EZB: Leitzinsssenkung um 25 Basispunkte erwartet


29.05.25 10:07
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die letzten Tage haben gezeigt, dass die Gefahr umfassender Handelszölle noch nicht gebannt ist, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

So habe Donald Trump letzten Freitag verkündet, dass er Importzölle in Höhe von 50% auf EU-Güter empfehlen würde, nur um diese bereits am Sonntag wieder bis zum 9. Juli auf Eis zu legen. Dieses Vorgehen trage klar die Handschrift, welche Trump bereits gegenüber anderen Ländern habe erkennen lassen: Ein Verhandlungseinstieg mit drastischen Drohungen, gefolgt von einer deutlichen Deeskalation nach weiteren Gesprächen. Dennoch könne der weitere Verlauf der Verhandlungen zwischen den USA und ihren Handelspartnern für anhaltende Unsicherheit und Volatilität sorgen. Nach diesem kurzen Zollintermezzo sollte der Fokus nächste Woche aber wieder stärker auf makroökonomischen Daten liegen. Ein Highlight stelle die Inflations-Schnellschätzung der Eurozone für Mai dar. Die RBI erwarte einen leichten Rückgang der Jahresrate im Vergleich zum April. Die Schnellschätzung der Gesamtinflation werde voraussichtlich bei 2,1% im Jahresvergleich liegen, während die Kerninflation von uns auf 2,5% geschätzt werde. Der anhaltende Rückgang der Energiepreise werde dazu beitragen, dass die Gesamtinflationsrate in der Nähe der Zielvorgabe der EZB bleibe. Saisonale Faktoren im Zusammenhang mit Ostern, wie Flugreisen und Feiertage, hätten die Dienstleistungsinflation im April auf eine relativ hohe Rate von 2,7% getrieben. Die RBI gehe davon aus, dass diese Effekte im Mai abklingen würden, sodass die Inflationsrate der Kerndienstleistungen bei 2,5% liegen sollte. Dennoch bleibe die Kerninflation konstant über 2%, was die Entscheidungen der EZB über eine weitere Lockerung der Geldpolitik erschwere.

Neben den Inflationszahlen werde das Hauptaugenmerk nächste Woche auf dem US-Arbeitsmarktbericht für Mai liegen. Nachdem die letzten beiden Veröffentlichungen zum Zustand des Arbeitsmarktes positiv hätten überraschen können, stelle sich nun die Frage, ob diese positive Dynamik beibehalten werden könne. Unsicherheitsfaktoren, welche auf dem Arbeitsmarkt lasten könnten, gebe es immerhin genug, sei doch der Ausblick seit Donald Trumps Amtsantritt so wenig berechenbar wie schon lange nicht mehr. Nichtsdestotrotz würden realwirtschaftliche Daten und Stimmungsindikatoren aktuell noch keinen bevorstehenden Einbruch der US-Konjunkturdynamik anzeigen, was eine anhaltend solide Entwicklung der Beschäftigungslage unterstützen sollte. Darauf würden auch erste Konsensschätzungen hindeuten, welche einen Beschäftigungszuwachs in Höhe von 130 Tsd. Stellen sowie keine Veränderung bei der Arbeitslosenquote (4,2%) veranschlagen würden. Darüber hinaus stünden weitere Stimmungsindikatoren zur Veröffentlichung an. Die PMIs für Spanien und Italien würden das Stimmungsbild für die Eurozone komplettieren, während in den USA die ISM-Indizes erscheinen würden. Nationale Daten zur Industrieproduktion in der Eurozone würden indessen Informationen zum wirtschaftlichen Momentum in der Eurozone zu Beginn des zweiten Quartals enthalten.

Nächste Woche sei wieder EZB-Zeit. Die RBI denke, dass die EZB ihre drei Leitzinssätze nächste Woche um 25 Basispunkte senken werde. Der Einlagensatz würde dann bei 2% liegen und die EZB hätte ihre Leitzinsen bei jeder Sitzung in diesem Jahr gesenkt. An den Märkten sei die Zinssenkung schon voll eingepreist und sollte daher keine starken Marktreaktionen auslösen. Es seien wieder einmal die Aussichten, die den Ausschlag geben könnten. Hier würden die neuen Wirtschafts-Prognosen der EZB wichtig sein. Im März, vor Merz' "Whatever it takes" und Trumps "Liberation Day", habe die EZB für 2025 mit einem realen BIP-Wachstum von 0,9% und einer Gesamtinflation von 2,3% (Kerninflation 2,2%) gerechnet. Danach sollte sich das Wirtschaftswachstum beschleunigen und die Inflation 2026 wieder zurückgehen. Aus dem Protokoll der letzten EZB-Sitzung gehe klar hervor, dass der EZB-Rat kurzfristige Abwärtsrisiken für die Inflation sehe (aufgrund des Handelskriegs), mittelfristig aber Aufwärtsrisiken erkenne (aufgrund von Lieferketten-Anpassungen und einer akkommodativen Fiskalpolitik). Es werde spannend sein zu sehen, ob diese Überlegungen in den Prognosen berücksichtigt würden. In der Geldpolitik habe die RBI festgestellt, dass die Mitglieder des EZB-Rates zuletzt unterschiedliche Positionen bezogen hätten. Eine Einigung auf weitere Zinssenkungen werde daher schwieriger werden, sodass die RBI davon ausgehe, dass die EZB nur sehr begrenzte Hinweise auf die künftige Entwicklung der Leitzinsen geben werde. Wie üblich werde Präsidentin Lagarde wohl lediglich den datenabhängigen Ansatz der EZB betonen und, dass die EZB von Sitzung zu Sitzung entscheiden werde. Die RBI denke, dass die EZB vielleicht noch ein paar Daten abwarten wolle, um einen Kompromiss zu finden, und dann lieber im September als im Juli die Zinsen senken werde. Damit es im September zu einer Zinssenkung komme, müssten sich zoll-bedingte Disinflation sowie eine gedämpfte Konjunkturdynamik bewahrheiten. (29.05.2025/alc/a/a)




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