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Anleihen: Der Kapitalbedarf ist hoch
24.04.20 16:00
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Unternehmen und Staaten zapfen derzeit laut Händler in größerem Stil die Kapitalmärkte an und treffen dabei auf ausgesprochen viel Gegenliebe, so die Deutsche Börse AG.
"Für eine spanische Neuemission im Umfang von 15 Milliarden Euro lag die Nachfrage bei rekordhohen 100 Milliarden Euro", beschreibe Arthur Brunner. Madrid zahle für die neue siebenjährige Staatsanleihe (WKN A2AWLL) einen Kupon von 1,25 Prozent. "Liquidität ist aufgrund der anlaufenden Stützungsmaßnahmen reichlich vorhanden", stelle der ICF Bank-Händler fest.
"Der Kapitalbedarf vieler Unternehmen ist hoch", stelle Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank fest. Über die Ausgabe von drei Bonds habe etwa Ford in dieser Woche insgesamt acht Milliarden US-Dollar aufgenommen und müsse dem Händler der Oddo Seydler Bank zufolge dafür sehr tief in die Tasche greifen. Ein dreijähriger Bond (ISIN US345370CV02 / WKN A28WEV) komme auf einen Kupon von 8,5 Prozent, ein fünfjähriges Papier (ISIN US345370CW84 / WKN A28WEW) auf 9,0 Prozent. Jährliche Zinsen in Höhe von 9,625 Prozent seien für eine zehnjährige Anleihe fällig. Die Ford-Fabriken stünden wie die anderer Automobilproduzenten regional still. Zudem habe der US-Autobauer für das erste Quartal einen Verlust von 600 Millionen US-Dollar und einen Umsatzrückgang von 16 Prozent auf 34 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt.
"Netflix als Krisengewinner kommt mit einem Kupon von 3,0 Prozent für eine neue fünfjährige Euro-Anleihe (ISIN XS2166217278 / WKN A28WSJ) im Vergleich günstig davon." Ein fünfjähriger Bond in einer Stückelung von 2.000 US-Dollar bringe Anlegern jährlich 3.625 Prozent Zinsen. "Beide Anleihen sind ab kommender Woche handelbar."
Bonds kleinerer und mittlerer Unternehmen würden sich Brunner zufolge tendenziell stabilisieren. Beispielhaft nenne der Händler eine im November 2023 fällige Sowitec-Anleihe mit einem Kupon von 6,75 Prozent. "Nach den Verlusten notiert der Wert derzeit um 100 Prozent." Ebenso koste eine 50 Millionen Euro schwere Mutares-Anleihe mit variablem Zinssatz nach dem Einbruch auf 60 Prozent nun wieder um 88 Prozent.
Überwiegend Käufe registriere Brunner in einer bis 2022 laufenden Anleihe (ISIN XS1251078009 / WKN A161MW) von Douglas mit einem Kupon von 6,25 Prozent, die in der Corona-Krise bis auf 55 Prozent eingebüßt habe und aktuell um 78 Prozent koste.
Sehr gut gelaufen sei nach Beobachtung von Gregor Daniel ein im Oktober 2026 fälliger VW-Wert (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C) mit einem Kupon von 2,25 Prozent. Aus dem Tief von 85 Prozent habe sich der Bond wieder zurückgemeldet und notiere aktuell um 102,50 Prozent. "Anleger sorgen sich scheinbar nicht darum, ob VW die Anleihe zurückzahlen kann", schätze der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.
Auf die guten Zahlen der FCR Immobilien würden Bondinvestoren Daniel zufolge mit zumeist Käufen einer bis 2024 laufenden Anleihe (ISIN DE000A2TSB16 / WKN A2TSB1) des Unternehmens reagieren, die jährlich nominal 5,25 Prozent bringe. Aktuell gehe der Wert für 93 Prozent über den Tisch. Daniel halte das Aufwärtspotenzial im Immobiliensektor aufgrund der erwarteten Mietausfälle für begrenzt. "Im Einzelnen spielt natürlich die Qualität der Mieter eine Rolle."
