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Deutschland - einig Anleiheland
28.06.12 15:45
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Inzwischen kann man sich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass alle nur unser Bestes wollen, unser Geld. Unsere Politiker haben uns mit ihrer Sehnsucht nach einem geeinten Europa in eine brenzlige Situation manövriert. Wir haben gemeinsam einen Zug gebaut, alle zum Mitfahren eingeladen und bei der Fahrt ins Tal merken wir jetzt, dass wir eine wesentliche Sache vergessen haben, die Bremse. Eigentlich sind wir Gefangene unserer eigenen Ideen und sollen ohne Gegenleistung unser know how, unsere Leistungsfähigkeit und nicht zuletzt unser Kapital mit allen anderen Euroländern teilen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.
So etwas habe noch nie funktioniert, auch nicht bei den diversen Schulreformen. Kein Hochbegabter könne gefördert werden, wenn gleichzeitig die Nachzügler integriert werden sollen, denn wir leben in einer Leistungsgesellschaft, so die Analysten der Baader Bank. Beim Marathon warte auch nicht der Schnellste auf den Langsamsten, um mit ihm gemeinsam durch das Ziel zu laufen. Dieser Weg würde politisch und wirtschaftlich in den Sozialismus führen und das sei zu kurz gesprungen.
Deutschland werde immer als der große Nutznießer des Euro bezeichnet. Das werde immer wieder gebetsmühlenartig aufgesagt, aber inzwischen seien wir auf dem besten Weg, der größte Verlierer zu werden. Dass man uns noch in gewissen Grenzen gewähren lasse, hänge nur mit der Tatsache zusammen, dass auch unsere Nachbarn wissen würden, eine abgemagerte Milchkuh kann niemanden ernähren. Sei das unsere neue Aufgabe: "Von der Konjunkturlokomotive zur Milchkuh"? Bereits die Indianer hätten die Verwundeten zuerst gesund gepflegt und sie psychologisch aufgebaut, damit sie die Qualen am Marterpfahl besser ertragen konnten. Armes Deutschland, aber vielleicht werden wir dann zumindest im Fußball Europameister, so die Analysten der Baader Bank.
Wenn man sich mit den Ursachen der Finanzkrise tagein tagaus beschäftige, dann frage man sich schon lange: "Wer hat's erfunden?" Die Krise sei keine europäische Erfindung und die Probleme hätten auch andere Staaten. Inzwischen hätten die Regierungschefs weltweit ein Schreckensgespenst ausgemacht und Angst vor einem Flächenbrand. Das sei nicht auszuschließen, denn das hierfür benötigte Löschwasser könne von niemandem bereitgestellt werden. Jedes Bankensystem sei zerstörbar, denn das eingezahlte Geld sei den Banken anvertraut worden, die es wiederum ausgeliehen hätten.
Kämen nun alle Kunden gleichzeitig zur ihrer Bank und hätten ihre Ersparnisse abheben wollen, so würde jedes System kollabieren. Das liege in der Natur der Dinge. Somit sei die einzige Möglichkeit von den eigenen Fehlern abzulenken, indem man Andere an den Pranger stelle. Das mache Amerika seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit Europa. Europa sei das Schmuddelkind mit dem niemand mehr spielen wolle und dürfe.
Das werde aber nicht ewig so funktionieren, denn inzwischen würden sich auch in den USA die Stimmen mehren, die vor einer möglichen Spekulationswelle gegen die USA warnen würden. Amerika habe weiterhin Probleme mit seinen Finanzen und wenn Europa bei einer wesentlich geringeren "pro Kopf-Verschuldung" seine Probleme in den Griff bekommen würde, dann stehe einer Kraftprobe mit den USA nichts mehr im Wege. Denn die Spekulationswelle werde in Europa nicht enden, sondern das Kapital brauche neue Opfer, um weiter spielen zu können. Ob das bereits arg in Mitleidenschaft gezogene Amerika diese Angriffe dann abwehren könne, bleibe abzuwarten. Noch habe Amerika die Macht, den Spekulanten Grenzen zu setzen. Aber wie lange noch?
