Anleihen: Stärkster Renditeanstieg seit 1990


07.03.25 16:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Dass die neue Bundesregierung wohl hohe Schulden für die Verteidigung und die Infrastruktur aufnehmen wird, hat die Renditen nach oben schnellen lassen, so die Deutsche Börse AG.

Und für die EZB sehe es nach der Zinssenkung diese Woche jetzt nach einer "Zinspause" aus.

Rasanter Renditeanstieg bei Bundesanleihen - die Ausgabenpläne der voraussichtlich neuen Bundesregierung würden tiefe Spuren am Anleihemarkt hinterlassen. Der Grund: Nun müssten nun wohl viel mehr Bundesanleihen emittiert werden. Die DekaBank spreche von einem "Gamechanger". Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen, vor einer Woche noch bei 2,37 Prozent, seien am gestrigen Donnerstag auf in der Spitze 2,93 Prozent gestiegen. Am Freitagmittag seien es immer noch 2,82 Prozent.

"Das erinnert mich an den Kursrückgang und Renditeanstieg nach dem Mauerfall", bemerke Gregor Daniel, der für die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Anleihen handele. "Einen so heftigen Renditeanstieg hat es bei Bundesanleihen seit 1990 nicht mehr gegeben", stelle auch Commerzbank-Analyst Hauke Siemßen fest. Die Renditen kürzer laufender Bundesanleihen seien ebenfalls nach oben geklettert, allerdings weniger stark.

"Genug Investoren, aber zu welchem Preis?"

Die Pläne der künftigen Bundesregierung: Verteidigungsausgaben in Höhe von mehr als 1 Prozent des BIP sollten nicht mehr bei der Schuldenbremse berücksichtigt werden. Außerdem solle es ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur geben. Allerdings müsse der "alte" Bundestag den Plänen noch zustimmen.

Erwartet werde, dass die Bundesregierung für die vielen Schulden höhere Zinsen zahlen müsse. Nachfrage werde sich aber finden, meine Siemßen. "Selbst im aktuellen Markumfeld konnte die Deutsche Finanzagentur eine neue dreißigjährige Bundesanleihe am Kapitalmarkt begeben, welche sich sogar einer hohen Investorennachfrage erfreute", erkläre er. Das unterstreiche, dass es beim Bund nicht darum gehe, ob er für die nötigen Staatsanleiheemissionen genug Investoren finden werde, sondern vielmehr zu welchem Preis.

"Im April spricht vieles für eine Zinspause"

Etwas untergegangen sei diese Woche eine weitere Zinssenkung der EZB. Der Einlagensatz stehe nun bei 2,5 Prozent. Die Äußerungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde würden zudem darauf hindeuten, dass weitere Zinssenkungen nicht mehr ganz so klar seien. "Die Wahrscheinlichkeiten haben sich verschoben, im April spricht vieles für eine Zinspause", erkläre Anleihehändler Tim Oechsner von der Steubing AG.

Für die USA und die weitere Leitzinsentwicklung dort sei der heute anstehende US-Arbeitsmarktbericht wichtig. "Würde sich die Arbeitsmarktlage eintrüben, würde vermutlich die Neigung der Notenbanker wieder deutlich zunehmen, die Zinsen zu senken", kommentiere Analyst Ralf Umlauf von der Helaba.

Extreme Langläufer beliebt

Einige sehr lang laufende Staatsanleihen seien gesucht, wie Daniel berichte. Beispiele: 2040 und 2071 fällige Spanien-Anleihen mit aktueller Rendite von 3,81 und 4,06 Prozent (ISIN ES00000120N0/ WKN A0NXYY, ISIN ES0000012H58/ WKN A3KLV8). Ebenso gefragt sei ein Bond Österreichs mit Laufzeit bis 2037 und derzeit 3,24 Prozent (ISIN AT0000A04967/ WKN A0G4X4). Brunner sehe auch hohe Nachfrage nach Bundesanleihen mit Laufzeiten von 15 oder 25 Jahren.
Eon, Mercedes und Deutsche Bank gefragt

Im Handel mit Unternehmensanleihen kämen Papiere von E.ON und Mercedes-Benz mit Laufzeiten bis 2044 und 2031 und Renditen von 4,2 und 3,25 Prozent (ISIN XS2791960664/ WKN A383CW, ISIN DE000A3LH6U5/ WKN A3LH6U) gut an, wie Daniel beobachte. Auf den Einkaufszetteln stünden auch Volkswagen-Bonds, wie Brunner berichte, mit Laufzeit bis 2028 und momentan 3,15 Prozent (ISIN XS2152061904/ WKN A2LQ6L). "Außerdem wurden die Quartalszahlen von Deutsche Rohstoff (ISIN DE000A3510K1/ WKN A3510K) gut aufgenommen." Die 2028 fällige Anleihe wird derzeit um 111 Prozent gehandelt, was einer Rendite von gut 4 Prozent entspricht.
Oechsner meldet gute Umsätze für Anleihen der Deutsche Bahn bis 2037 (ISIN XS2577042893/ WKN A30V8D), Würth bis 2031 (ISIN XS2911681083/ WKN A3L4ZS), Deutsche Telekom bis 2028 (ISIN XS1382791975/ WKN A18Y8M) und Mercedes-Benz bis 2026 (ISIN DE000A3LH6T7/ WKN A3LH6T). Die aktuellen Renditen lägen bei 3,41 Prozent, 3,22 Prozent, 2,47 Prozent und 2,39 Prozent. Weiter beliebt seien zudem US-Dollar-Bonds, etwa von John Deere mit Fälligkeit 2030 und aktuell 4,47 Prozent (ISIN US24422EWZ86/ WKN A3LJP1).

Begrüßt worden sei Brunner zufolge, dass Fußballverein Hertha BSC die Rückzahlung seiner bis November laufenden Anleihe (ISIN SE0011337054/ WKN A2NBK3) zugesichert habe. Umsätze auf beiden Seiten registriere er für The Platform Group (ISIN NO0013256834/ WKN A383EW).

METRO und Verve mit neuen Bonds

Neues sei Oechsner zufolge unter anderem vom Handelskonzern METRO gekommen: Der Bond biete 4 Prozent bis 2030 (ISIN XS3015684361/ WKN A4DFLC). Zudem habe die Verve Group, ehemals Media & Games Invest, eine neue Anleihe im Wert von 500 Millionen Euro platziert, wie Brunner melde. Laufzeit seien vier Jahre, die Verzinsung sei variabel zu 3M Euribor plus 4 Prozent (ISIN SE0023848429/ WKN nicht bekannt). Mit der Neuemission sollten die bis 2026 und 2027 (ISIN SE0018042277/ WKN A3K6T4, ISIN SE0019892241/ WKN A3LFLD) laufenden Anleihen zurückgezahlt werden. (07.03.2025/alc/a/a)






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