerken, dass das Lohnwachstum überraschend stark gestiegen sei. Am Finanzmarkt sei der Arbeitsmarktbericht als dovishes Signal aufgenommen worden. US-Treasury Renditen hätten nachgegeben und EUR/USD sei angestiegen. In der Debatte, ob die US Notenbank die Leitzinsen in zwei Wochen um 25 oder 50 Basispunkte senken werde, überwiege nun das Pricing eines größeren Zinsschritts, wenn auch nur leicht. Nach Meinung der Analysten reiche der Arbeitsmarktbericht alleine noch nicht aus, eine Zinssenkung von 50 Basispunkte im Offenmarktausschuss zu verankern.
Die Verbraucherpreisinflation für den Monat August werde daher umso spannender beobachtet werden. Die US-Inflation habe es in diesem Jahr in sich gehabt. Nach einer überraschend hohen Inflation im ersten Quartal habe sich die Inflationsdynamik in den letzten Monaten abgeschwächt. Es werde erwartet, dass der Inflationsbericht diese Woche keine weitere Abschwächung der Dynamik mit sich bringen werde. Die Cleveland FED prognostiziere eine Kerninflation von 0,26% p.m. Dies würde bedeuten, dass die Kerninflation im Jahresvergleich konstant bei 3,2% bleibe. Die Gesamtinflation werde jedoch im Jahresvergleich voraussichtlich von 2,9% auf 2,6% fallen. Dies sei auf energiebezogene Basiseffekte zurückzuführen.
Die Spritpreise seien im August um 2,5% p.m. gesunken. Der wichtigere Effekt sei jedoch der Anstieg der Spritpreise um 6% p.m. im August 2023. Dies hebe die Basis und drücke die Jahresinflationsrate für August 2024 nach unten. Neben den VPI-Daten seien es auch die PPI-Daten, die diese Woche beobachtet werden müssten. Nur in Kombination würden sie valide Rückschlüsse zulassen, welche Signale die PCE-Inflation für die FED haben werde. Sei der Disinflationstrend intakt oder seien die letzten drei Monate zu schön gewesen, um wahr zu sein?
Die Wirtschaftsdaten für den Euroraum würden wenig spektakulär ausfallen. Sentix veröffentlich den ersten Frühindikator für den Monat September. Nach dem starken Rückgang Anfang August, der mit dem Einbruch an den internationalen Aktienmärkten einhergegangen sei, würden die Analysten gute Chancen sehen, dass sich die Stimmung wieder bessere (wie die Aktienmärkte seither zeigen würden). Interessante "harte Daten" zur Wirtschaftsleistung seien die Ergebnisse der Industrieproduktion für Juli.
In Deutschland sei ein starker Rückgang im Vergleich zum Vormonat gemeldet worden, der leider den beträchtlichen Anstieg im Juni zunichtegemacht habe. Dabei seien die Signale von den Auftragseingängen, die zwei Monate in Folge einen starken Anstieg verzeichnet hätten, verheißungsvoll gewesen. In Frankreich habe die Produktion ebenfalls einen Rückgang verbucht. Weiterhin würden die Analysten rückläufige Produktion in Italien und Spanien erwarten, während in Irland ein deutlicher Rebound zu erwarten sei. Im Durchschnitt dürfte die Industrieproduktion im Euroraum deutlich zurückgehen und damit die rezessive Entwicklung der Industrie seit etwa eineinhalb Jahren untermauern.
In der Eurozone sei die EZB-Sitzung der eindeutige Höhepunkt dieser Woche. Alles andere als eine Senkung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte wäre eine große Überraschung. Im September sei es auch an der Zeit, den Korridor zwischen dem Einlagen- und dem Hauptrefinanzierungssatz der EZB einzuengen. Die Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes dürfte also größer ausfallen und 60 Basispunkte betragen. Kurz gesagt: Die Analysten würden erwarten, dass der EZB-Rat den Einlagensatz auf 3,5% und den Hauptrefinanzierungssatz auf 3,65% festlege. Während die Senkung des Einlagensatzes dem Motiv folge, die monetären Bedingungen weniger restriktiv zu gestalten, verfolge die Verengung des Korridors ein anderes Ziel. Sie diene dem Zweck, Anreize für die Banken zu schaffen an den EZB-Offenmarktgeschäften zu partizipieren, sodass die kurzfristigen Geldmarktsätze sich dem Einlagesatz stärker annähern würden, gleichzeitig aber genügend Spielraum für Geldmarktaktivitäten bleibe. Dies sei bei der Aktualisierung des geldpolitischen Handlungsrahmens der EZB im März dieses Jahres beschlossen worden.