Die Vorzeichen stünden nicht gut. Die Staatsschuldenkrise übe einen immer größeren Sog auf Deutschland aus. Die Bürgschaften und Kredite für die Rettung des Euro würden sich auf 310 Mrd. EUR summieren und seien fast identisch mit dem Jahresbudget für 2013 in Höhe von 302 Mrd. EUR. Das sei die erste Zahl, die einen offiziellen Charakter habe, da sie aus einem Bericht des Bundesministeriums der Finanzen an den Haushaltsausschuss hervorgehe. Es handle sich dabei um den maximalen Bürgschaftsrahmen, falls die Hilfen aus dem EFSF und ESM komplett in Anspruch genommen würden und alle anderen Bürgen noch zahlungsfähig seien. Die Zahlen würden auch dem Letzten klarmachen, dass die Verschuldung Deutschlands rasant steigen werde, ob der Euro nun auseinander breche oder nicht. Wer glaube denn, dass die Hilfen noch einmal zurückgezahlt würden?
Die kleine US-Ratingagentur Egan Jones habe bereits darauf reagiert und Deutschland auf "A plus" mit negativem Ausblick herabgestuft. Nach Ansicht der Bonitätswächter werde die Bundesrepublik auf "uneinbringlichen Forderungen sitzenbleiben". Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, dass die großen Ratingagenturen die Bonitätsnote Deutschlands ebenfalls senken würden. Keine guten Zeiten für die Bundeskanzlerin. Denn dadurch ist es für Angela Merkel - unter Berücksichtigung unserer nationalen Interessen - unmöglich, noch weitere Bürgschaften oder Hilfen zuzusagen, so die Analysten der Baader Bank.
Der deutsche Steuerzahler spare Geld und der Investor bekomme ein interessantes Anleiheprodukt. Klinge gut, sei auch so. Ab dem nächsten Jahr gebe es gemeinsame Anleihen von Bund und Ländern. Haften werde aber jeder nur für den für ihn bestimmten Teil. Mehr gehe verfassungsrechtlich nicht, würden die Fachleute im Ministerium in Berlin behaupten. Damit hätten die Treasurer der Länder die Chance, von der überragenden Bonität des Bundes zu profitieren und aufgrund des größeren Volumens entsprechend liquide Anleihen zu emittieren. Der Investor erhalte ein Produkt mit Quasi-Bund-Qualität, kriege aber einen spürbaren Renditeaufschlag zu den traditionellen Titeln des Bundes.
Nicht jeder Investor schätze die Bonität der Länder so hoch ein wie den Bund, aber aufgrund der bestehenden Haftungsmechanismen seien Bedenken in dieser Hinsicht wohl nicht angebracht. Unbekannt sei das Thema der so genannten "Hucke-Pack-Anleihen" nicht, bisher habe es aber nur zu gemeinsamen Jumbo-Länder-Anleihen gereicht - der Qualitätsbringer Bund habe aber gefehlt. Jahrzehntelang hätten sich die Länderfinanzminister mit den Bundesfinanzministern darum gestritten, dass sie gemeinsam mit dem Bund auf den Markt kommen wollten. Aber bis zum 25. Juni sei Berlin stur gewesen. Der Fiskalpakt habe es möglich gemacht!
Auch Zypern gerate in den Abwärtsstrudel von Griechenland. Das hoch verschuldete Land dränge sich als fünftes Land der Eurozone unter den internationalen Rettungsschirm. Vorausgegangen sei eine Abwertung der Kreditbewertung von "BBB -" um eine Stufe auf "BB +" durch Fitch. Grund seien die notleidenden Banken. Zypern brauche die Hilfen aus den Rettungsschirmen für Notkredite zur Stabilisierung des angeschlagenen Bankensystems. Der Inselstaat und seine Banken würden traditionell enge Verbindungen zu Griechenland unterhalten. So hätten die Bank of Cyprus und die Cyprus Popular Bank (ISIN CY0000200119 / WKN 778937) viele Zweigstellen auf dem Festland. Da diese Institute von einem Euro-Austritt Griechenlands betroffen wären, hätten die Ratingagenturen die Bonität der Banken kräftig gesenkt.
