Bedrohung Inflation? Die Optionen der Zentralbanken


22.03.21 12:45
Legal & General IM

London (www.anleihencheck.de) - Die Zentralbanken haben ihre Arbeit bislang gut gemacht und werden sich von ihrem Kurs nicht abbringen lassen, vermutet Sonja Laud, Chief Investment Officer bei Legal & General Investment Management.

Inflation sei ein Schlüsselthema, das die Experten von Legal & General Investment Management sorgfältig im Blick behalten würden. Aktuell würden sie jedoch mit einem anhaltenden Inflationsdruck frühestens 2022 rechnen. Die Experten von Legal & General Investment Management würden glauben, dass die Zentralbanken willens und in der Lage seien, einen deutlichen Anstieg der Anleiherenditen auf kurze Sicht zu verhindern. Dieses Szenario würde wahrscheinlich den Aktienmärkten Auftrieb geben und die Anleihe-Spreads verengen, trotz relativ unattraktiver Startbewertungen.

Sollten die Renditen weiter steigen, so könnte sich das "Taper Tantrum" von 2013 wiederholen, ausgelöst durch die Angst der Anleger vor einer Rücknahme der lockeren Geldpolitik. Auch dies könnte zu einer scharfen Korrektur an den Kredit- und Aktienmärkten führen, doch die Experten von Legal & General Investment Management würden davon ausgehen, dass die Zentralbanken mit Worten und letztendlich auch mit Taten eingreifen würden.

Für weniger wahrscheinlich würden die Experten halten, dass die Inflation infolge anhaltend positiver Wirtschaftsdaten kurzfristig anziehe. In diesem Fall dürften die Zentralbanken ihre Unterstützung begrenzen. Eine solche Verkürzung des Konjunkturzyklus könnte Assets in Gefahr bringen, die in den letzten Monaten von sehr lockeren Liquiditätsbedingungen profitiert hätten. Die jüngst erlebte Volatilität bei Rohstoffen, Technologieaktien und sogar Bitcoin könnte ein Vorgeschmack sein.

Mit ihrer fiskalpolitischen Reaktion hätten die Zentralbanken zwar das Virus nicht direkt bekämpfen können. Aber sie hätten die Zinssätze auf Null senken und aggressive Ankaufprogramme auflegen können, um die Märkte zu stabilisieren, das Vertrauen der Unternehmen zu stärken und die Finanzierungskosten für die Regierungen niedrig zu halten. Diese Maßnahmen seien richtig gewesen - selbst im Nachhinein sei nicht ersichtlich, was sie anderes hätten tun sollen.

Der Weg zurück aus diesen Maßnahmen werde großen Einfluss auf das Erreichen der Inflationsziele haben. Und er werde eine rasche Erholung von der Pandemie voraussetzen, damit die Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen könne.

Die Impfkampagne dürfte das US-Wachstum ausreichend stärken, damit die Federal Reserve noch in diesem Jahr das Niveau ihrer Wertpapierkäufe zurückfahren könne. Zinserhöhungen vor 2023 seien allerdings unwahrscheinlich. Andere große Zentralbanken scheinen sogar noch weiter von solchen Schritten entfernt und dürften der FED bei der Rücknahme der lockeren Politik hinterherhinken, so die Experten von Legal & General Investment Management. (22.03.2021/alc/a/a)