EUR/USD-Wechselkurs bricht nach EZB-Ratssitzung aus seiner Handelsspanne nach oben aus


25.07.17 11:45
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die EZB drückte den Snooze-Button im Juli-Treffen und hielt ihre Forward Guidance unverändert, so Florian Weber, Fixed Income Stratege der Bank J. Safra Sarasin AG.

Der EUR/USD-Wechselkurs sei stark angestiegen und damit aus seiner Handelsspanne, in welcher er seit Ankündigung des EZB-Kaufprogrammes im Januar 2015 gehandelt habe, ausgebrochen.

Während der Pressekonferenz habe EZB-Präsident Draghi die Auffassung bestätigt, dass die Wirtschaftsdaten besser als erwartet gewesen seien und lockere Finanzierungsbedingungen die Erholung weiterhin unterstützen sollten. Allerdings würden die geldpolitischen Entscheidungsträger immer noch warten, dass die wirtschaftliche Erholung der Region zu nachhaltiger Preisstabilität führe. Die wirtschaftliche Expansion müsste sich noch in einer stärkeren Inflationsdynamik umsetzen, so EZB-Präsident Draghi.

Er habe auch behauptet, dass die EZB keine Ausschüsse mit der Analyse von Ausstiegsszenarien beauftragt habe und habe keinen Zeitplan darüber gegeben, wann die EZB die Planung für QE ändern würde. Dies gebe der Notenbank maximale Flexibilität und kaufe Zeit, um die finanziellen Bedingungen expansive zu halten. Das sei wichtig, weil Draghi sehr deutlich gemacht habe, dass die EZB gegen eine ungerechtfertigte Verschärfung der finanziellen Bedingungen vorgehen würde.

Tatsächlich hätten sich die Finanzierungsbedingungen zuletzt verschärft, doch seien sie noch wesentlich lockerer als im Jahr 2014. Allerdings sei die Stärke des Euro ein Risiko. Der EUR/USD-Wechselkurs sei in der vergangenen Woche aus seiner Handelsspanne nach oben ausgebrochen und handle derzeit über 1,16. Das Währungspaar habe während des Treffens sehr volatil gehandelt. Anfänglich seien die Notierungen unter 1,15 abgetaucht, nachdem die Forward Guidance unverändert geblieben sei. Doch der Devisenmarkt habe auch die Bemerkung von EZB-Präsident Draghi zur Kenntnis genommen, dass die Euro-Neubewertung im Regierungsrat eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich gezogen habe. Er habe die Bemerkung als bullish für den Euro interpretiert, habe sich diese Aufmerksamkeit in keinerlei Handeln niedergeschlagen.

Vor diesem Hintergrund seien die Notierungen bei EUR/USD im Hoch auf 1,165 geklettert. Seit Donnerstag notiere das meistgehandelte Währungspaar nun über dem Wert von 1,16 und habe damit auch auf Wochenbasis seine Handelsspanne nach oben durchbrochen. Dies sollte den Aufwärtstrend weiterhin unterstützen. Die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG erwarten EUR/USD bei 1,20 zum Jahresende.

Der Euro habe allerdings nicht nur gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Zum Schweizer Franken (EUR/CHF) notiere er inzwischen bei über 1,10 - dem Jahresendziel der Analysten. Dies sollte der Schweizerischen Nationalbank etwas Luft verschaffen und zu weniger Interventionen führen sowie die schweizerische Exportwirtschaft unterstützen. Auf handelsgewichteter Basis handle der Euro wieder über dem Niveau, welches bei der Ankündigung des EZB-Kaufprogrammes im Januar 2015 vorgelegen habe.

Insgesamt zeige die Kommunikation, dass die EZB wisse, was als nächstes passieren werde, sie jedoch den Ausstieg so lange wie möglich verlängern möchte, um die lockeren Finanzierungsbedingungen zu erhalten. Dies sollte über den Sommer Carry-Position im Euro-Zinsmarkt und Übergewichtungs-Positionen in der Peripherie unterstützen. (25.07.2017/alc/a/a)





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