Ob die beantragte Hilfe aus dem EU-Rettungstopf reichen werde, möge bezweifelt werden. Denn wenn Athen den Euro verlasse, würden die Kunden auch verstärkt ihre Einlagen von den zypriotischen Konten abheben und auch die neuen "Herrscher auf Zypern", die Russen, würden unruhig werden. Das würde unweigerlich zu Liquiditätsengpässen und neuen Hilfen führen.
In guter Verfassung zeige sich weiterhin der Markt für Neuemissionen, denn viele Investoren hätten einen Nachholbedarf. Somit stünden Unternehmensanleihen guter Emittenten auf dem "Einkaufszettel" der Anleger.
Aus dem Segment der Versicherungen sei die Zurich AG (A1/A+) mit einem 10-jährigen Bond (ISIN XS0798504030 / WKN A1G6NS) im Volumen von 500 Mio. EUR gekommen. Dem Investor werde ein Kupon von 3,375% geboten.
Die norwegische Telekommunikationsgesellschaft Telenor habe insgesamt 1 Mrd. EUR, verteilt auf zwei Tranchen, eingesammelt. Die Laufzeiten würden fünfeinhalb und zehn Jahre betragen und den Investoren Kupons von 1,75% (ISIN XS0798788716 / WKN A1G6N0) bzw. 2,75% (ISIN XS0798790027 / WKN A1G6NZ) offerieren.
Gut nachgefragt sei auch eine Anleihe (ISIN XS0798333802 / WKN A1G6NV) des französischen Autobauers Peugeot im Volumen von 600 Mio. EUR gewesen. Für eine dreijährige Anlagedauer erhalte der Anleger einen jährlichen Kupon von 4,875%.
Ein bei Investoren beliebter Name, Carlsberg A/S (Baa2/BBB) habe 500 Mio. EUR zu einer Verzinsung von 2,875% einsammeln können. Die Anleihe (ISIN XS0800572454 / WKN A0VNTQ) sei 2019 fällig.
Aber auch bei den Altemissionen würden Investoren immer wieder nach "Perlen" suchen. Ob man unbedingt das Unternehmen HeidelbergCement (Ba2/BB) als solche bezeichnen könne, müsse jeder Investor selbst entscheiden. Allerdings hätten sich bei deren Bonds die Renditespreads deutlich eingeengt. So habe z.B. ein am 31.07.2017 fälliger Bond (ISIN XS0458230322 / WKN A1A6PG) einen Renditerückgang von ca. 6,00% (Ende Mai) auf jetzt ca. 4,60% vorzuweisen.
An den Rentenmärkten müsse man inzwischen akzeptieren, dass auch Deutschland sich sein AAA-Rating nicht kaufen könne, sondern mit zunehmenden, möglichen Zahlungsverpflichtungen immer mehr unter Beobachtung stehe. Die kleine, aber inzwischen viel beachtete, US-Ratingagentur Egan Jones habe bereits reagiert und Deutschlands Kreditwürdigkeit herabgestuft. Solche Meldungen würden selbstverständlich auch die Futuresmärkte bewegen. Aus charttechnischer Sicht deute alles auf eine Zuspitzung im Bereich zwischen 141,15% und 141,53% hin und ein Ausbruch aus diesem aus kurzfristigem Aufwärts- und längerfristigem Abwärtstrend gebildeten Dreieck stehe kurz bevor.
Durch die politischen Entscheidungen auf dem EU-Gipfel sei allerdings wieder alles möglich. Die Krise könne nochmals die Anleger in deutsche Bundeswertpapiere treiben, aber auch die Angst vor einem Streit der Staats- und Regierungschefs, der Euroland in ein politisches Vakuum stürzen würde, könnte die Anleger dazu bewegen, sich von deutschen Anleihen abzuwenden. Beide Szenarien seien möglich. Bei einem nachhaltigen Durchbrechen der Marke von 141% sei eine Reaktion auf 140,17% und bei Überwinden des oberen Trendkanals bei 141,53% wäre ein erneuter Test von 142,25% und 143,09% möglich. Am kommenden Montag sind wir schlauer, so die Analysten der Baader Bank.