Die Schwankungen am Ölpreis würden sich Brunner zufolge in einer fünfjährigen Anleihe (ISIN DE000A2YN3Q8 / WKN A2YN3Q) der Deutschen Rohstoff mit einem jährlichen Zins von 5,25 Prozent widerspiegeln. Nach 60 Prozent zum Monatsbeginn notiere der Bond am Freitag um 71 Prozent.
Das gestern von den EU-Regierungen abgesegnete und ab 1. Juni zur Verfügung stehende 500 Milliarden Euro Hilfspaket sei für viele Analysten nur ein Anfang. Dieser sehe Förderkredite für kleine und mittelständische Unternehmen, Kredite aus dem Rettungsfonds ESM und ein europäisches Kurzarbeitergeld vor.
EU-Kommission und Europäische Zentralbank würden Medienberichten zufolge zudem über die Schaffung einer Bad Bank für den Euroraum diskutieren. Diese übernehme wenn nötig zahlungsgestörte Kredite - genannt Non-Performing Loans (NPL) - in Milliardenhöhe von Banken und bereinige damit ihre Bilanzen. Für Stefan Bielmeier von der DZ Bank könnte eine nationale oder europäische Bad Bank Finanzunternehmen von vermutlich steigenden NPLs entlasten und damit Platz für die Vergabe von neuen Krediten schaffen.
Diese nicht ganz neue Diskussion sei bislang immer an der Frage gescheitert, wie man eine dauerhafte Vergemeinschaftung und Fehlanreize verhindern könne. Die richtigen Impulse könnten nach Ansicht Bielmeiers zeitlich befristete und zweckgebundene Instrumente geben. Das gelte für neue Anleihen, wie auch einer Bad Bank bei der EZB.
Ausgeräumt werden könnte die Angst vieler Länder vor der Vergemeinschaftung von Verlusten nach Meinung der Beratungsgesellschaft Deloitte durch eine Haftung der jeweiligen Mitgliedstaaten für ihre Banken. Europäisches Beihilferecht und die neuen Vorschriften zur Sanierung und Abwicklung der notleidenden Kredite in einem Gemeinschaftsunternehmen müssten allerdings eingehalten werden. Einige man sich, stelle die bestmögliche Verwaltung und Verwertung von Krediten aus allen Anlageklassen sowie über 20 unterschiedlichen Rechtsräumen in verschiedenen Sprachen aber eine kaum abschätzbare Mammutaufgabe dar. (24.04.2020/alc/a/a)
"Für eine spanische Neuemission im Umfang von 15 Milliarden Euro lag die Nachfrage bei rekordhohen 100 Milliarden Euro", beschreibe Arthur Brunner. Madrid zahle für die neue siebenjährige Staatsanleihe (WKN A2AWLL) einen Kupon von 1,25 Prozent. "Liquidität ist aufgrund der anlaufenden Stützungsmaßnahmen reichlich vorhanden", stelle der ICF Bank-Händler fest.
"Der Kapitalbedarf vieler Unternehmen ist hoch", stelle Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank fest. Über die Ausgabe von drei Bonds habe etwa Ford in dieser Woche insgesamt acht Milliarden US-Dollar aufgenommen und müsse dem Händler der Oddo Seydler Bank zufolge dafür sehr tief in die Tasche greifen. Ein dreijähriger Bond (ISIN US345370CV02 / WKN A28WEV) komme auf einen Kupon von 8,5 Prozent, ein fünfjähriges Papier (ISIN US345370CW84 / WKN A28WEW) auf 9,0 Prozent. Jährliche Zinsen in Höhe von 9,625 Prozent seien für eine zehnjährige Anleihe fällig. Die Ford-Fabriken stünden wie die anderer Automobilproduzenten regional still. Zudem habe der US-Autobauer für das erste Quartal einen Verlust von 600 Millionen US-Dollar und einen Umsatzrückgang von 16 Prozent auf 34 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt.
"Netflix als Krisengewinner kommt mit einem Kupon von 3,0 Prozent für eine neue fünfjährige Euro-Anleihe (ISIN XS2166217278 / WKN A28WSJ) im Vergleich günstig davon." Ein fünfjähriger Bond in einer Stückelung von 2.000 US-Dollar bringe Anlegern jährlich 3.625 Prozent Zinsen. "Beide Anleihen sind ab kommender Woche handelbar."
