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Dezember-HVPI-Schnellschätzung für Euroraum - leicht positive Überraschung


13.01.25 08:53
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die mit Spannung erwartete Dezember-HVPI-Schnellschätzung für den Euroraum brachte eine leicht positive Überraschung, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Gesamtinflation habe bei 2,4% im Jahresvergleich gelegen und damit leicht unter der Schätzung von 2,5%. Die größere Überraschung habe jedoch die Kerninflation geliefert, die mit 2,7% ebenfalls unter der Schätzung von 2,8% gelegen habe. Zusammen mit der stabilen Inflation bei den Lebensmittelpreisen bestätigt diese Entwicklung, dass die schlimmste Inflationswelle hinter uns liegt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Zwar liege die Inflation im Jahresvergleich weiterhin deutlich über 2%, doch sei dies ein Artefakt der leicht erhöhten Inflation im ersten Halbjahr 2024.

Betrachte man die kurzfristigen Momentum-Indikatoren, so zeige sich, dass sowohl die Gesamtinflation als auch die Kerninflation zwar volatil seien, sich aber bereits der 2%-Marke annähern oder sogar leicht darunter liegen würden. Im Großen und Ganzen gelte: Sobald die Basiseffekte verpuffen würden, werde die Inflation im Euroraum in der Nähe des Inflationsziels der EZB liegen. Eine weitere Abschwächung der Preisdynamik bei den Dienstleistungen wäre in Frankfurt dennoch willkommen.

In den USA erschien am 10. Januar 2025 mit dem Arbeitsmarktbericht für Dezember ebenfalls ein wichtiger Datenpunkt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Dieser habe auf ganzer Linie überzeugt. So sei die Beschäftigungsdynamik (exklusive Agrar) mit einem Anstieg von 256 Tausend Stellen klar besser ausgefallen als vorab erwartet worden sei (Konsens: +160 Tausend Stellen). Außerdem habe auch die Arbeitslosenquote von 4,2% auf 4,1% abgenommen. Auch zu Jahresende 2024 habe sich der US-Arbeitsmarkt also weiterhin robust gezeigt, was die aktuelle gesamtwirtschaftliche Resilienz der USA abermals unterstreiche.

Daten zu den Inflationsdynamiken in den USA für Dezember erscheinen diese Woche, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Im November sei die VPI-Gesamtinflation von 2,6% p.a. auf 2,7% p.a. angestiegen. Die noch wichtigere Kerninflationskomponente habe indessen nach einem monatlichen Anstieg in Höhe von 0,3% den dritten Monat in Folge bei 3,3% p.a. verharrt. Trotz einiger leicht positiver zugrundeliegender Tendenzen (z.B. bei den Wohnkosten) sei die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Inflationsentwicklung entsprechend hoch geblieben. Daran dürfte auch die Dezember-Veröffentlichung wohl so schnell nichts ändern, weise doch der Nowcast der Cleveland Fed aktuell Wachstumsraten von 2,9% p.a. (Gesamtinflation) und 3,3% p.a. (Kerninflation) aus. Es sei allerdings darauf verwiesen, dass die PCE-Inflation (das bevorzugte Inflationsmaß der Federal Reserve) jüngst eine klar positivere Dynamik an den Tag gelegt habe als die VPI-Inflation.

Zusätzlich zu den ebenfalls erscheinenden Daten zu den US-Produzentenpreisen stünden diese Woche außerdem noch Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion im Dezember zur Veröffentlichung an. Auch in der Eurozone stünden Zahlen zur Industrieproduktion auf der Agenda, diese würden sich allerdings noch auf November beziehen. Basierend auf den bereits verfügbaren nationalen Daten würden die Analysten für das Eurozonen-Aggregat eine Zunahme auf Monatsbasis von 0,3% prognostizieren.

Der Zinsmarkt habe 2025 so gestartet, wie 2024 geendet habe, mit steigenden Renditen. Hierbei sei vor allem die Versteilerung der Zinskurve in den USA auffällig gewesen. Ein Phänomen, das mit dem Trump Trade assoziiert werde und nicht zuletzt auf Unsicherheiten betreffend die Fiskal- und Inflationsausblicke zurückzuführen sei. So hätten auch in den ersten Tagen des Jahres steigende Durations-Risikoprämien zu steileren Kurven und steigenden Renditen geführt. Der stärker als erwartete Arbeitsmarktbericht habe nochmals als Renditeboost gewirkt.

Der europäische Zinsmarkt könne diesen globalen Faktoren nicht entkommen, sodass auch hier Renditen längerer Laufzeiten deutlich zugelegt hätten. Im Unterschied zu den USA seien aber in Europa auch Renditen kürzerer Laufzeiten angestiegen. Dies führten die Analysten auf die höher als vom Markt erwartet ausgefallenen Inflationsdaten in der Eurozone zurück, vor allem auf Länderebene. Damit einhergegangen sei ein hawkisches Repricing der EZB-Zinserwartungen. Zinssenkungen um 50 BP seien ausgepreist worden und ein Einlagesatz unter 2% ebenso. Die Inflationsveröffentlichungen seien zuletzt äußerst volatil gewesen, und das werde auch für den Zinsmarkt weiterhin gelten. (Ausgabe vom 10.01.2025) (13.01.2025/alc/a/a)