Bezeichnenderweise sei die Europäische Zentralbank (EZB) zum wiederholten Male nicht bereit gewesen, Staatsanleihen anzukaufen. Somit hätten "lediglich" unverändert 210,5 Mrd. EUR über ein siebentägiges Refinanzierungsgeschäft absorbiert werden müssen.
In den vergangenen Wochen hätten immer die Neuemissionen der Wackelkandidaten unter verschärfter Beobachtung gestanden. In dieser Woche habe man gespannt auf den Refinanzierungsbedarf Deutschlands gewartet. Die Bundesfinanzagentur habe für das 3. Quartal das bisher geplante Emissionsvolumen von 68 Mrd. EUR auf 71 Mrd. EUR angehoben. Dies sei nicht zuletzt notwendig geworden, da Deutschland bereits in diesem Jahr zwei von insgesamt fünf Jahrestranchen in den Kapitalstock des ESM einzahlen müsse. Wegen deutlich höherer Steuereinnahmen sei die Anpassung relativ gering ausgefallen.
Bereits für 2016 strebe Deutschland einen ausgeglichenen Haushalt ohne Neuverschuldung an. Mit weiter steigenden Steuereinnahmen und den aktuell niedrigen Zinsausgaben könnte das möglich sein. Aber dennoch seien die Schulden insgesamt so hoch wie noch nie zuvor. 2.042 Mrd. EUR stünden zum Ende des ersten Quartals 2012 als deutsche Gesamtschulden zu Buche. Allerdings habe auch diese Statistik ihre Tücken, denn die Verbindlichkeiten kommunaler Zweckverbände und der gesetzlichen Sozialversicherung würden nicht aufgelistet und auch die möglichen Zahlungsverpflichtungen, die am Kapitalmarkt refinanziert werden müssten, würden fehlen.
Wer sich der Illusion eines gesunden Staatshaushalts der Bundesrepublik Deutschland hingebe, der sollte sich eine rosarote Brille vom Politiker seines Vertrauens besorgen.
Die nicht enden wollenden negativen Nachrichten aus der Eurozone seien Gift für die europäische Gemeinschaftswährung. Somit sei es nicht verwunderlich, dass der Euro - in Ermangelung einer nachhaltigen Lösung der Probleme auf dem anstehenden EU-Gipfel - nicht auf die Beine komme und sich in einer Range zwischen 1,2440 und 1,2704 bewege. Aber auch im Vergleich zur Türkischen Lira habe die gemeinsame Währung an Boden verloren und bei 2,2461 sogar ein neues Jahrestief verzeichnet.
Die Sorge um ihr Geldvermögen treibe viele Investoren in andere Währungen. Dies sei ein altbekannter Trend, der sich, wie die Umsatztätigkeit belege, täglich verstärke. Im Mittelpunkt des Interesses seien weiterhin Anleihen auf Norwegische Kronen, Amerikanische und Australische Dollar, sowie Türkische Lira und Chinesische Renminbi.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright ©: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (28.06.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
So etwas habe noch nie funktioniert, auch nicht bei den diversen Schulreformen. Kein Hochbegabter könne gefördert werden, wenn gleichzeitig die Nachzügler integriert werden sollen, denn wir leben in einer Leistungsgesellschaft, so die Analysten der Baader Bank. Beim Marathon warte auch nicht der Schnellste auf den Langsamsten, um mit ihm gemeinsam durch das Ziel zu laufen. Dieser Weg würde politisch und wirtschaftlich in den Sozialismus führen und das sei zu kurz gesprungen.
Deutschland werde immer als der große Nutznießer des Euro bezeichnet. Das werde immer wieder gebetsmühlenartig aufgesagt, aber inzwischen seien wir auf dem besten Weg, der größte Verlierer zu werden. Dass man uns noch in gewissen Grenzen gewähren lasse, hänge nur mit der Tatsache zusammen, dass auch unsere Nachbarn wissen würden, eine abgemagerte Milchkuh kann niemanden ernähren. Sei das unsere neue Aufgabe: "Von der Konjunkturlokomotive zur Milchkuh"? Bereits die Indianer hätten die Verwundeten zuerst gesund gepflegt und sie psychologisch aufgebaut, damit sie die Qualen am Marterpfahl besser ertragen konnten. Armes Deutschland, aber vielleicht werden wir dann zumindest im Fußball Europameister, so die Analysten der Baader Bank.
