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Draghi passt Rhetorik an - Green Bonds im Aufwind
15.03.17 11:00
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsident Draghi hat auf die jüngsten Inflations- und Wachstumsentwicklungen mit einer leichten Anpassung seiner Rhetorik reagiert, so die Analysten der Nord LB.
Im Anschluss an die Ratssitzung vergangenen Donnerstag habe er sich zu den geldpolitischen Entscheidungen geäußert, die ohne Überraschungen geblieben seien. Allerdings dürfe man - dem Wortlaut des Präsidenten folgend - nun nicht mehr mit noch niedrigeren Leitzinsen rechnen. Entsprechend habe sich der Renditeanstieg der Vortage auch zum Wochenschluss weiter fortgesetzt.
Zusammen mit dem robusten Arbeitsmarktbericht in den USA, der im Prinzip die letzten Zweifel über die nächste Zinserhöhung der US-FED beseitigt haben sollte, seien die Renditen deutscher Bundesanleihen bis auf knapp 0,50% (10J) geklettert. Vor dem Hintergrund dieser jüngsten Entwicklung dürften sich vor allem die Emittenten bestätigt fühlen, die bereits früh im Jahr große Teile ihres Refinanzierungsbedarfs eingeworben hätten. Bei vielen Emittenten seien im Januar und Februar erhebliche Vorzieheffekte zu erkennen gewesen, auch und vor allem um der Volatilität im Vorfeld der Frankreich-Wahl aus dem Weg zu gehen. Entsprechend dürfte das Emissionsvolumen in den kommenden Wochen eher überschaubar bleiben.
Die Frankreich-Wahl bleibe zwar für die Investoren auch weiterhin ein zentrales Thema, allerdings scheine sie am aktuellen Rand ein wenig ihren Schrecken zu verlieren. Die jüngsten Umfragen würden bestätigen, dass die Siegchancen von Marine Le Pen zuletzt weiter abgenommen hätten. Nach den Erfahrungen von Umfragen im letzten Jahr dürften viele Marktteilnehmer zwar weiterhin vorsichtig bleiben, allerdings würden die Umfragen mittlerweile doch einen sehr viel deutlicheren Wahlausgang in Frankreich voraussagen, als dies im Vorfeld des Brexit-Votums bzw. bei der US-Wahl der Fall gewesen sei. Hinzu komme, dass selbst im Fall eines Wahlsiegs von Le Pen ihr Aktionismus begrenzt bleiben dürfte, was in erster Linie mit der fehlenden Mehrheit im Parlament zusammenhänge. Zwar stünden noch in diesem Jahr Parlamentswahlen an. Hier dürfte der Front National allerdings keine allzu bedeutende Rolle spielen.
Insofern überrasche nicht, dass sich die Spreadeinengung französischer Agencies auch in den vergangenen Handelstagen fortgesetzt habe. Die zwischenzeitlichen Übertreibungen hätten sich damit wieder weitestgehend normalisiert, auch wenn die Spreadunterschiede zu Agencies anderer Jurisdiktionen nach wie vor gegeben seien. An einem grundsätzlichen politikinduzierten Renditeunterschied wird sich aus Sicht der Analysten der Nord LB bis zur Wahl auch nichts Grundsätzliches ändern. Vielmehr würden die Analysten eine temporäre Spreadausweitung vor der Wahl durchaus noch einmal für möglich halten. Eine nachhaltige Beruhigung sei aus ihrer Sicht dann nach der Stichwahl im Mai zu erwarten.
Deutlich entspannter seien die Marktteilnehmer mit Blick auf die Wahl in den Niederlanden. Hier gebe es einige Gemeinsamkeiten zu der Situation in Frankreich. Mit Geert Wilders habe lange Zeit ein Vertreter des rechten politischen Spektrums in den Umfragen vorne gelegen. Ähnlich wie in Frankreich seien die Machtoptionen indes begrenzt. Fraglich sei, inwieweit die jüngsten diplomatischen Verspannungen zwischen der Türkei und der Niederlande Wilders in die Hände spielen würden. Die Wahllokale würden heute um 21:00 Uhr schließen. Mit ersten Ergebnissen sei dann am Abend bzw. am frühen Donnerstagmorgen zu rechnen.
Der anhaltende Aufwind von Nachhaltigkeitsanleihen sei ungebrochen. Auf einem Branchentreffen in der vergangenen Woche habe Moody's seine Prognosen für die Entwicklung dieses Segmentes vorgestellt. Die Ratingagentur gehe demnach von weiter steigenden Emissionsvolumina aus. Hinzu komme, dass einerseits die Heterogenität der Emittenten selbst aber auch die Vielfalt der Anleihearten zunehme. So sei etwa auf den ersten "grünen" Covered Bond sowie auf zwei Nachhaltigkeitsanleihen-ETFs verwiesen worden.