Es werde interessant sein zu sehen, ob die Geldmarktsätze wie beabsichtigt reagieren und die Banken ihre Aktivität mit der EZB erhöhen würden. Derzeit würden die Offenmarktgeschäfte mit der EZB mit einer durchschnittlichen Inanspruchnahme von rund 4 Mrd. EUR im Jahr 2024 für Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Laufzeit von 1 Woche) und 2,5 Mrd. EUR für längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (Laufzeit von 3 Monaten) eine vernachlässigbare Rolle für den Finanzierungsmix der Banken spielen. Da die Überschussliquidität im Euroraum nach wie vor recht üppig sei, würden die Analysten von der Verengung des Leitzinskorridors durch die EZB nur einen geringen Aufwärtsdruck auf die Geldmarktsätze erwarten.
Die wahrscheinliche Senkung des Einlagensatzes durch die EZB könne als Balanceakt angesehen werden. Einerseits solle der geldpolitische Restriktionskurs an ein, im Vergleich zu vor einigen Monaten, niedrigeres Inflationsumfeld angepasst werden. Andererseits sei auch Wachsamkeit angesichts der anhaltend hohen Kerninflation im Dienstleistungssektor, die Aufwärtsrisiken für die Inflationsaussichten des Euroraums berge, nach wie vor gefragt. Auch das internationale Umfeld spreche für eine Zinssenkung, da die Auswirkungen einer dovishen FED und die Befürchtung einer Abschwächung des US-Arbeitsmarktes die Finanzierungskonditionen auch im Euroraum gelockert hätten. Im Vergleich zu aktuellen Markterwartungen könnte der EZB-Entscheid eher hawkish ausfallen, um die Märkte daran zu erinnern, dass die Inflationsrisiken im Euroraum noch nicht überwunden seien.
Von besonderem Interesse würden auch die neuen makroökonomischen Prognosen sein. Die Analysten würden keine wesentlichen Änderungen erwarten. Im Juni habe die EZB ein BIP-Wachstum von 0,9% für den Euroraum im Jahr 2024 prognostiziert. Eine Abwärtskorrektur scheine wahrscheinlich, da sich die Stimmungsindikatoren - insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe in den Kernländern des Euroraums - nicht verbessert hätten. Die Kerninflation hingegen könnte nach oben korrigiert werden. Insgesamt habe die Kerninflation in den letzten Monaten im Großen und Ganzen den Erwartungen entsprochen. Die Inflation bei den Kerndienstleistungen bleibe jedoch hartnäckiger als prognostiziert, während die Kerngüterpreise einen stärkeren disinflationären Effekt gehabt hätten als prognostiziert.
Nach Erachten der Analysten sollten diese Entwicklungen als Aufwärtsrisiken für die Juni-Kerninflationsprognose der EZB interpretiert werden, was eine leichte Aufwärtskorrektur der EZB-Prognose zur Folge haben sollte. Bei der Gesamtinflation dürfte ein stärkerer disinflationärer Einfluss der Energiepreise dazu führen, dass die EZB ihre Prognose für die Gesamtinflation im Großen und Ganzen auf dem Stand vom Juni belassen könnte. Nach Meinung der Analysten würden die neuen EZB-Prognosen die EZB nicht von ihrem Lockerungszyklus abbringen, sondern für ein vorsichtiges Vorgehen sprechen, was die Erwartung der Analysten stütze, dass die EZB ihre Leitzinsen nur vierteljährlich und nicht von Sitzung zu Sitzung senke. (Ausgabe vom 06.09.2024) (09.09.2024/alc/a/a)
Nachdem das Beschäftigungswachstum im Juli auf nahe 100 Tausend zurückgegangen und die Arbeitslosenquote auf 4.3% angestiegen sei, habe man gespannt auf die Arbeitsmarktdaten im August geblickt. Dieser habe das Bild aus dem Juli bestätigt, spiegele aber keine weitere Verschlechterung wider. Die Beschäftigung sei um 142 Tausend gestiegen, was leicht unter den Erwartungen von 160 Tausend zu liegen gekommen sei. Im Verarbeitenden Gewerbe sei die Beschäftigung sogar rückläufig gewesen, was zum allgemeinen Stimmungsbild einer schwächelnden Industrie passe.