Wenn man sich mit den Ursachen der Finanzkrise tagein tagaus beschäftige, dann frage man sich schon lange: "Wer hat's erfunden?" Die Krise sei keine europäische Erfindung und die Probleme hätten auch andere Staaten. Inzwischen hätten die Regierungschefs weltweit ein Schreckensgespenst ausgemacht und Angst vor einem Flächenbrand. Das sei nicht auszuschließen, denn das hierfür benötigte Löschwasser könne von niemandem bereitgestellt werden. Jedes Bankensystem sei zerstörbar, denn das eingezahlte Geld sei den Banken anvertraut worden, die es wiederum ausgeliehen hätten.
Kämen nun alle Kunden gleichzeitig zur ihrer Bank und hätten ihre Ersparnisse abheben wollen, so würde jedes System kollabieren. Das liege in der Natur der Dinge. Somit sei die einzige Möglichkeit von den eigenen Fehlern abzulenken, indem man Andere an den Pranger stelle. Das mache Amerika seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit Europa. Europa sei das Schmuddelkind mit dem niemand mehr spielen wolle und dürfe.
Das werde aber nicht ewig so funktionieren, denn inzwischen würden sich auch in den USA die Stimmen mehren, die vor einer möglichen Spekulationswelle gegen die USA warnen würden. Amerika habe weiterhin Probleme mit seinen Finanzen und wenn Europa bei einer wesentlich geringeren "pro Kopf-Verschuldung" seine Probleme in den Griff bekommen würde, dann stehe einer Kraftprobe mit den USA nichts mehr im Wege. Denn die Spekulationswelle werde in Europa nicht enden, sondern das Kapital brauche neue Opfer, um weiter spielen zu können. Ob das bereits arg in Mitleidenschaft gezogene Amerika diese Angriffe dann abwehren könne, bleibe abzuwarten. Noch habe Amerika die Macht, den Spekulanten Grenzen zu setzen. Aber wie lange noch?
Die Vorzeichen stünden nicht gut. Die Staatsschuldenkrise übe einen immer größeren Sog auf Deutschland aus. Die Bürgschaften und Kredite für die Rettung des Euro würden sich auf 310 Mrd. EUR summieren und seien fast identisch mit dem Jahresbudget für 2013 in Höhe von 302 Mrd. EUR. Das sei die erste Zahl, die einen offiziellen Charakter habe, da sie aus einem Bericht des Bundesministeriums der Finanzen an den Haushaltsausschuss hervorgehe. Es handle sich dabei um den maximalen Bürgschaftsrahmen, falls die Hilfen aus dem EFSF und ESM komplett in Anspruch genommen würden und alle anderen Bürgen noch zahlungsfähig seien. Die Zahlen würden auch dem Letzten klarmachen, dass die Verschuldung Deutschlands rasant steigen werde, ob der Euro nun auseinander breche oder nicht. Wer glaube denn, dass die Hilfen noch einmal zurückgezahlt würden?
Die kleine US-Ratingagentur Egan Jones habe bereits darauf reagiert und Deutschland auf "A plus" mit negativem Ausblick herabgestuft. Nach Ansicht der Bonitätswächter werde die Bundesrepublik auf "uneinbringlichen Forderungen sitzenbleiben". Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, dass die großen Ratingagenturen die Bonitätsnote Deutschlands ebenfalls senken würden. Keine guten Zeiten für die Bundeskanzlerin. Denn dadurch ist es für Angela Merkel - unter Berücksichtigung unserer nationalen Interessen - unmöglich, noch weitere Bürgschaften oder Hilfen zuzusagen, so die Analysten der Baader Bank.
Der deutsche Steuerzahler spare Geld und der Investor bekomme ein interessantes Anleiheprodukt. Klinge gut, sei auch so. Ab dem nächsten Jahr gebe es gemeinsame Anleihen von Bund und Ländern. Haften werde aber jeder nur für den für ihn bestimmten Teil. Mehr gehe verfassungsrechtlich nicht, würden die Fachleute im Ministerium in Berlin behaupten. Damit hätten die Treasurer der Länder die Chance, von der überragenden Bonität des Bundes zu profitieren und aufgrund des größeren Volumens entsprechend liquide Anleihen zu emittieren. Der Investor erhalte ein Produkt mit Quasi-Bund-Qualität, kriege aber einen spürbaren Renditeaufschlag zu den traditionellen Titeln des Bundes.
