Erweiterte Funktionen

EZB: Letzte Zinsentscheidung des Jahres steht an


09.12.24 11:17
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Es war abermals eine Woche mit satten Gewinnen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Wie historisch zu erwarten, mache die Jahresendrally in einem Wahljahr ihrem Ruf alle Ehre. Der "Trump Trade" sei jedoch zuletzt wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Vielmehr seien es die altbekannten Kapazunder gewesen, welche den Markt angetrieben hätten. Sprich: Growth-Werte seien gefragt gewesen, Value sei eher an der Seitenlinie gestanden. Dies sei vorwiegend der Datenlage geschuldet gewesen. Der US-Arbeitsmarktbericht sei zwar weitgehend wie erwartet ausgefallen, dies habe jedoch die Hoffnungen auf eine weitere Zinssenkung der FED am 18. Dezember beflügelt. Am Terminmarkt sei eine solche nach Veröffentlichung nun mit 85% gepreist worden (zuvor 70%).

Bis es aber soweit sei, stünden den Märkten andere, jedoch nicht weniger entscheidende Datenveröffentlichungen bevor. In den USA richte sich der Fokus ganz auf die US-Verbraucherpreisinflation am Mittwoch. Hier sei es wichtig zu betonen, dass die Inflationsdynamik in den USA zuletzt im Steigen begriffen gewesen sei. Die annualisierten Monatsveränderungen der Preise der Kerninflation hätten erneut über 3% gelegen. Für den Monat November werde von keiner nennenswerten Veränderungen ausgegangen. Die Kerninflation könnte unverändert bei 3,3% p.a. zu liegen kommen, während die Gesamtrate von 2,6% p.a. ausgehend sogar leicht steigen könne. In Europa stehe die letzte Zinsentscheidung des Jahres bereits diesen Donnerstag auf der Agenda. Die RBI erwarte eine Zinssenkung um 25 Bp, so wie auch die Mehrheit der Analysten. Der Einlagesatz würde damit auf 3% sinken und der Hauptrefinanzierungssatz auf 3,15%. Dass die Leitzinsen nächste Woche gesenkt werden gelte als sicher, das Ausmaß jedoch nicht. Der EZB-Rat werde sich zwischen einer Leitzinssenkung um 25 Bp und 50 Bp entscheiden. Gute Argumente könnten für beide Varianten gefunden werden, weshalb eine größere Zinssenkung als von der RBI angenommen nicht ausgeschlossen werden könne. Ehe es aber soweit sei, erscheine heute mit dem Sentix der erste Vorlaufindikator für den Monat Dezember. Dieser habe sich zur Jahresmitte mit 0,3 Punkten zwar bereits im positiven Bereich befunden, habe allerdings kurz darauf wieder in den klar negativen Bereich gedreht. Zuletzt habe der Indikator nach einer leichten Zunahme bei -12,8 Punkten notiert. Die RBI prognostiziere für Dezember eine weitere Zunahme auf -10,6 Punkte. Die Stimmungslage sollte sich also in der Gesamtbetrachtung weiterhin eher verhalten darstellen.

Der Auftakt zur neuen Handelswoche gehe mit gemischten Vorzeichen einher. In Asien handele die Mehrheit der Aktienindices mit Abschlägen. Im Nahen Osten, wo sich die Ereignisse in Syrien zuletzt überschlagen hätten, hätten die Börsen weitgehend unbeeindruckt bis moderat positiv reagiert.

An den Rohstoffmärkten sei der Ölpreis übers Wochenende leicht angestiegen. Das Barrel der Nordseesorte Brent koste jedoch weiterhin nur knapp über USD 71,50. Der Goldpreis lege heute Morgen ebenfalls moderat zu, stecke jedoch nach wie vor in seiner Seitwärtsphase fest. Der Bitcoin habe zuletzt eine Verschnaufpause eingelegt, pendele aber weiterhin um die Marke von USD 100.000.

Im Sog der Bitcoin-Euphorie hätten auch Aktien mit Kryptobezug am Freitag wieder angezogen. Coinbase habe rund 7% höher geschlossen und sei zwischenzeitlich auf ein neues Jahreshoch gestiegen.

Die Aktie von UnitedHealth komme nach der Ermordung von CEO Brian Thompson weiterhin nicht zur Ruhe. Am Freitag habe sie abermals um mehr als 5% nachgegeben, wonach sich das Wochenminus auf rund 10% summiert habe. (09.12.2024/alc/a/a)