Bonds kleinerer und mittlerer Unternehmen würden sich Brunner zufolge tendenziell stabilisieren. Beispielhaft nenne der Händler eine im November 2023 fällige Sowitec-Anleihe mit einem Kupon von 6,75 Prozent. "Nach den Verlusten notiert der Wert derzeit um 100 Prozent." Ebenso koste eine 50 Millionen Euro schwere Mutares-Anleihe mit variablem Zinssatz nach dem Einbruch auf 60 Prozent nun wieder um 88 Prozent.
Überwiegend Käufe registriere Brunner in einer bis 2022 laufenden Anleihe (ISIN XS1251078009 / WKN A161MW) von Douglas mit einem Kupon von 6,25 Prozent, die in der Corona-Krise bis auf 55 Prozent eingebüßt habe und aktuell um 78 Prozent koste.
Auf die guten Zahlen der FCR Immobilien würden Bondinvestoren Daniel zufolge mit zumeist Käufen einer bis 2024 laufenden Anleihe (ISIN DE000A2TSB16 / WKN A2TSB1) des Unternehmens reagieren, die jährlich nominal 5,25 Prozent bringe. Aktuell gehe der Wert für 93 Prozent über den Tisch. Daniel halte das Aufwärtspotenzial im Immobiliensektor aufgrund der erwarteten Mietausfälle für begrenzt. "Im Einzelnen spielt natürlich die Qualität der Mieter eine Rolle."
Die Schwankungen am Ölpreis würden sich Brunner zufolge in einer fünfjährigen Anleihe (ISIN DE000A2YN3Q8 / WKN A2YN3Q) der Deutschen Rohstoff mit einem jährlichen Zins von 5,25 Prozent widerspiegeln. Nach 60 Prozent zum Monatsbeginn notiere der Bond am Freitag um 71 Prozent.
Das gestern von den EU-Regierungen abgesegnete und ab 1. Juni zur Verfügung stehende 500 Milliarden Euro Hilfspaket sei für viele Analysten nur ein Anfang. Dieser sehe Förderkredite für kleine und mittelständische Unternehmen, Kredite aus dem Rettungsfonds ESM und ein europäisches Kurzarbeitergeld vor.
EU-Kommission und Europäische Zentralbank würden Medienberichten zufolge zudem über die Schaffung einer Bad Bank für den Euroraum diskutieren. Diese übernehme wenn nötig zahlungsgestörte Kredite - genannt Non-Performing Loans (NPL) - in Milliardenhöhe von Banken und bereinige damit ihre Bilanzen. Für Stefan Bielmeier von der DZ Bank könnte eine nationale oder europäische Bad Bank Finanzunternehmen von vermutlich steigenden NPLs entlasten und damit Platz für die Vergabe von neuen Krediten schaffen.
Diese nicht ganz neue Diskussion sei bislang immer an der Frage gescheitert, wie man eine dauerhafte Vergemeinschaftung und Fehlanreize verhindern könne. Die richtigen Impulse könnten nach Ansicht Bielmeiers zeitlich befristete und zweckgebundene Instrumente geben. Das gelte für neue Anleihen, wie auch einer Bad Bank bei der EZB.
Ausgeräumt werden könnte die Angst vieler Länder vor der Vergemeinschaftung von Verlusten nach Meinung der Beratungsgesellschaft Deloitte durch eine Haftung der jeweiligen Mitgliedstaaten für ihre Banken. Europäisches Beihilferecht und die neuen Vorschriften zur Sanierung und Abwicklung der notleidenden Kredite in einem Gemeinschaftsunternehmen müssten allerdings eingehalten werden. Einige man sich, stelle die bestmögliche Verwaltung und Verwertung von Krediten aus allen Anlageklassen sowie über 20 unterschiedlichen Rechtsräumen in verschiedenen Sprachen aber eine kaum abschätzbare Mammutaufgabe dar. (24.04.2020/alc/a/a)
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