Nicht jeder Investor schätze die Bonität der Länder so hoch ein wie den Bund, aber aufgrund der bestehenden Haftungsmechanismen seien Bedenken in dieser Hinsicht wohl nicht angebracht. Unbekannt sei das Thema der so genannten "Hucke-Pack-Anleihen" nicht, bisher habe es aber nur zu gemeinsamen Jumbo-Länder-Anleihen gereicht - der Qualitätsbringer Bund habe aber gefehlt. Jahrzehntelang hätten sich die Länderfinanzminister mit den Bundesfinanzministern darum gestritten, dass sie gemeinsam mit dem Bund auf den Markt kommen wollten. Aber bis zum 25. Juni sei Berlin stur gewesen. Der Fiskalpakt habe es möglich gemacht!
Auch Zypern gerate in den Abwärtsstrudel von Griechenland. Das hoch verschuldete Land dränge sich als fünftes Land der Eurozone unter den internationalen Rettungsschirm. Vorausgegangen sei eine Abwertung der Kreditbewertung von "BBB -" um eine Stufe auf "BB +" durch Fitch. Grund seien die notleidenden Banken. Zypern brauche die Hilfen aus den Rettungsschirmen für Notkredite zur Stabilisierung des angeschlagenen Bankensystems. Der Inselstaat und seine Banken würden traditionell enge Verbindungen zu Griechenland unterhalten. So hätten die Bank of Cyprus und die Cyprus Popular Bank (ISIN CY0000200119 / WKN 778937) viele Zweigstellen auf dem Festland. Da diese Institute von einem Euro-Austritt Griechenlands betroffen wären, hätten die Ratingagenturen die Bonität der Banken kräftig gesenkt.
Ob die beantragte Hilfe aus dem EU-Rettungstopf reichen werde, möge bezweifelt werden. Denn wenn Athen den Euro verlasse, würden die Kunden auch verstärkt ihre Einlagen von den zypriotischen Konten abheben und auch die neuen "Herrscher auf Zypern", die Russen, würden unruhig werden. Das würde unweigerlich zu Liquiditätsengpässen und neuen Hilfen führen.
In guter Verfassung zeige sich weiterhin der Markt für Neuemissionen, denn viele Investoren hätten einen Nachholbedarf. Somit stünden Unternehmensanleihen guter Emittenten auf dem "Einkaufszettel" der Anleger.
Aus dem Segment der Versicherungen sei die Zurich AG (A1/A+) mit einem 10-jährigen Bond (ISIN XS0798504030 / WKN A1G6NS) im Volumen von 500 Mio. EUR gekommen. Dem Investor werde ein Kupon von 3,375% geboten.
Die norwegische Telekommunikationsgesellschaft Telenor habe insgesamt 1 Mrd. EUR, verteilt auf zwei Tranchen, eingesammelt. Die Laufzeiten würden fünfeinhalb und zehn Jahre betragen und den Investoren Kupons von 1,75% (ISIN XS0798788716 / WKN A1G6N0) bzw. 2,75% (ISIN XS0798790027 / WKN A1G6NZ) offerieren.
Gut nachgefragt sei auch eine Anleihe (ISIN XS0798333802 / WKN A1G6NV) des französischen Autobauers Peugeot im Volumen von 600 Mio. EUR gewesen. Für eine dreijährige Anlagedauer erhalte der Anleger einen jährlichen Kupon von 4,875%.
Ein bei Investoren beliebter Name, Carlsberg A/S (Baa2/BBB) habe 500 Mio. EUR zu einer Verzinsung von 2,875% einsammeln können. Die Anleihe (ISIN XS0800572454 / WKN A0VNTQ) sei 2019 fällig.