Nichtsdestotrotz sei die Arbeitslosenquote leicht auf 4,2% von 4,3% im Vormonat gesunken. Dies habe den Erwartungen entsprochen. Weiterhin sei zu bemerken, dass das Lohnwachstum überraschend stark gestiegen sei. Am Finanzmarkt sei der Arbeitsmarktbericht als dovishes Signal aufgenommen worden. US-Treasury Renditen hätten nachgegeben und EUR/USD sei angestiegen. In der Debatte, ob die US Notenbank die Leitzinsen in zwei Wochen um 25 oder 50 Basispunkte senken werde, überwiege nun das Pricing eines größeren Zinsschritts, wenn auch nur leicht. Nach Meinung der Analysten reiche der Arbeitsmarktbericht alleine noch nicht aus, eine Zinssenkung von 50 Basispunkte im Offenmarktausschuss zu verankern.
Die Verbraucherpreisinflation für den Monat August werde daher umso spannender beobachtet werden. Die US-Inflation habe es in diesem Jahr in sich gehabt. Nach einer überraschend hohen Inflation im ersten Quartal habe sich die Inflationsdynamik in den letzten Monaten abgeschwächt. Es werde erwartet, dass der Inflationsbericht diese Woche keine weitere Abschwächung der Dynamik mit sich bringen werde. Die Cleveland FED prognostiziere eine Kerninflation von 0,26% p.m. Dies würde bedeuten, dass die Kerninflation im Jahresvergleich konstant bei 3,2% bleibe. Die Gesamtinflation werde jedoch im Jahresvergleich voraussichtlich von 2,9% auf 2,6% fallen. Dies sei auf energiebezogene Basiseffekte zurückzuführen.
Die Spritpreise seien im August um 2,5% p.m. gesunken. Der wichtigere Effekt sei jedoch der Anstieg der Spritpreise um 6% p.m. im August 2023. Dies hebe die Basis und drücke die Jahresinflationsrate für August 2024 nach unten. Neben den VPI-Daten seien es auch die PPI-Daten, die diese Woche beobachtet werden müssten. Nur in Kombination würden sie valide Rückschlüsse zulassen, welche Signale die PCE-Inflation für die FED haben werde. Sei der Disinflationstrend intakt oder seien die letzten drei Monate zu schön gewesen, um wahr zu sein?
In Deutschland sei ein starker Rückgang im Vergleich zum Vormonat gemeldet worden, der leider den beträchtlichen Anstieg im Juni zunichtegemacht habe. Dabei seien die Signale von den Auftragseingängen, die zwei Monate in Folge einen starken Anstieg verzeichnet hätten, verheißungsvoll gewesen. In Frankreich habe die Produktion ebenfalls einen Rückgang verbucht. Weiterhin würden die Analysten rückläufige Produktion in Italien und Spanien erwarten, während in Irland ein deutlicher Rebound zu erwarten sei. Im Durchschnitt dürfte die Industrieproduktion im Euroraum deutlich zurückgehen und damit die rezessive Entwicklung der Industrie seit etwa eineinhalb Jahren untermauern.