Was die erhöhte Emittentenbreite betreffe, so seien es am aktuellen Rand vor allem Staaten, die verstärkt in diesem Segment aktiv würden. Die Analysten der Nord LB hatten im Dezember die erste "grüne" Staatsanleihe überhaupt (Polen) sowie vor wenigen Wochen den ersten Green Bond Frankreichs kommentiert. Im März plane nun offenbar Nigeria die Emission einer entsprechenden Anleihe (in Landeswährung). Weitere Regierungen sollten - dem Vernehmen nach - in diesem Jahr folgen. Moody's rechne damit, dass das Emissionsvolumen über alle Green Bond Schattierungen hinweg im laufenden Jahr auf USD 206 Mrd. ansteige, nach USD 93 Mrd. im Vorjahr.
Erstmals in diesem Jahr hätten einige Bundesländer am Donnerstag vergangener Woche eine gemeinsame Länderanleihe emittiert. Die Anleihe sei bereits die 52. ihrer Art. Das Emissionsvolumen von EUR 1 Mrd. verteile sich dabei zu jeweils 20% auf die Länder Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Schleswig-Holstein. Die siebenjährige Anleihe sei zu ms -17 Bp begeben worden. Am Ende hätten Orders im Umfang von EUR 1,1 Mrd. vorgelegen. Mit 47% sei knapp die Hälfte des Emissionsbetrags an Banken gegangen, gefolgt von Asset Managern (29%) und Zentralbanken (19%).
Neben der gemeinsamen Länderanleihe, an der Rheinland-Pfalz beteiligt sei, sei das Bundesland auch allein am Primärmarkt gewesen und habe EUR 500 Mio. für zwei Jahre, sowie EUR 600 Mio. für drei Jahre eingesammelt. Darüber hinaus seien auch die NRW.Bank sowie die französische Förderbank Bpifrance Financement aktiv gewesen. Ansonsten sei das Bild durch einige umfangreichere Taps geprägt gewesen. Die EIB habe ihren bis 11/2037 laufenden Green Bond um weitere EUR 500 Mio. und das 09/2045 auslaufende Papier um EUR 250 Mio. aufgestockt. Die KfW habe EUR 1,5 Mrd. durch einen Tap eingesammelt, die Anleihe (ISIN DE000A1R07S9 / WKN A1R07S) verfüge damit nun über ein Gesamtvolumen von EUR 4,5 Mrd.
Primärseitig sei EUR 1 Mrd. Länder 03/24 bei ms -17 Bp begeben worden. Im Sekundärmarkt zeige sich der Markt momentan stabil, die Zeit der Spreadausweitungen scheine vorerst vorbei zu sein. Bessere Käufer habe es im kürzeren Laufzeitbereich und bei 24er und 25er Fälligkeiten gegeben. Auch bei den kanadischen Regionen habe man ein stabiles Spreadniveau bei allerdings geringen Umsätzen gehabt. (15.03.2017/alc/a/a)
Im Anschluss an die Ratssitzung vergangenen Donnerstag habe er sich zu den geldpolitischen Entscheidungen geäußert, die ohne Überraschungen geblieben seien. Allerdings dürfe man - dem Wortlaut des Präsidenten folgend - nun nicht mehr mit noch niedrigeren Leitzinsen rechnen. Entsprechend habe sich der Renditeanstieg der Vortage auch zum Wochenschluss weiter fortgesetzt.
Zusammen mit dem robusten Arbeitsmarktbericht in den USA, der im Prinzip die letzten Zweifel über die nächste Zinserhöhung der US-FED beseitigt haben sollte, seien die Renditen deutscher Bundesanleihen bis auf knapp 0,50% (10J) geklettert. Vor dem Hintergrund dieser jüngsten Entwicklung dürften sich vor allem die Emittenten bestätigt fühlen, die bereits früh im Jahr große Teile ihres Refinanzierungsbedarfs eingeworben hätten. Bei vielen Emittenten seien im Januar und Februar erhebliche Vorzieheffekte zu erkennen gewesen, auch und vor allem um der Volatilität im Vorfeld der Frankreich-Wahl aus dem Weg zu gehen. Entsprechend dürfte das Emissionsvolumen in den kommenden Wochen eher überschaubar bleiben.
Die Frankreich-Wahl bleibe zwar für die Investoren auch weiterhin ein zentrales Thema, allerdings scheine sie am aktuellen Rand ein wenig ihren Schrecken zu verlieren. Die jüngsten Umfragen würden bestätigen, dass die Siegchancen von Marine Le Pen zuletzt weiter abgenommen hätten. Nach den Erfahrungen von Umfragen im letzten Jahr dürften viele Marktteilnehmer zwar weiterhin vorsichtig bleiben, allerdings würden die Umfragen mittlerweile doch einen sehr viel deutlicheren Wahlausgang in Frankreich voraussagen, als dies im Vorfeld des Brexit-Votums bzw. bei der US-Wahl der Fall gewesen sei. Hinzu komme, dass selbst im Fall eines Wahlsiegs von Le Pen ihr Aktionismus begrenzt bleiben dürfte, was in erster Linie mit der fehlenden Mehrheit im Parlament zusammenhänge. Zwar stünden noch in diesem Jahr Parlamentswahlen an. Hier dürfte der Front National allerdings keine allzu bedeutende Rolle spielen.