Aber auch bei den Altemissionen würden Investoren immer wieder nach "Perlen" suchen. Ob man unbedingt das Unternehmen HeidelbergCement (Ba2/BB) als solche bezeichnen könne, müsse jeder Investor selbst entscheiden. Allerdings hätten sich bei deren Bonds die Renditespreads deutlich eingeengt. So habe z.B. ein am 31.07.2017 fälliger Bond (ISIN XS0458230322 / WKN A1A6PG) einen Renditerückgang von ca. 6,00% (Ende Mai) auf jetzt ca. 4,60% vorzuweisen.
Durch die politischen Entscheidungen auf dem EU-Gipfel sei allerdings wieder alles möglich. Die Krise könne nochmals die Anleger in deutsche Bundeswertpapiere treiben, aber auch die Angst vor einem Streit der Staats- und Regierungschefs, der Euroland in ein politisches Vakuum stürzen würde, könnte die Anleger dazu bewegen, sich von deutschen Anleihen abzuwenden. Beide Szenarien seien möglich. Bei einem nachhaltigen Durchbrechen der Marke von 141% sei eine Reaktion auf 140,17% und bei Überwinden des oberen Trendkanals bei 141,53% wäre ein erneuter Test von 142,25% und 143,09% möglich. Am kommenden Montag sind wir schlauer, so die Analysten der Baader Bank.
Bezeichnenderweise sei die Europäische Zentralbank (EZB) zum wiederholten Male nicht bereit gewesen, Staatsanleihen anzukaufen. Somit hätten "lediglich" unverändert 210,5 Mrd. EUR über ein siebentägiges Refinanzierungsgeschäft absorbiert werden müssen.
In den vergangenen Wochen hätten immer die Neuemissionen der Wackelkandidaten unter verschärfter Beobachtung gestanden. In dieser Woche habe man gespannt auf den Refinanzierungsbedarf Deutschlands gewartet. Die Bundesfinanzagentur habe für das 3. Quartal das bisher geplante Emissionsvolumen von 68 Mrd. EUR auf 71 Mrd. EUR angehoben. Dies sei nicht zuletzt notwendig geworden, da Deutschland bereits in diesem Jahr zwei von insgesamt fünf Jahrestranchen in den Kapitalstock des ESM einzahlen müsse. Wegen deutlich höherer Steuereinnahmen sei die Anpassung relativ gering ausgefallen.
Bereits für 2016 strebe Deutschland einen ausgeglichenen Haushalt ohne Neuverschuldung an. Mit weiter steigenden Steuereinnahmen und den aktuell niedrigen Zinsausgaben könnte das möglich sein. Aber dennoch seien die Schulden insgesamt so hoch wie noch nie zuvor. 2.042 Mrd. EUR stünden zum Ende des ersten Quartals 2012 als deutsche Gesamtschulden zu Buche. Allerdings habe auch diese Statistik ihre Tücken, denn die Verbindlichkeiten kommunaler Zweckverbände und der gesetzlichen Sozialversicherung würden nicht aufgelistet und auch die möglichen Zahlungsverpflichtungen, die am Kapitalmarkt refinanziert werden müssten, würden fehlen.
Wer sich der Illusion eines gesunden Staatshaushalts der Bundesrepublik Deutschland hingebe, der sollte sich eine rosarote Brille vom Politiker seines Vertrauens besorgen.
Die nicht enden wollenden negativen Nachrichten aus der Eurozone seien Gift für die europäische Gemeinschaftswährung. Somit sei es nicht verwunderlich, dass der Euro - in Ermangelung einer nachhaltigen Lösung der Probleme auf dem anstehenden EU-Gipfel - nicht auf die Beine komme und sich in einer Range zwischen 1,2440 und 1,2704 bewege. Aber auch im Vergleich zur Türkischen Lira habe die gemeinsame Währung an Boden verloren und bei 2,2461 sogar ein neues Jahrestief verzeichnet.
Die Sorge um ihr Geldvermögen treibe viele Investoren in andere Währungen. Dies sei ein altbekannter Trend, der sich, wie die Umsatztätigkeit belege, täglich verstärke. Im Mittelpunkt des Interesses seien weiterhin Anleihen auf Norwegische Kronen, Amerikanische und Australische Dollar, sowie Türkische Lira und Chinesische Renminbi.
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Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
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