In der Eurozone sei die EZB-Sitzung der eindeutige Höhepunkt dieser Woche. Alles andere als eine Senkung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte wäre eine große Überraschung. Im September sei es auch an der Zeit, den Korridor zwischen dem Einlagen- und dem Hauptrefinanzierungssatz der EZB einzuengen. Die Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes dürfte also größer ausfallen und 60 Basispunkte betragen. Kurz gesagt: Die Analysten würden erwarten, dass der EZB-Rat den Einlagensatz auf 3,5% und den Hauptrefinanzierungssatz auf 3,65% festlege. Während die Senkung des Einlagensatzes dem Motiv folge, die monetären Bedingungen weniger restriktiv zu gestalten, verfolge die Verengung des Korridors ein anderes Ziel. Sie diene dem Zweck, Anreize für die Banken zu schaffen an den EZB-Offenmarktgeschäften zu partizipieren, sodass die kurzfristigen Geldmarktsätze sich dem Einlagesatz stärker annähern würden, gleichzeitig aber genügend Spielraum für Geldmarktaktivitäten bleibe. Dies sei bei der Aktualisierung des geldpolitischen Handlungsrahmens der EZB im März dieses Jahres beschlossen worden.
Es werde interessant sein zu sehen, ob die Geldmarktsätze wie beabsichtigt reagieren und die Banken ihre Aktivität mit der EZB erhöhen würden. Derzeit würden die Offenmarktgeschäfte mit der EZB mit einer durchschnittlichen Inanspruchnahme von rund 4 Mrd. EUR im Jahr 2024 für Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Laufzeit von 1 Woche) und 2,5 Mrd. EUR für längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (Laufzeit von 3 Monaten) eine vernachlässigbare Rolle für den Finanzierungsmix der Banken spielen. Da die Überschussliquidität im Euroraum nach wie vor recht üppig sei, würden die Analysten von der Verengung des Leitzinskorridors durch die EZB nur einen geringen Aufwärtsdruck auf die Geldmarktsätze erwarten.
Die wahrscheinliche Senkung des Einlagensatzes durch die EZB könne als Balanceakt angesehen werden. Einerseits solle der geldpolitische Restriktionskurs an ein, im Vergleich zu vor einigen Monaten, niedrigeres Inflationsumfeld angepasst werden. Andererseits sei auch Wachsamkeit angesichts der anhaltend hohen Kerninflation im Dienstleistungssektor, die Aufwärtsrisiken für die Inflationsaussichten des Euroraums berge, nach wie vor gefragt. Auch das internationale Umfeld spreche für eine Zinssenkung, da die Auswirkungen einer dovishen FED und die Befürchtung einer Abschwächung des US-Arbeitsmarktes die Finanzierungskonditionen auch im Euroraum gelockert hätten. Im Vergleich zu aktuellen Markterwartungen könnte der EZB-Entscheid eher hawkish ausfallen, um die Märkte daran zu erinnern, dass die Inflationsrisiken im Euroraum noch nicht überwunden seien.
Von besonderem Interesse würden auch die neuen makroökonomischen Prognosen sein. Die Analysten würden keine wesentlichen Änderungen erwarten. Im Juni habe die EZB ein BIP-Wachstum von 0,9% für den Euroraum im Jahr 2024 prognostiziert. Eine Abwärtskorrektur scheine wahrscheinlich, da sich die Stimmungsindikatoren - insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe in den Kernländern des Euroraums - nicht verbessert hätten. Die Kerninflation hingegen könnte nach oben korrigiert werden. Insgesamt habe die Kerninflation in den letzten Monaten im Großen und Ganzen den Erwartungen entsprochen. Die Inflation bei den Kerndienstleistungen bleibe jedoch hartnäckiger als prognostiziert, während die Kerngüterpreise einen stärkeren disinflationären Effekt gehabt hätten als prognostiziert.
Nach Erachten der Analysten sollten diese Entwicklungen als Aufwärtsrisiken für die Juni-Kerninflationsprognose der EZB interpretiert werden, was eine leichte Aufwärtskorrektur der EZB-Prognose zur Folge haben sollte. Bei der Gesamtinflation dürfte ein stärkerer disinflationärer Einfluss der Energiepreise dazu führen, dass die EZB ihre Prognose für die Gesamtinflation im Großen und Ganzen auf dem Stand vom Juni belassen könnte. Nach Meinung der Analysten würden die neuen EZB-Prognosen die EZB nicht von ihrem Lockerungszyklus abbringen, sondern für ein vorsichtiges Vorgehen sprechen, was die Erwartung der Analysten stütze, dass die EZB ihre Leitzinsen nur vierteljährlich und nicht von Sitzung zu Sitzung senke. (Ausgabe vom 06.09.2024) (09.09.2024/alc/a/a)