Insofern überrasche nicht, dass sich die Spreadeinengung französischer Agencies auch in den vergangenen Handelstagen fortgesetzt habe. Die zwischenzeitlichen Übertreibungen hätten sich damit wieder weitestgehend normalisiert, auch wenn die Spreadunterschiede zu Agencies anderer Jurisdiktionen nach wie vor gegeben seien. An einem grundsätzlichen politikinduzierten Renditeunterschied wird sich aus Sicht der Analysten der Nord LB bis zur Wahl auch nichts Grundsätzliches ändern. Vielmehr würden die Analysten eine temporäre Spreadausweitung vor der Wahl durchaus noch einmal für möglich halten. Eine nachhaltige Beruhigung sei aus ihrer Sicht dann nach der Stichwahl im Mai zu erwarten.
Der anhaltende Aufwind von Nachhaltigkeitsanleihen sei ungebrochen. Auf einem Branchentreffen in der vergangenen Woche habe Moody's seine Prognosen für die Entwicklung dieses Segmentes vorgestellt. Die Ratingagentur gehe demnach von weiter steigenden Emissionsvolumina aus. Hinzu komme, dass einerseits die Heterogenität der Emittenten selbst aber auch die Vielfalt der Anleihearten zunehme. So sei etwa auf den ersten "grünen" Covered Bond sowie auf zwei Nachhaltigkeitsanleihen-ETFs verwiesen worden.
Was die erhöhte Emittentenbreite betreffe, so seien es am aktuellen Rand vor allem Staaten, die verstärkt in diesem Segment aktiv würden. Die Analysten der Nord LB hatten im Dezember die erste "grüne" Staatsanleihe überhaupt (Polen) sowie vor wenigen Wochen den ersten Green Bond Frankreichs kommentiert. Im März plane nun offenbar Nigeria die Emission einer entsprechenden Anleihe (in Landeswährung). Weitere Regierungen sollten - dem Vernehmen nach - in diesem Jahr folgen. Moody's rechne damit, dass das Emissionsvolumen über alle Green Bond Schattierungen hinweg im laufenden Jahr auf USD 206 Mrd. ansteige, nach USD 93 Mrd. im Vorjahr.
Erstmals in diesem Jahr hätten einige Bundesländer am Donnerstag vergangener Woche eine gemeinsame Länderanleihe emittiert. Die Anleihe sei bereits die 52. ihrer Art. Das Emissionsvolumen von EUR 1 Mrd. verteile sich dabei zu jeweils 20% auf die Länder Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Schleswig-Holstein. Die siebenjährige Anleihe sei zu ms -17 Bp begeben worden. Am Ende hätten Orders im Umfang von EUR 1,1 Mrd. vorgelegen. Mit 47% sei knapp die Hälfte des Emissionsbetrags an Banken gegangen, gefolgt von Asset Managern (29%) und Zentralbanken (19%).
Neben der gemeinsamen Länderanleihe, an der Rheinland-Pfalz beteiligt sei, sei das Bundesland auch allein am Primärmarkt gewesen und habe EUR 500 Mio. für zwei Jahre, sowie EUR 600 Mio. für drei Jahre eingesammelt. Darüber hinaus seien auch die NRW.Bank sowie die französische Förderbank Bpifrance Financement aktiv gewesen. Ansonsten sei das Bild durch einige umfangreichere Taps geprägt gewesen. Die EIB habe ihren bis 11/2037 laufenden Green Bond um weitere EUR 500 Mio. und das 09/2045 auslaufende Papier um EUR 250 Mio. aufgestockt. Die KfW habe EUR 1,5 Mrd. durch einen Tap eingesammelt, die Anleihe (ISIN DE000A1R07S9 / WKN A1R07S) verfüge damit nun über ein Gesamtvolumen von EUR 4,5 Mrd.
Primärseitig sei EUR 1 Mrd. Länder 03/24 bei ms -17 Bp begeben worden. Im Sekundärmarkt zeige sich der Markt momentan stabil, die Zeit der Spreadausweitungen scheine vorerst vorbei zu sein. Bessere Käufer habe es im kürzeren Laufzeitbereich und bei 24er und 25er Fälligkeiten gegeben. Auch bei den kanadischen Regionen habe man ein stabiles Spreadniveau bei allerdings geringen Umsätzen gehabt. (15.03.2017/alc/a/a)


